Eine der ältesten Fahrradstraßen in Berlin: die Linienstraße im Bezirk Mitte. Seit 2008 stehen die Verkehrszeichen.
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BerlinWas bedeutet das quadratische Schild mit dem blau-weißen Fahrradzeichen? Hier dürfen Radfahrer nebeneinander fahren, und es gilt Tempo 30. Fahrradstraßen können dazu beitragen, die Stadt für Velonutzer sicherer und angenehmer zu gestalten. Im Bezirk Mitte sind bereits einige Verbindungen dieser Art so ausgeschildert worden – die Linienstraße ist das älteste Beispiel, seit 2008 schon. Nun hat Stadträtin Sabine Weißler (Grüne) mitgeteilt, dass das Bezirksamt sieben weitere Fahrradstraßen plant. Außerdem sind in Mitte an vielen anderen Stellen Verbesserungen vorgesehen – nicht nur für Radfahrer, auch für Fußgänger.

Konkrete Planungen gebe es für neue Fahrradstraßen in der Trift-, Gericht- und Ungarnstraße, teilte die Stadträtin vor Kurzem auf eine Anfrage des Bezirksverordneten Johannes Schneider mit. Er gehört ebenfalls den Grünen an und ist in seiner Fraktion Sprecher für Finanzen und Verkehr. Die quadratischen Verkehrszeichen sollen auch in der Antwerpener Straße, am Alexanderufer, in der Togo- und Kameruner Straße aufgestellt werden. Die Kameruner Straße wird außerdem asphaltiert.

In der Antwort auf die schriftliche Anfrage kündigte Stadträtin Weißler auch neue Radverkehrsanlagen für den Bezirk Mitte an – unter anderem in der Französischen Straße und am Werderschen Markt, außerdem in der City West in der Budapester und Stülerstraße. Radfahrstreifen, die mit Pollern oder anderen Begrenzungselementen geschützt sind, stehen ebenfalls auf ihrer Liste. Eine „Protected Bike Lane“ ist zum Beispiel in der Amrumer Straße zwischen See- und Föhrer Straße geplant, auf beiden Straßenseiten und jeweils 550 Meter lang. Die Ausschreibung für den 170.000-Euro-Auftrag wird vorbereitet, heißt es.

In der Müllerstraße in Wedding sollen ebenfalls geschützte Radfahrstreifen entstehen. Schon länger, wie die Stadträtin betonte. Allerdings musste auf Wunsch der Senatsverkehrsverwaltung nochmals „die bereits fertiggestellte Planung überarbeitet werden, um sie an das neue Mobilitätsgesetz anzupassen“, erklärte Weißler.

Personalengpass hemmt Verkehrswenden

Inzwischen gebe es ein Vorhaben für eine dritte Straße in Mitte: Auch die Invalidenstraße soll geschützte Radfahrstreifen bekommen, so die Politikerin. „Auf politischen Wunsch hin wurde seitens des Straßen- und Grünflächenamts das völlig neue Projekt in Angriff genommen“, teilte sie mit. Mittlerweile liege eine abgestimmte Entwurfsplanung vor. Allerdings:„Durch diese Prioritätenplanung mussten andere Projekte wie zum Beispiel Alt-Moabit zurückgestellt werden.“

Könnten nicht zunächst Pop-up-Radwege, also provisorische Radfahrstreifen, entstehen? Sie eignen sich für Straßen, in denen keine größeren Konflikte zwischen Verkehrsteilnehmern zu lösen sind, erklärte Sabine Weißler. Wo dies nicht der Fall sei, wären auch für temporäre Anlagen planerische Vorarbeiten erforderlich, die man sich sparen wolle. „Um den finanziellen und personellen Aufwand gering zu halten, strebt das Straßen- und Grünflächenamt an, vorhandene Planungen möglichst bereits als dauerhafte Maßnahmen umzusetzen“ – also weiß, nicht gelb markiert, so die Stadträtin.

Der Bericht der Grünen-Politikerin zeigt, dass auch der Bezirk Mitte Schwierigkeiten hat, alle Arbeitsplätze in diesem Bereich zu besetzen. Zwar seien derzeit im Straßen- und Grünflächenamt zwei volle Stellen und eine halbe Stelle für den Radverkehr vorgesehen, heißt es. Doch eine Stelle ist unbesetzt, eine weitere ist erst wieder ab Anfang Oktober 2020 personell abgedeckt. Die dritte Stelle ist mit einer Teilzeitkraft besetzt, deren Arbeitszeit auf 30 Stunden pro Woche festgesetzt ist.

Auch für Fußgänger soll es Verbesserungen geben, so Weißler weiter. So lägen dem Straßen- und Grünflächenamt Mitte Anordnungen für neue Fußgängerüberwege an zwölf Stellen vor. Neue Zebrastreifen seien unter anderem in der Berolina-, Sickingen- und Linienstraße sowie am Michaelkirchplatz vorgesehen. Zudem soll auch Mitte eine temporäre Spielstraße bekommen: in der Freienwalder Straße. Möglich, dass weitere Straßen im Soldiner Kiez ebenfalls zeitweise zu Spielplätzen erklärt werden. Mit der Pohlstraße könnte das ebenfalls geschehen, teilte die Stadträtin mit.

„Die Verkehrswende ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Die Anfrage zeigt, wie viele auch oftmals kleinteilige Maßnahmen notwendig sind, um die Infrastruktur für den Fuß- und Radverkehr zu verbessern“, sagte Johannes Schneider. „Mein Ziel ist es, dass wir noch einmal eine Schippe drauflegen, um die vielen Projekte jetzt über die Zielgerade zu führen. Ich freue mich besonders, dass wir mit der Invaliden- und Amrumer Straße zwei weitere Straßen haben, in denen wir noch in diesem Jahr geschützte Fahrradstreifen bekommen werden. Auch bei der Einrichtung von Fahrradstraßen ist der Bezirk auf einen sehr guten Weg. Im Wedding wird ein richtiges Fahrradstraßennetz entstehen.“