Berlin - Die klimaneutrale Energieerzeugung ist eins der wichtigsten Themen unserer Zeit und es kann gar nicht schnell genug vorangehen. Schadstoffbelastung, Klimaerwärmung, Energiekosten – die Problemfelder sind schon jetzt zahlreich und der Forschungsbedarf groß. Der Senat will Entwicklungsvorhaben in diesem Bereich deshalb unterstützen und eines davon ganz konkret in dieser Woche.

Es geht um den Industrie- und Wissenschaftscampus in Spandau, den die Firma Siemens dort gemeinsam mit der Technischen Universität, der Fraunhofer Gesellschaft und der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung errichten will. Ziel ist eine Energieerzeugung auf der Basis von Wasserstoff anstelle von Gas. In ihrer Sitzung am Dienstag werden die Senatoren und der Regierende Bürgermeister sich voraussichtlich dafür aussprechen, dem Projekt 7,5 Millionen Euro aus einem Fördertopf des Bundes und der Länder zur „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) zur Verfügung zu stellen.

„Mit diesen neuen Investitionen stärken wir das Land Berlin als Wirtschafts-, Wissenschafts- und Forschungsstandort“, sagt Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Das Investitionsvolumen beträgt insgesamt 15 Millionen Euro. Die zweite Hälfte zahlt Siemens.

Neues Stadtquartier für rund 600 Millionen Euro

Bei diesem Industrie- und Wissenschaftscampus an der Nonnendammallee in Siemensstadt handelt es sich um ein vergleichsweise kleines Forschungs- und Entwicklungsvorhaben. In Senatskreisen wird das Projekt als Siemens-Mini-Campus bezeichnet, denn gleich in der Nachbarschaft hat der Technologiekonzern noch viel Größeres vor.

Wie berichtet, will Siemens nördlich der Nonnendammallee für etwa 600 Millionen Euro auf 70 Hektar Fläche ein ganz neues Stadtquartier gestalten: eine Siemensstadt 2.0, einen Technologiepark, der gleichzeitig Wohn- und Arbeitsstandort sein soll. Büros, Wohnungen, Forschungslabore und Hightech-Produktionsanlagen für Start-ups. Erst im Oktober hatten sich der Senat und Siemens auf Rahmenbedingungen für diese Zukunftsstadt geeinigt und eine entsprechende Absichtserklärung gemeinsam unterzeichnet. Damals war auch eine zweite Verabredung getroffen worden. Sie betrifft den Mini-Campus. Jetzt werden dafür die öffentlichen Mittel bereit gestellt.

Wirschaftssenatorin Pop und der Strukturwandel 2.0

Der Forschungscampus sei nur der erste Schritt, so will die Wirtschaftsverwaltung das finanzielle Engagement verstanden wissen. Ein Startschuss, und zwar einer, der Absichtserklärungen umgehend Geld folgen lässt. Die Tinte sei noch gar nicht trocken, schon starte das Land die Umsetzung, so die Wirtschaftssenatorin.

„Wir legen damit den Grundstein für erste konkrete Maßnahmen zum Thema produktionstechnischer Strukturwandel 2.0. Mit unseren Partnern werden wir durch neue Ideen und Produktion die Wertschöpfung vor Ort ermöglichen. Berlin wird somit mehr und mehr zum Inkubator für die Erneuerung der Industrie“, sagt Pop. Offensichtlich ist der Senat auch daran interessiert, das Verhältnis zu Siemens zu verbessern, war es doch in der Vergangenheit zu Missstimmungen gekommen, als Siemens Stellenabbau ankündigte.

Am Dienstag berät Senat über Fördergelder

Der Forschungscampus soll schnell arbeitsfähig sein. Vorgesehen ist, dass das Projekt innerhalb des nächsten halben Jahres realisiert wird. Nach dem Senatsbeschluss wird es deshalb umgehend um die Details des GRW-Antrags gehen, so- dass eine Förderzusage Anfang des Jahres erfolgen kann.

Am Dienstag sollen noch weitere Projekte mit GRW-Mitteln bedacht werden. So wird der Senat wohl auch die Modernisierung des Zentrums für Photonic und Optik am Wissenschafts- und Technologiestandort Adlershof unterstützen. Außerdem werden in den kommenden Jahren touristische Maßnahmen gefördert, die den Tourismus in den Außenbezirken entwickeln sollen. Insgesamt geht es am Dienstag um 47 Millionen Euro Fördergeld.