Berlin - Sie brachte einst Tausende Industriearbeiter ins Werk und könnte ein Weg zum Industriepark Tegel werden: die Berliner Siemensbahn in Charlottenburg und Spandau. 1980 wurde die S-Bahn-Strecke stillgelegt. Nun überprüft der Senat, ob auf den toten Gleisen neues Leben einkehren soll.

Der gültige Stadtentwicklungsplan von 2011 sehe einen „Realisierungshorizont nach 2025“, teilte Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) mit. Weil die Stadt wächst, habe das Thema Reaktivierung in letzter Zeit jedoch an Aktualität gewonnen. Für Gaebler sind aber noch viele Fragen offen.

Seit mehr als 35 Jahren außer Betrieb

Er kündigte an, die Verwaltung wolle die Verkehrsanbindung neuer Wohnungsbaustandorte in dem Teil der Stadt bis hin zur Wasserstadt Oberhavel untersuchen. Das schließe die Trasse der Siemensbahn ein. Die knapp fünf Kilometer lange Strecke vom Bahnhof Jungfernheide bis zum Bahnhof Gartenfeld war 1929 in Betrieb gegangen, um Arbeiter aus der Innenstadt nach Siemensstadt zu bringen.

1980 stellte die auch in West-Berlin für die S-Bahn zuständige DDR-Reichsbahn den Betrieb auf der Strecke nach einem Streik ein. Die Arbeiter fuhren auf der neuen U-Bahn-Linie 7.

Die Mittel sind begrenzt

Das Land hat sich jedoch alle Möglichkeiten offen gehalten: Den Antrag der Bahn, die Trasse aufzugeben, hatte der Senat wiederholt zurückgewiesen, zuletzt in diesem Jahr. „Wir müssen die Kosten im Blick behalten“, begründete ein Bahnsprecher die Anträge. „Sie werden letztlich der Allgemeinheit aufgebürdet.“ Der Staatskonzern gab nach eigenen Angaben in den vergangenen drei Jahren 133.000 Euro aus, um die Trasse zu sichern und Brücken zu überprüfen.

Gaebler antwortete auf eine Anfrage der CDU im Abgeordnetenhaus, für eine eventuelle Inbetriebnahme sei eine Reihe offener Fragen zu klären: die Wirtschaftlichkeit, Sanierungskosten und deren Finanzierung, Beschränkungen durch den Denkmalschutz der Bahnhöfe und die Finanzierung des S-Bahn-Betriebs. Die Mittel dafür seien begrenzt. Zwischenzeitlich gab es auch den Vorschlag, einen Fahrradschnellweg auf dem Bahndamm anzulegen.

Neuer Weg zum High-Tech-Gelände

In den Blickpunkt geriet die Trasse auch durch die Pläne für das Tegeler Flughafengelände. Dort sollen nach der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens ein Forschungs- und Industriepark mit Tausenden Arbeitsplätzen sowie Wohnungen entstehen.

Von der stillgelegten S-Bahn-Endstation Gartenfeld sind es nur wenige hundert Meter zum Flughafen-Areal. Ob die geplante „Urban Tech Republic“ in Tegel aber über die Schiene erschlossen wird, ist offen. Im Gespräch ist auch ein Anschluss an die U-Bahn-Linie 6. (dpa)