BerlinSiemens baut wieder auf Berlin – und hat seit Mittwochabend auch einen Plan, wie der Zukunftscampus in der Siemensstadt aussehen soll. Der preisgekrönte Entwurf des Berliner Architekturbüros Ortner + Ortner für die Siemensstadt 2.0 ist, soweit es der erste Eindruck erlaubt, eine gute Basis für die Gestaltung des neuen Stadtteils.

Denn Ortner + Ortner machen  genau das, was gute Planer ausmacht: Sie respektieren das Alte und schaffen zugleich Platz für das Neue. Das Alte, das sind die traditionsreichen Bauten von Siemens wie das Schaltwerk und das Verwaltungsgebäude, die erhalten bleiben.

Das Neue, das sind Stätten für Forschung und Produktion, Büros, Wohnungen, eine Europaschule, ein Hotel und Grünflächen. Was aber besonders wichtig ist: Siemens will den Zaun, der bislang das Industrie-Areal umgibt, nach und nach abbauen und sich so zu seiner Nachbarschaft öffnen. Die Siemensstadt 2.0 soll so zu einem durchlässigen Quartier werden. Ja, so wird Stadt gemacht, das ist vorbildlich.

Ob das geplante 150 Meter hohe Hochhaus wirklich ins Zentrum des neuen Stadtviertels passt, wird dagegen sicher noch heftig diskutiert werden. Denn Hochhäuser polarisieren. Es gibt bei allen Hochhaus-Plänen in Berlin mindestens so viele Gegner wie Befürworter.

Was die bisherigen Hochhaus-Planungen in Berlin zeigen, ist, dass die Realisierung selbst genehmigter Projekte stets sehr lange dauert. Am Alexanderplatz wurde erst kürzlich – mehr als 25 Jahre nach dem städtebaulichen Entwurf für die Wolkenkratzer – der erste Spatenstich für den ersten 150-Meter-Turm gesetzt. Hauptgrund für die langen Phasen bis zur Realisierung von Hochhäusern ist der teure Bau solcher Gebäude.

Angesichts hoher Kosten muss schon alles passen, bis sich ein solches Projekt lohnt. Das ist für die Stadt wie für die Eigentümer ein Risiko. Denn solange die Bedingungen nicht stimmen, erweist sich manch kühne Hochhaus-Idee als städtebauliche Blockade. Die Flächen bleiben meist frei. Was Siemens helfen könnte, schnell zum Erfolg zu kommen, ist, dass sich das Büro Ortner + Ortner mit dem Bau von Hochhäusern auskennt. Es hat den Entwurf für den ersten 150-Meter-Turm am Alex geliefert, dessen Bau vor kurzem gestartet wurde.

Für die neue Siemensstadt gilt freilich, was für alle neuen Stadtteile gilt: Um am Ende zu funktionieren, muss neben einer guten Verkehrsanbindung die soziale Infrastruktur, also Schulen und Kitas, rechtzeitig geschaffen werden. Gut ist, dass Siemens 30 Prozent mietpreisgebundene Wohnungen errichten will, also Sozialwohnungen. Sie können helfen, die Folgen der zu erwartenden Aufwertung des Stadtteils zu mildern. Aufhalten werden sie die Entwicklung nicht.