Signalstörungen in Berlin: Tauwetter legt S-Bahn lahm

Der Schnee ist verschwunden, die Straßen sind wieder eisfrei. Doch das Tauwetter der vergangenen Tage hat auch eine negative Seite – wie Zehntausende von S-Bahn-Fahrgästen am Dienstag erneut erleben durften. Wie schon am Sonntag und Montag fielen Signale am Ring aus. Auf der stark genutzten Strecke verspäteten sich viele S-Bahn-Züge, oder sie fielen aus. Fünf S-Bahn-Linien waren betroffen. Schuld an den Signalstörungen war offenbar getauter Schnee, teilte ein Sprecher der Deutschen Bahn (DB) mit. Inzwischen sind Techniker dabei, die nassen Stellen zu orten – damit es keine weiteren Ausfälle gibt.

Dass Signale und Weichen gestört sind, kommt immer mal wieder vor. Doch was sich jetzt auf der südlichen Ringbahn ereignet hat, ist schon etwas Besonderes. Seit Sonntag wurden aus dem Bereich Südkreuz/Tempelhof mehrere Störungen gemeldet. Stets waren dieselben Signale betroffen, und zwar die mit den Nummern 747, 751 und 757, wie die Bahn bestätigte. Die Häufung fiel auch den Bloggern auf, die auf der Internetseite Drehscheibe Online Verkehrsmeldungen kommentieren. „Für den Laien-Beobachter sieht die Auflistung der Störungsmeldungen so aus, als ob DB Netz eine Signalstörung auf einer der meistbefahrenen Streckenabschnitte der S-Bahn nicht in den Griff bekommt...!?!“, schrieb einer.

Mit Tempo 15 durch die Dunkelheit

Am Dienstag war erneut der Berufsverkehr am Morgen betroffen. „Wir mussten auf Nummer sicher gehen“, sagte Bahnsprecher Burkhard Ahlert. So lange es noch dunkel war, durften die S-Bahnen höchstens Tempo 15 fahren. Nach Sonnenaufgang waren immerhin 40 Kilometer pro Stunde erlaubt. Verspätungen und Zugausfälle gab es trotzdem.

„Techniker von DB Netz haben sich umgehend auf den Weg gemacht“, berichtete Ahlert. Sie sorgten zwar dafür, dass die Signale wieder normal funktionierten und sich der Verkehr gegen 10.10 Uhr wieder normalisierte. Doch die Suche nach der Ursache der Ausfälle dauert an. Das Problem steckt offensichtlich in einem der vielen Kabel, die zu der Signalanlage gehört. „Hier besteht der Verdacht auf Feuchtigkeit im Kabel“, sagte der Sprecher. Das könne mit dem Tauwetter zu tun haben.

Doch wo genau der Fehler steckt, ist noch nicht klar. „Das Problem tritt nur zeitweilig auf und ist daher schwer lokalisierbar“, so Ahlert. Erst wenn es gefunden worden sei, könne die Anlage stabilisiert werden – und erst dann können die Fahrgäste hoffen, dass sie auf dem Südring nicht ständig durch Signalstörungen aufgehalten werden.

„Dieser Teil des Rings kommt in die Jahre“, sagte ein S-Bahner. Die Strecke wurde 1993 wieder eröffnet und seither nicht von Grund auf erneuert. „Kein Wunder, dass es Störungen gibt.“ Ahlert widersprach: „Das Kabel funktionierte bisher problemfrei und stand nicht im Fokus der Instandsetzung.“ Sonst wäre es bereits ausgewechselt worden.

Klar ist aber auch: Eine umfassende Sanierung mit Austausch der Signaltechnik werde es frühestens Mitte der 2020er-Jahre geben, hieß es bei der S-Bahn. So lange seien noch ältere S-Bahnen unterwegs, für die das künftig vorgeschriebene Signalsystem nicht ausgelegt sei.

Havarie in der Schaltzentrale

Intern hieß es, dass das Tauwetter offenbar auch anderswo im S-Bahn-Netz zu Problemen geführt hat. So besteht der Verdacht, dass getauter Schnee einen Kabelfehler in Friedrichsfelde Ost verursacht hat.

Ein weiteres Problem setzt der S-Bahn ebenfalls zu. Immerhin: Fahrgäste sind derzeit nicht betroffen. Eine Havarie in der Stromversorgung des S-Bahn-Werks Grünau hat dazu geführt, dass in der Halle keine Züge mehr fahren können. „Das bedeutet, dass viele Wartungsarbeiten an den Zügen nicht mehr stattfinden können“, sagte ein S-Bahner. Er schloss mit einem Stoßseufzer: „Immer wieder gibt es etwas Neues“ – was den Betrieb beeinträchtigt.