Weil sie warten mussten: Drei Männer schlagen in Berliner Rettungsstelle Personal zusammen

Exklusiv: Ein Überwachungsvideo zeigt, was sich in der Silvesternacht im Sana-Klinikum in Lichtenberg abspielte.

In der Rettungsstelle des Krankenhauses Lichtenberg wurde ein Arzt niedergeschlagen und ein Krankenpfleger angegriffen.
In der Rettungsstelle des Krankenhauses Lichtenberg wurde ein Arzt niedergeschlagen und ein Krankenpfleger angegriffen.Berliner Zeitung

Es sind dramatische Bilder, die die Überwachungskamera zeigt: Drei Männer stehen Ärzten und Pflegern gegenüber. Wie an ihrer Körperhaltung und ihren Gesten zu sehen ist, wirken sie keineswegs krank und gebrechlich. Sie beschimpfen das Personal. Schwarze Jacken, schräge Umhängetaschen auf der einen Seite – blaue und weiße Krankenhausbekleidung auf der anderen.

Das Überwachungsvideo, das der Berliner Zeitung vorliegt, spricht für sich selbst.  Es wurde gegen 1 Uhr in der Neujahrsnacht im Krankenhaus Lichtenberg an der Fanningerstraße aufgenommen. Ein Arzt, der einen blauen Kasack trägt, kommt hinzu – offenbar will er zur Klärung der Situation beitragen. Jetzt verlieren die drei Männer komplett die Beherrschung. Es kommt zur Rangelei.



Anzeige | Zum Weiterlesen scrollen

Der Arzt geht zur Seite, ein Mann setzt ihm nach und schlägt ihm mit der Linken und der Rechten mit voller Wucht gegen den Kopf. Der Arzt geht zu Boden und bleibt regungslos liegen. Eine Kollegin eilt zu ihm. Sie versucht, ihn wegzuziehen, er versucht – offenbar von den Schlägen benommen – seinen Oberkörper aufzurichten. Doch er bleibt liegen, während die Kollegin neben ihm verharrt.

Immer wieder versucht der Schläger, auf das Personal loszugehen. Weitere Männer kommen hinzu – offenbar Patienten oder Angehörige, die in der Notaufnahme warteten. Sie drängen die Angreifer ab und reden beruhigend auf sie ein.

Inzwischen hat das Krankenhauspersonal die Polizei gerufen, die eintrifft, als der Tumult sich vor das Haus verlagert hat. Die Polizisten nehmen die Schläger fest: einen 25-Jährigen, der den Arzt niedergeschlagen hat, und seine 16 und 20 Jahre alten Brüder, die ebenfalls den Arzt und außerdem einen Pfleger angegriffen haben. Alle drei sind nach Angaben der Polizei betrunken.

Schläger kamen in „Präventivgewahrsam“

Was der Auslöser für die Angriffe war? Nach Angaben der Berliner Polizei wurden die Täter aggressiv, weil der 25-Jährige aus ihrer Sicht nicht schnell genug beziehungsweise adäquat behandelt wurde.

Durch die Faustschläge erlitt der 42-jährige Arzt eine Kopfverletzung, die ambulant behandelt werden musste. Auch ein 32-jähriger Pfleger wurde leicht am Kopf verletzt.

Bei der Durchsuchung der Taschen der drei fanden die Polizisten Drogen. Die drei Schläger mussten sich bei der Polizei einer Blutentnahme unterziehen. „Um die Sicherheit des medizinischen Betriebs der Rettungsstelle zu gewährleisten, wurde das Trio in Präventivgewahrsam genommen“, teilt die Polizei mit. Ein Präventivgewahrsam darf in Berlin bis zu fünf Tage angeordnet werden. Aber nur bei höchster Terrorgefahr. Sonst gelten zwei bis drei Tage.