Silvester in Berlin: Verbietet endlich das Böllern in der ganzen Stadt

Jedes Jahr dasselbe Theater und am Ende wieder volle Notaufnahmen und Müllberge. Wann wird das Böllern in Berlin endlich verboten?

Ein Feuerwerkskörper ist auf dem Gelände des Landeskriminalamts Sachsen an einem Handschuh befestigt. Explodiert der Böller in der Hand, bleibt von den Fingern oft nicht viel übrig.
Ein Feuerwerkskörper ist auf dem Gelände des Landeskriminalamts Sachsen an einem Handschuh befestigt. Explodiert der Böller in der Hand, bleibt von den Fingern oft nicht viel übrig.dpa/Sebastian Kahnert

Mit manchen Themen kann man die Leute in diesem Land aus dem Stand heraus auf die Palme bringen. Zum einen wäre da der immer als Bevormundung interpretierte Vorschlag, weniger Fleisch zu konsumieren, vielleicht gar einen vegetarischen Tag pro Woche einzulegen. Zum anderen ist das natürlich die ewige Debatte um das Tempolimit auf deutschen Autobahnen. Und zu guter Letzt droht wie in jedem Jahr die Diskussion um ein Böllerverbot in deutschen Großstädten, speziell in Berlin.

Dünne Personaldecke

Zwar gibt es auch hier mittlerweile Böllerverbotszonen, in denen zwischen dem 31. Dezember um 18 Uhr und dem 1. Januar um 6 Uhr weder Böller noch Raketen gezündet werden dürfen. Was aber natürlich nicht bedeutet, dass man nicht in anderen Bereichen der Stadt Gefahr läuft, ins silvesterliche Sperrfeuer zu geraten.

Zwar fordert die Gewerkschaft der Polizei für dieses Jahr ein komplettes Böllerverbot innerhalb des S-Bahn-Rings, um „ausufernde Gewalteskapaden gegen Polizei und Feuerwehr“ zu unterbinden. Die lobenswerte Idee wurde jedoch gleich im eigenen Haus wieder einkassiert: „Das ist ein großes Problem, das konsequent durchzusetzen, zumal wir nur in geringem Umfang Unterstützungskräfte zu Silvester gewinnen können, da Bund wie Länder alle selbst eingebunden sind. Damit müssen wir immer umgehen“, sagte die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik im Innenausschuss in Hinblick auf die dünne Personaldecke der Berliner Polizei.

Dass die Personaldecke (nicht nur) zu Silvester in den Berliner Notaufnahmen ebenfalls nicht besonders üppig ist, stand hier nicht zur Debatte. Vor ein paar Jahren musste ich mich im Urban-Krankenhaus nähen lassen. Es war dieselbe Zeit, kurz nach den Feiertagen. Der diensthabende Arzt erzählte mir von seinem bevorstehenden Dienst zum Jahreswechsel und schloss mit den Worten, dass dies für ihn der schlimmste und anstrengendste Arbeitstag des Jahres wäre. 

60 Prozent für Verbotszonen

Die Verletzungsgefahr ist dabei nur ein Argument, das gegen diesen alljährlichen Irrsinn spricht. Die Deutsche Umwelthilfe beantragt ebenfalls ein Ende der Böllerei und verweist auf die massive Feinstaubbelastung, die durch Feuerwerkskörper aller Art entsteht. Dazukommt die Lärmbelastung für Haus- und Wildtiere und der Umstand, dass explodierende Böller nicht zuletzt bei Menschen schlimme Assoziationen hervorrufen können, die zu uns aus Kriegsgebieten geflohen sind.

Das alles indes wurde natürlich schon im vergangenen Jahr ins Feld geführt, aber dem Deutschen ist sein Geballer an Silvester heilig, und so wird auch in diesem Jahr wieder die eine Hälfte der Bürgerinnen und Bürger maximal genervt sein vom rücksichtslosen Geknalle der anderen Berlinerinnen und Berliner. Folgt man jedoch einer Umfrage der Seite statista.de, waren 60 Prozent der Befragten für Verbotszonen in allen deutschen Großstädten und nur ein Viertel sprach sich gegen ein Verbot aus.

Was daran so schwierig sein soll, ist mir rätselhaft. Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Handhabung des Silvesterfeuerwerks in Deutschland Sache der Länder und Kommunen ist und nicht des Bundes. Ich kenne kein anderes Land, in dem das so gehandhabt wird. Es wird also für den Arzt des Urban-Krankenhauses wohl auch 2022 wieder der schlimmste Arbeitstag des Jahres werden.