Berlin - Es ist wieder passiert – obwohl die Berliner Polizei die Sicherheitsmaßnahmen erhöht hatte. Wieder wurden auf der Partymeile am Brandenburger Tor Frauen sexuell belästigt.

„Solche Taten dulden wir nicht“

Bei der Silvester-Veranstaltung unter dem Motto „Welcome, 2018!“ seien „vereinzelt sexuelle Übergriffe gemeldet“ worden, erklärte die Berliner Polizei kurz vor Neujahrsbeginn. „Solche Taten dulden wir nicht!“, twitterte die Polizei. Zwei Tatverdächtige seien festgenommen worden.

Ansonsten sei die Feier am Brandenburger Tor eine „sehr friedliche Veranstaltung“, wie ein Polizeisprecher erklärte.

Polizei setzt Zivilfahnder ein

Die Sicherheit von Frauen in Massenveranstaltungen ist Thema, seit es in Köln vor zwei Jahren zu Übergriffen gekommen ist. „Wir haben zivile Kollegen auf der Festmeile, die gegen diese Taten vorgehen“, hieß es seitens der Berliner Polizei.

Die Veranstalter der Berliner Silvesterfeier nahmen sich in diesem Jahr das Münchner Oktoberfest zum Vorbild und wiesen einen der Hilfspunkte des Roten Kreuzes zur Anlaufstelle für besorgte Frauen aus.

Kritik an der „Anti-Grapsch-Zone“

Doch schon die Ankündigung schlug Wellen: Die Nachricht von der angeblichen „Schutzzone“ schaffte es bis in internationale Medien. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft nannte es „das Ende von Gleichberechtigung, Freizügigkeit und Selbstbestimmtheit“. Auch auf Twitter hagelte es Kritik: Wie im Spiel „Stille Post“ entstand der Eindruck, dass Frauen eine eigene „Anti-Grapsch-Zone“ zum Feiern brauchten.

Dabei ist das kleine Zelt lediglich eine Anlaufstelle für Frauen, die sich unwohl fühlen. „Wir bieten es an, falls jemand den Bedarf haben sollte, sich zu unterhalten“, sagt Veranstaltungssprecherin Anja Marx. Auf dem Münchner Oktoberfest existiert das Konzept unter dem Namen „Sichere Wiesn“ seit 2003 und hat mehrmals Preise gewonnen. Rund 250 Mädchen und Frauen wandten sich 2017 dorthin: Ein Dutzend von ihnen deshalb, weil ihnen etwas passiert war. Die meisten ließen sich auch wegen anderer Probleme, etwa Alkohol oder emotionaler Krisen, beraten, heißt es in der Bilanz der Anlaufstelle.

„Nein heißt Nein – sonst schreiten wir ein“

Das Zelt sei auch für diejenigen, die sich nicht an die Polizei wenden wollten, sagte der Berliner Polizeisprecher Thomas Neuendorf vor der Feier. Es gehe um Frauen, die keine Straftat anzeigen wollten, aber sich dennoch belästigt fühlten. Die Hemmschwelle, sich direkt an die Polizei zu wenden, sei gerade dann hoch, wenn die Frauen selbst angetrunken seien. Auch bei Alkoholkonsum, sagte Neuendorf, gelte aber: „Nein heißt Nein, und wenn der Täter sich dann nicht weghält, schreiten wir ein.“ (dpa/BLZ)