Tiere leiden stark unter der Silvesterböllerei. 
Foto: Nicky Hellfritzsch 

BerlinSeit Tagen wird über die ausufernde Böllerei an Silvester disktutiert, nach Ausschreitungen in den vergangenen Jahren gibt es dieses Jahr mehrere Verbotszonen, in denen das Abbrennen von Feuerwerkskörpern zu Festnahmen durch die Polizei führen kann. Für Haus-, Wild- und Zootiere sind diese ortsgebundenen Verbote jedoch völlig nutzlos. Für sie ist die Silvesternacht die schlimmste Nacht des Jahres. Und endet oftmals tödlich.

"Vögel zeigen panische Reaktionen, werden von ihren Schlafplätzen aufgescheucht und unter Umständen bis zu 14 Tage lang vertrieben", heißt es beim Berliner Naturschutzbund NABU.  So würden "Vögel, die vom Feuerwerk aufgeschreckt werden, bis zu 1000 Meter hoch fliegen, während sie sonst nur selten Höhen über 100 Meter erreichen". Dabei verlieren die Tiere "Energie, die sie im Winter dringend benötigen". Und die sie im Winter nur schwer wieder auffüllen können.

"Gerade im Winter müssen unsere heimischen Wildtiere gut mit ihren Kräften haushalten, da sie nur begrenzte Energie- und Nahrungsreserven zur Verfügung haben", heißt es bei der Tierschutz-Oragnisation PETA. Und weiter: "Ein hoher  Energieverlust durch Störungen oder panisches Flüchten kann lebensbedrohliche Folgen haben." Die Tiere verhungern schlichtweg. Zudem werden nach NABU-Angaben "auch Familienverbände durch die Flucht auseinander gerissen. Manche Vögel kehren nie wieder an ihre Schlafplätze zurück". 

Verbrennungen und Schockzustände

Zudem verlieren viele Vögel auf der Flucht vor den für sie lebensgefährlichen Feuerwerkskörpern aufgrund des Stresses, der vielen Lichtblitze und den Rauchschwaden die Orientierung und fliegen gegen Häuser, Kirchtürme oder Masten. Nicht selten werden die Tiere dabei so schwer verletzt, dass sie zu Boden stürzen und hier qualvoll verenden.

Auch für Säugetiere wie Fuchs, Igel oder Biber  ist die Silvesterknallerei der Horror. Regelmäßig würden an Neujahr "tote und verletzte Tiere gefunden, so zum Beispiel ein Biber in Königs Wusterhausen, der nach einer heftigen, durch einen Knallkörper verursachten, Druckwelle ertrunken ist", so der NABU. Zudem würden nach Silvester immer wieder "Verbrennungen, Schockzustände, geschädigte Hörorgane und andere Verletzungen" bei Tieren festgestellt.

"Wie Ausbruch eines Weltkrieges"

„Für die Tiere ist ein Feuerwerk wie der vermeintliche Ausbruch eines Weltkrieges“, sagt Michael Pöllmann, Sprecher der Kreisgruppe Fürstenfeldbruck im Bundesjagdverband der Zeitung Kreisbote. Wie der Hund, der sich im letzten Eck verschanzen und abwarteen würde, bis der Krach vorbei ist, würden sich beispielsweise Rehe geeignete Verstecke suchen.  Eine Suche, die kostbare und überlebenswichtige Energie kostet. „Das macht das Überleben für die Tiere schwierig“, sagt Pöllmann. Hinzu komme noch, dass  die Futtersuche für Wildtiere im Winter deutlich schwieriger sei. 

Der Tierarzt und zugleich Direktor des Landauer Zoos, Dr. Jens-Ove Heckel, warnte bereits in der Vergangenheit davor, dass die Silvesternacht für Wildtiere "das reinste Horrorkabinett" sei. Er und sein Team sehen „Silvester jedes Jahr mit Schrecken entgegen“. Er sei jedes Mal "froh und erleichtert", wenn er am Neujahrsmorgen in den Zoo komme und kein Tier Schaden genommen habe.

Berlins Zoo-Direktor: Böllergeld sinnvoller investieren

Auch der Berliner Zoo teilte mit, dass "Giraffen, Elefanten und Co.  keine Freunde des lauten Silvester-Brauchs" seien. Der Großteil der Tiere verbringe zwar die Silvesternacht gut geschützt in seinen vertrauten Stallungen, doch wenn rund um den Zoo und den Tierpark lautstark gefeiert werde, würden auch sie nicht verschont bleiben. Gerade die Knallkörper, die schon vor der erlaubten Uhrzeit gezündet werden, registrieren die Tiere nach Zoo-Angaben. Antilopen und Giraffen zucken bei besonders lauten Böllern regelrecht zusammen.

Daher würden "die Mitarbeiter von Zoo und Tierpark auch in der diesjährigen Silvesternacht wieder ganz besonders aufmerksam auf ihre Schützlinge achten."

„Ich möchte an all die feiernden Menschen in der Stadt appellieren, auf sich und ihre Umwelt Acht zu geben. So können alle Bewohner dieser Stadt – ob Mensch, ob Tier – entspannt in das neue Jahr rutschen“, so Zoo- und Tierpark-Direktor Dr. Andreas Knieriem. Er appelliert an die Berliner: „Investieren Sie Ihr Geld lieber sinnvoller. Auch das Haustier Ihres Nachbarn wird es Ihnen danken.“