Silvestermüll auf Berliner Straßen: Bücken nach den großen Böllern

Über diesen roten Teppich geht niemand gern. Er überzieht etliche Straßen und Gehwege, der ekelige Belag prägt in diesen Tagen nach Silvester das Bild der Hauptstadt. Was in der letzten Nacht des Jahres noch wummernd explodierte, glitzernd und funkelnd am Himmel erstrahlte, liegt nun als Silvesterdreck am Boden.

Seit dem Neujahrsmorgen sind 1 500 Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung (BSR) jeden Tag damit beschäftigt, die unzähligen Reste der Knaller, Böller, Raketen von der Straße einzusammeln. „Bis Mitte nächster Woche soll der Silvesterdreck beseitigt sein“, sagt Sabine Thümler, Sprecherin der BSR.

Große Mühe haben die Stadtreiniger mit dem Beseitigen der großen Böller-Batterien, die die Berliner zum diesjährigen Jahreswechsel besonders häufig gekauft hatten. Einmal gezündet, ballern sie minutenlang. Doch die Reste dieser Batterien, meist kompakte Papp- und Plastehülsen, passen nicht in die Kehrmaschinen der BSR. „Die Mitarbeiter sammeln diese Böller-Batterien mit der Hand auf“, sagt BSR-Sprecherin Thümler. Nach jeder Batterie müssten sie sich bücken. „Das kostet viel Zeit.“

Räumung nach Plan

Die Aufräumaktion nach Silvester gehört zum regulären Reinigungsprogramm der BSR und verläuft nach festgelegtem Plan. Zuerst werden jene Orte gesäubert, an denen es die meisten Menschen gibt. So begann die BSR nach der Silvesterfeier am Brandenburger Tor, dort den Müll einzusammeln.

Es folgten die zentralen Orte in den zwölf Bezirken, erst die Hauptstraßen, die großen Plätze, dann die Nebenstraßen. Die BSR verbrennt den Silvesterdreck in der Müllverbrennungsanlage Ruhleben.

Wie viel Böller-Abfall in der Hauptstadt zusammenkommt, sagt die BSR nicht. Denn in der Regel wird der Silvestermüll mit dem üblichen Straßendreck eingesammelt. In der Winterzeit ist oft das Granulat dabei, das die BSR zum Streuen von Gehwegen und Straßen einsetzt und später wieder aufkehrt.

In diesem Winter musste die BSR wegen des warmen Temperaturen bisher nur wenige Male zum Winterdienst ausrücken. Die Mitarbeiter können sich deshalb um den Silvesterdreck auf den Straßen kümmern. Bei Schnee und Eis hat der Winterdienst Vorrang, erst danach wird der Abfall von Silvester beseitigt.

Jedes Jahr diskutieren die Hauptstädter angesichts der riesigen Müllberge nach der Silvesternacht aufs Neue über den Sinn und Unsinn der Knallerei. In der Regel werden Böller und sämtliche Verpackungen auf der Straßen liegengelassen, ebenso leere Sekt- und Weinflaschen, die als Scherben für Menschen, Hunde, Autos und Fahrräder gefährlich werden.

Der umweltpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Daniel Buchholz, bittet die Berliner, sich nach der Knallerei auch für den Abfall verantwortlich zu fühlen. „Wer Böller-Batterien abschießt, kann sie auch in den Müll werfen“, sagt er. Die umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Silke Gebel, hatte gefordert, Böller sollten lediglich an ausgewiesenen Plätzen oder an Hauptstraßen gezündet werden. Die Luft sei zu Silvester 60 Mal stärker belastet als an den anderen Tagen im Jahr.

Von staatlichen Beschränkungen hält SPD- Umweltexperte Buchholz nichts. „Ob man wirklich so viel knallen muss, das entscheidet jeder für sich.“

Jährlich geben die Bundesdeutschen etwa 115 Millionen Euro für Silvesterknaller aus, in der Region Berlin/Brandenburg wird die Zahl auf etwa sieben Millionen Euro geschätzt.