550 Polizisten waren in den Böllerverbotszonen im Einsatz.
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BerlinDer Polizeieinsatz in Berlin war enorm. Mehr als 500 Polizisten waren in der Silvesternacht damit beschäftigt, das Böllerverbot in zwei Zonen in Mitte und in Schöneberg durchzusetzen. Die hatten sich im vergangenen Jahr als Problemzonen erwiesen, in denen sogar Polizeibeamte massiv angegriffen worden waren. Die Bilanz der Premiere: Insgesamt blieb das Geschehen rund um die Zonen ruhig.

Die Pyroverbotszonen lagen im Steinmetzkiez in Schöneberg und am Alexanderplatz. Von den insgesamt rund 2000 Polizisten im Silvester-Einsatz waren 550 Polizisten dort aktiv. Auch schweres Gerät wie Wasserwerfer wurde aufgefahren. In Schöneberg zeigten sich viele Anwohner erfreut, dass sie endlich Silvester mit ihren Familien auf der Straße genießen konnten. Das hatten sie sich zuletzt wegen der zunehmenden Aggressionen nicht mehr getraut. Diesmal machten sie Familienfotos vor den Wasserwerfern.

Und auch die eingesetzten Polizisten waren am Ende zufrieden. Einige fielen sich Mitternacht in die Arme, andere bildeten einen Kreis, um das Feuerwerk am Himmel über Berlin zu bestaunen. Entsprechend gelöst zog Polizeisprecher Thilo Cablitz eine positive Bilanz: „Unsere Maßnahmen haben da gegriffen.“

Wie stehen sich Aufwand und Ertrag gegenüber?

Politisch ist die Debatte jedoch keineswegs beendet. So weiß Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei, noch nicht, ob die Verbotszonen „schlussendlich eine komplette Erfolgsgeschichte sind“, wie er der Berliner Zeitung am Mittwoch sagte. Sicher sei jedoch, dass man angesichts der vielen Übergriffe anderenorts auf Polizisten und Feuerwehrleute, „weil zahlreiche Personen bei ihren Gewaltexzessen keinerlei Rücksicht auf andere Menschen nehmen“, nicht von einem friedlichen Silvester sprechen könne.

Auch Grüne-Fraktionschefin Antje Kapek wollte die Verbotszonen noch nicht bewerten. So wisse man noch nicht, wie groß der Verdrängungseffekt war. Kritisch sehe sie den Aufwand der Polizei. „Mit Wasserwerfern aufzufahren, ist eine Demonstration der Staatsgewalt. Das wirkt nicht deeskalierend“, sagte sie der Berliner Zeitung. Der FDP-Innenpolitiker Marcel Luthe hatte die Verbotszonen schon vorher kritisiert. Am Neujahrsmorgen blieb er dabei. „Wer jetzt von Erfolgen spricht, geht fehl“, sagte Luthe. Man habe es mit einem aggressiven und kriminellen Klientel zu tun.

Böllern ist so 2000. Wir sind jetzt in den Goldenen Zwanzigern.

Antje Kapek, Fraktionschefin der Grünen, dazu, warum Böllern aus ihrer Sicht nur an bestimmten Plätzen erlaubt und ansonsten generell verboten sein sollte

Angelika Schöttler, Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg, zog ein positives Fazit zum Steinmetzkiez. „Ich freue mich, dass die Strategie der Polizei aufgegangen ist“, sagte die SPD-Politikerin der Berliner Zeitung. Sie hoffe, dass es dort auch nächstes Jahr ein Böllerverbot gebe. Danach, so hofft Schöttler, könnte die Tradition der ritualisierten Randale schon nachhaltig durchbrochen sein.

Auch die Frage nach einem möglichen generellen Böllerverbot ist nicht vom Tisch. Für Kapek werde es „zwangsläufig darauf hinauslaufen, dass Böllern der Vergangenheit angehört“. Mit den aktuellen Zuständen könne man sich nicht abfinden. Gewerkschaftssprecher Jendro bleibt skeptisch. „Ein stadtweites Verbot ist realistisch gesehen nicht kontrollierbar“, sagt er.

Die Feuerwehr musste deutlich häufiger ausrücken

Die Gesamtbilanz für die Silvesternacht fällt aus Sicht von Polizei und Feuerwehr gemischt aus. So war die Feuerwehr 1523 Mal im Einsatz. Das war häufiger als im Jahr zuvor mit 1448 Einsätzen. Zwischen 19 und 6 Uhr wurden die Feuerwehrleute 617 Mal zu Bränden gerufen, wie die Feuerwehr am Neujahrsmorgen mitteilte. Auch diese Zahl lag deutlich höher als in der Silvesternacht 2018/19 mit 432 Bränden.

Dagegen ging sowohl die Zahl der Hilfeleistungen als auch die der Angriffe auf Einsatzkräfte zurück: So halfen Rettungskräfte in 806 Fällen, 940 waren es im Jahr davor. Es wurden 24 Übergriffe auf Einsatzkräfte gezählt, das waren zwar weniger als vor einem Jahr (49). Aber die Gefährlichkeit habe zugenommen, sagte ein Sprecher. So kam es allein 20 Mal zu gefährlichen Attacken mit Böllern oder Raketen auf Einsatzkräfte und -fahrzeuge. Nach Feuerwehrangaben wurden drei Einsatzkräfte verletzt.

Im Dauereinsatz: Rettungsdienst und Polizei.
Foto: dpa/Andreas Arnold

Auch die Polizei meldet mehr Einsätze

Die Polizei verzeichnete zwischen 18 und 6 Uhr bei der Einsatzleitzentrale 3065 Notrufe – im Jahr zuvor waren es 2979 gewesen. Insgesamt 2039 Einsätze (Vorjahr 1721) wurden registriert. Immer wieder wurden auch Polizisten attackiert. Auf der zentralen Party auf der Straße des 17. Juni wurden drei Strafermittlungsverfahren wegen sexueller Belästigung eingeleitet.

Auch in anderen Städten gab es teils schwere Zwischenfälle. In Leipzig wurde bei Auseinandersetzung ein Polizist schwer verletzt. In Krefeld kam es im dortigen Zoo zu einer Tragödie. Offenbar hat eine   sogenannte Himmelslaterne einen Brand im Affenhaus ausgelöst. Das Gebäude brannte aus, mehr als 30 Tiere starben.