Berlin - Berliner und Touristen haben den Jahreswechsel in der Hauptstadt nach Einschätzung der Behörden weitgehend friedlich gefeiert. Zwar waren Polizei und Feuerwehr wie üblich zum Jahreswechsel im Dauereinsatz. Vorfälle mit zahlreichen Verletzten waren den Leistellen aber nicht bekannt. „Berlin ist mit einem blauen Auge davongekommen“ resümierte Feuerwehr-Sprecher Andreas Ohlwein am Sonntag. Auch die Polizei zog eine positive Bilanz: Zwischen 18 und 6 Uhr fuhren die Beamten zu 1669 Einsätzen - 80 weniger als im Vorjahr, wie die Polizei am Sonntag mitteilte.

Vereinzelte Festnahmen

Allerdings kam es auch zu sexuellen Übergriffen auf Frauen. Bis Sonntagmittag waren der Polizei-Pressestelle sechs Anzeigen von Frauen wegen Beleidigung auf sexueller Grundlage oder sexueller Nötigung bekannt. Zwei Frauen konnten den jeweiligen Verdächtigen den Polizisten zeigen. Ein 20-Jähriger und ein 26 Jahre alter Mann wurden festgenommen. Auch weitere Frauen berichteten von Übergriffen durch junge Männer aus Tätergruppen wie in Köln vor einem Jahr, sie zeigten die Taten aber nicht bei der Polizei an. Nach den sexuellen Übergriffen in Köln überwiegend durch Männer aus Nordafrika in der Silvesternacht 2015 hatte die Polizei geraten, bei unwillkommenen Berührungen Umstehende oder Wachleute sofort um Hilfe zu bitten.

Die Feuerwehr rückte zwischen 19 und 6 Uhr insgesamt 1585 Mal aus. Das waren 38 Fälle mehr als im Jahr zuvor. Meist handelte es sich um Rettungseinsätze (1067), in 433 Fällen brannte es. Um die Notrufe nach Priorität und nicht nach Eingang abarbeiten zu können, hatte die Feuerwehr um 19 Uhr planmäßig den Ausnahmezustand Silvester ausgerufen. Um 4.15 Uhr hob die Leitstelle diesen wieder auf. Die meisten Notrufe gab es zwischen Mitternacht und 2 Uhr, wie Ohlwein berichtete.

Viele Einsätze gingen auf den unsachgemäßen Gebrauch von Feuerwerkskörpern zurück. So musste die Feuerwehr in Neukölln ein Auto löschen, das Randalierer zuvor auf die Straße gerollt und mit Feuerwerkskörpern angezündet hatten. Auch in Mitte, Gesundbrunnen und Schöneberg brannten Autos. Verirrte Raketen verursachten zudem mehrere kleinere Brände. Um kurz nach 6.00 Uhr brannte es im Dachgeschoss eines Hotels am Rosenthaler Platz in Mitte. 114 Gäste und Angestellte mussten das Hotel verlassen. 70 Feuerwehrleute löschten den Brand.

Bei Unfällen mit Böllern büßten auch bei diesem Jahreswechsel mehrere Personen Körperteile ein. Die OP-Säle im Unfallkrankenhaus waren am frühen Morgen voll ausgelastet. 16 Menschen seien mit schweren, durch Feuerwerk verursachten Verletzungen behandelt worden, twitterte Pressesprecherin Angela Kijewski. In den meisten Fällen hätten explodierende Böller Körperteile abgerissen oder diese so schwer verletzt, dass sie amputiert werden mussten. Zu den Schwerverletzten gehörten vier Jugendliche.

Nur kleine Auseinandersetzungen

Auf Deutschlands größter Silvesterparty vor dem Brandenburger Tor blieb es offensichtlich bei kleineren Auseinandersetzungen. „Wir blicken auf einen erfolgreichen Einsatz zurück. Die große Mehrheit der Besucher hat ausgelassen, aber friedlich gefeiert“, twitterte die Polizei nach dem Ende der Party.

Die Beamten hatten am Abend allerdings einen Mann auf der Partymeile festgenommen. Er soll „Bombe, Bombe, Bombe“ gerufen haben und handelte sich damit eine Anzeige ein. „Er feiert nun #Welcome 2017 bei uns“, lautete der trockene Kommentar der Polizei bei Twitter zu der Aktion. Außerdem gab es vereinzelte Festnahmen wegen Rangeleien, Drogen und Waffenbesitzes.

Allein auf der Silvesterparty waren rund 1700 Polizisten sowie 700 Wachleute und Helfer im Einsatz. 140 Ärzte und Sanitäter des DRK standen an fünf Unfallhilfestellen bereit. Die Feuerwehr hatte zwei temporäre Feuerwachen auf dem Gelände eingerichtet und in 133 Fällen geholfen.

Erfreulicher begann das Jahr im Auguste-Viktoria-Klinikum in Berlin-Friedenau. Das Jahr war erst eine Minute alt, als der kleine Yosife geboren wurde. Er dürfte der erste Neu-Berliner in diesem Jahr gewesen sein. Dabei war es ein enges Rennen. Schon eine Minute später kam im Sana Klinikum Lichtenberg der nächste Junge zur Welt. (dpa)