Eigentlich ist Marion Simon Drama gewohnt. Unter ihrem Künstlernamen Simi Will moderiert sie die gleichnamige Talkshow im Neuköllner Valentin Stüberl. Die Sitzplätze in der Kneipe sind immer vergriffen, außerdem wird die Show im Fernsehen übertragen und ins Internet gestellt. Die Videos sind gut produziert, Simi Wills Gesprächspartner oft prominent: Autoren wie Wladimir Kaminer und Harald Martenstein, Politiker wie Toni Hofreiter und Franziska Giffey oder Musiker wie Jens Friebe saßen schon neben Will auf der Bank.

Trotzdem ist die Show für Will und ihr Team ein Ehrenamt, sie haben dafür vor fünf Jahren einen Verein gegründet. Frontfrau, Kameramänner und andere Helfer haben Vollzeitjobs im Sozialbereich oder in den Medien. Bei „Simi will“ geht es deswegen oft kurz vor Showbeginn noch drunter und drüber. Irgendwie aber läuft es am Ende immer. Für Will hat das einen einfachen Grund: „Wir sind wie eine Familie, in der jeder alles für das gemeinsame Baby gibt.“

Täter gingen extrem schnell vor 

Jetzt aber fürchtet die Kabarettistin zum ersten Mal ernsthaft um das Kind. Denn nach einem Dreh in Mitte wurde ihr Auto im September aufgebrochen und das gesamte Videoequipment des Teams gestohlen. Fernsehkameras, mehrere Stative, Objektive, Mikrofone – alles weg. Technik im Wert von insgesamt 20.000 Euro. Die beiden Kameramänner trifft es besonders hart: Ihre private Ausrüstung war darunter, jeweils mehrere Tausend Euro teuer.

Die Polizei vermute, erzählt Will, dass spezialisierte Profis dahinterstecken. Zu ähnlichen Einbrüchen in Übertragungswagen sei es in Mitte schon häufiger gekommen. Dafür spricht auch, dass die Täter extrem schnell vorgegangen sind: Nach dem Dreh habe man kurz in einer Galerie das Material auf einen Laptop überspielt, erzählt Will. Für nur circa 15 Minuten habe man das Equipment ins Auto gepackt, mit Jacken gut abgedeckt. Als das Team zum Auto zurückkehrte, war die Fahrertür aufgebrochen und alles leergeräumt. Bis auf eine Kamera im Kofferraum. „Um die rauszubekommen, hätten sie auch noch den Rücksitz rausreißen müssen“, sagt Will.

Will hofft ihre ganz persönliche „Weihnachtsgeschichte“

Das Problem: Keine Versicherung will den Schaden bezahlen, wie sich jetzt herausstellte – weder die privaten Versicherungen der Kameramänner noch die des Senders, von dem Teile des Equipments geliehen waren. Der Simi Will e.V. bleibt auf dem Schaden sitzen. „Aber das können wir uns nicht leisten.“ Das bedeutet eigentlich das Ende des Vereins und das Ende der Show.

Doch Will hat keine Lust, aufzugeben, „nur weil uns ein paar Arschlöcher das Auto aufgebrochen haben“. Deswegen macht die stolze Will jetzt, was sie lange vermieden hat und was ihre Show vielleicht schon größer rausgebracht hätte: Sie bittet um Geld. Auf der Webseite betterplace.org sammelt der Verein Spenden, mindestens 7500 Euro sollen zusammenkommen. Genug, um wenigstens die Kameramänner teilweise zu entschädigen.

Will hofft auf Unterstützung und ihre ganz persönliche „Weihnachtsgeschichte“. Wenn alles gut läuft, hat die Show im Februar schon ihren nächsten Gast eingeplant: SPD-Nachwuchsstar Kevin Kühnert. Das Thema: Hoffnung – da, wo keiner sie mehr vermutet.