Die Beute, die Betrügerbanden durch die Manipulation von Geldautomaten erlangen, geht in die Millionen. Die Täter montieren an den Geräten täuschend echt nachgebaute Kartenleser und schwer erkennbare Mini-Kameras. Damit werden die Daten von der Geldkarte heimlich abgelesen und die Eingabe der Geheimnummer gefilmt.  "Skimming" heißt diese Art von Daten-Diebstahl, von dem das Bundeskriminalamt (BKA) in letzter Zeit wieder mehr Fälle zählt.

Jetzt stehen erstmals mutmaßliche Mitglieder einer solchen Betrügerbande in Berlin vor Gericht. Gegen Filip A., Ivan S., Nedco M. und Vasil P. wird am Dienstag vor der 10. Großen Strafkammer die Verhandlung eröffnet wegen des Vorwurfs der gewerbs- und bandenmäßigen Fälschung von Zahlungskarten.

Daten auf Rohlinge überspielt

Die  aus Bulgarien stammenden Männer im Alter von 30, 31, 35 und 55 Jahren  haben sich laut Anklageschrift  spätestens Ende 2017 gemeinsam mit bislang nicht bekannten Mittätern zu einer international operierenden Tätergruppe zusammengeschlossen. Diese hatte sich auf die Ausspähung von Kundendaten deutscher und ausländischer Bankkunden in Berlin spezialisiert.

Die so erlangten Daten, darunter die Karten-PIN, wurden dann auf Kartenrohlinge  überspielt. Als Zahlungskarten wurden sie dann für unrechtmäßige Abhebungen auf den Konten der nichtsahnenden Inhaber genutzt.

Dafür seien die Angeklagten zwischen November 2017 und Februar 2018 wiederholt aus ihrem Heimatland Bulgarien nach Berlin gefahren, so die Staatsanwaltschaft. Hier hätten sie dann die Geldautomaten mit entsprechenden Vorrichtungen zum Auslesen der Daten manipuliert.

In Indonesien eingesetzt

Die anschließend hergestellten Kartendubletten wurden den Ermittlungen zufolge hauptsächlich in Indonesien, aber auch in Berlin eingesetzt. Im Fall dieser Bande kam es allerdings nur vereinzelt  tatsächlich zu Geldabhebungen mit den gefälschten Karten. Denn die kartenausgebenden Institute hatten entsprechende Schutzmaßnahmen ergriffen.

Nach Angaben des  BKA gab es im vergangenen Jahr deutschlandweit 500 Skimming-Attacken. Dadurch entstand  ein Schaden von 2,2 Millionen Euro. Über die Hälfte der  Fälle der manipulierten Geldautomaten befand sich in Berlin.

Der öffentliche Prozess beginnt am Dienstag, um 9 Uhr im Saal 220 des Kriminalgerichts Moabit in der Turmstraße 91.