In Berlin etabliert sich derzeit eine neue Fluggesellschaft: Die deutsche Small Planet Airlines GmbH, Ableger der gleichnamigen litauischen Gesellschaft, will im kommenden Jahr ihre ersten Flüge unternehmen. Die Airline wird Charterflüge für Reiseveranstalter und weitere Partner anbieten. Small Planet nennt sich selbst wagemutig die am rasantesten wachsende Charterfluggesellschaft Europas“ und will in ihrem Segment zu den Top-Airlines aufsteigen.

Damit unterscheidet sich Small Planet von der ebenfalls in Berlin ansässigen Fluggesellschaft Air Berlin, die im Linienverkehr fliegt und natürlich weitaus größer als der Newcomer ist. Bei Small Planet geht es vergleichsweise bescheiden zu. Während unseres Besuchs am Firmensitz in Schöneberg sind Techniker gerade dabei, die IT-Infrastruktur einzurichten. Mit zwölf bis 15 Mitarbeitern will die Gesellschaft in der Verwaltung auskommen. „Wir stellen uns ganz schlank auf“, sagt Airline-Chef Andreas Wobig. Aufgaben wie Finanzbuchhaltung und IT-Service sollen über die litauische Muttergesellschaft laufen.

Derzeit läuft das Genehmigungsverfahren beim Luftfahrt-Bundesamt, sagt Wobig. Unter anderem müsse die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sowie die finanzielle Absicherung nachgewiesen werden. Und natürlich muss ein sicherer Flugbetrieb gewährleistet sein. Dazu gehört neben den technischen und flugbetrieblichen Verfahren und den Flugzeugbesatzungen auch, dass es ein Wartungsprogramm für die Flugzeuge gibt. Die Genehmigung erwartet Wobig für April 2016.

Erster Small-Planet-Flug am Freitag, den 13.

Durchstarten will der Airline-Manager kurz darauf. Genau am 13. Mai soll der erste Flug stattfinden. Dass dieser Tag auch noch auf einen Freitag fällt, bereitet Wobig keine Sorgen, im Gegenteil: „Ich bin nicht abergläubisch“, sagt er: „Das ist für mich ein Glückstag.“

Die deutsche Small Planet wird mit zwei geleasten Airbus A320 beginnen. Die Flugzeuge werden erst kurz vor dem ersten Start übernommen, um Kosten zu sparen. Denn die monatlichen Leasinggebühren bewegen sich im unteren sechsstelligen Bereich, so dass bei einer kleinen Gesellschaft wie Small Planet jeder Tag mit enormen Kosten zu Buche schlägt.

Die Fluggeräte werden an den Flughäfen Paderborn-Lippstadt und Bremen stationiert. Sie fliegen ausschließlich im Charterverkehr. Eine Vereinbarung wurde kürzlich mit dem weltweit operierenden Reiseunternehmen Thomas Cook abgeschlossen. Demzufolge werden 460 Flüge vor allem nach Mallorca und Antalya in der Türkei geflogen. Damit könnten in der Sommersaison bereits mehr als 100.000 Passagiere transportiert werden.

Eine weitere Kooperation besteht mit dem Reiseveranstalter TUI, für den der deutsche Small-Planet-Ableger insgesamt 14 Flüge wöchentlich anbieten will. Reiseziele sind unter anderem Menorca, Burgas (Bulgarien) oder Heraklion und Kos (Griechenland). Jeweils fünf Crews mit sechs Mitgliedern sind für die Flugzeuge geplant, derzeit sondiere die Airline den Markt, um Mitarbeiter zu finden.

Wobig ist davon überzeugt, dass das Geschäftsmodell aufgeht. „Wir sehen einen großen Markt im Charterverkehr“, sagt er. Denn es sei ein grundlegender Unterschied zu anderen Reisen, wenn man in den Urlaub fliege. Dann wollen Veranstalter wie Urlauber eine besondere Stimmung an Bord haben, ein „besonderes Feeling“. Mit einem Low-Cost-Carrier zu fliegen, sei dagegen völlig anders, wobei Wobig deutlich macht, dass bei Airlines wie Easyjet und Ryanair eine „absolut professionelle Arbeit“ geleistet werde.

Muttergesellschaft sitzt in Litauen

Die deutsche Small Planet plant, bereits im ersten Geschäftsjahr profitabel zu fliegen, der Umsatz wird auf etwa 30 Millionen prognostiziert. Auch hier wird der Unterschied zu Air Berlin deutlich: Die zweitgrößte deutsche Airline fliegt seit Jahren hohe Verluste ein – bei mehr als vier Milliarden Euro Umsatz.

Wobig kennt das Geschäft bestens. Der Manager hat Luft- und Raumfahrt sowie Maschinenbau studiert und viele Jahre bei der Berliner Fluggesellschaft Germania gearbeitet, zuletzt von 2012 bis 2014 als Geschäftsführer. Nach Streitereien unter den Eigentümern ging Wobig. Zwischenzeitlich hatte er auch bei Air Berlin gearbeitet.

Auf seiner persönlicher Liste möglicher neuer Arbeitgeber stand Litauens Small Planet ganz oben, weil er bei einem früherem Treffen mit dem Konzernchef von Small Planet, Vytautas Kaikaris, schnell einen „gemeinsamen Draht“ gefunden hatte. Wobig ist gerade 50 geworden und hat seinen Geburtstag in Vilnius, am Sitz der Muttergesellschaft, gefeiert. Geschenkt wurde ihm ein Flug mit einer russischen Jak 52 – inklusive Kunstflug mit Looping und Rollen.

Zügig entstand dann der Plan, in Deutschland für die expansionsfreudige Airline einen eigenen Ableger zu gründen. An der halten Wobig und Oliver Pawel, der ebenfalls Geschäftsführer bei Germania war, jeweils zehn Prozent.

Expansion steht auch in Deutschland auf der Agenda, wobei mit TUIfly und Condor große Wettbewerber am Markt operieren. Möglicherweise wird der Flugzeugbestand bei der Small Planet GmbH pro Jahr um zwei weitere Maschinen aufgestockt.

Aber nicht um jeden Preis: „Erst wird das Geschäft angebahnt, dann kommen neue Maschinen“, so Wobig. „Unser Geschäft ist langfristig angelegt.“