Silvester 1989 am Brandenburger Tor. Berliner aus Ost und West feiern gemeinsam den Jahreswechsel. Hunderte sind auf die Mauer geklettert, die hier so breit ist, dass man darauf stehen kann.
Foto: Ulrich Paul/Berliner Zeitung

BerlinWenn es ein Medium in der deutschen Hauptstadt gibt, dessen Wissen um die Geschichte der DDR und den Fall der Mauer profund ist, dann ist es wohl die Berliner Zeitung, die schon aufgrund ihrer einzigartigen Geschichte immer näher an diesen Themen war als es anderen Zeitungen möglich war.

Unsere Autorinnen und Autoren – aus Ost und West – haben sich über Jahre intensiv mit den Ereignissen des 9. Novembers und der friedlichen Revolution auseinandergesetzt: Der Fall der Mauer war für diese Zeitung eine Zäsur – ohne ihn wäre sie heute nicht das, was sie ist.

Auch für Ulrich Paul, geboren 1962 im Westen der geteilten Stadt und Redakteur für Stadtentwicklung dieser Zeitung, war der Fall des Eisernen Vorhangs nicht nur ein bedeutendes Datum, sondern auch ein Moment in seinem Leben, der ihn so nachdrücklich prägte, dass er ihn festhalten musste: Im Buch „Der Mauerfall – Berlin vom 9. November 1989 bis zur Wiedervereinigung“, das jetzt bei Tredition erschienen ist.

Fotobuch von Ulrich Paul: Ein Ausschnitt voller persönlicher Momente

Wer nun ein weiteres fotografisches Dokument dieser Zeit, angereichert mit persönlichen Anekdoten erwartet, dem sei gesagt, dass Pauls Buch viel mehr ist, als eine Art Tagebuch dieser aufregenden und weitreichenden Tage im Herbst 1989 und den folgenden Monaten.

„In meinem Buch zeichne ich anhand eigener Fotos die Ereignisse vom 9. November 1989 bis zur Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 nach“, so Paul, der in dieser Zeit für das Volksblatt Berlin arbeitete und kurz nach der Wende zur Berliner Zeitung an den Alexanderplatz kam.

Sein Buch ist keine geschichtliche Abhandlung mit Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wirft vielmehr ein Schlaglicht auf jene Tage. Es ist ein Ausschnitt voller persönlicher Momente, Blicke in Gesichter voller Freude und Hoffnung, aber auch in Minen voll Unsicherheit und Skepsis ob der Zukunft, deren Auswirkungen uns bis heute beschäftigen.

Besondere Geschichten aus einer individuellen Sichtweise

Es sind Bilder vom Mauerfall und den Tagen danach, der Annäherung beider Völker bis zur Feier der Wiedervereinigung vor dem Reichstagsgebäude – damals noch ohne Kuppel. Dazu gehören auch Aufnahmen aus dem Baustoffkombinat Neubrandenburg, das in Malchin in Mecklenburg-Vorpommern die Betonteile für die Mauer produzierte.

Mit Schreiben vom 17. November 1989 wurde der letzte Auftrag für 1500 Betonelemente storniert. Bis 2004 hielt der Betrieb durch, bevor er Insolvenz anmelden musste. Ulrich Pauls Buch ist ein besonderes Dokument, ein Stück große Geschichte aus einer ganz individuellen Sichtweise.

Ulrich Paul: „Der Mauerfall – Berlin vom 9. November 1989 bis zur Wiedervereinigung“

112 Seiten, Verlag Tredition, Hardcover 19,90 Euro, Paperback 12,90 Euro, Ebook 4,99 Euro.