„Danke für Dein Interesse an meinem Mietangebot. Mein Name ist Amalie Seidel, ich bin 54 und arbeite in einer Medical Clinic in Dublin. Damit Du meine Wohnung sicher und schnell mieten kannst, habe ich mich für den Airbnb-Service entschieden, das sich in meinem Namen um den gesamten Besichtigungs-/ Mietprozess kümmern wird.“

Haben Sie als verzweifelter Wohnungsuchender oder -suchende schon einmal solch eine Mail von einer ganz normalen E-Mail-Adresse bekommen? Nicht als unerwünschte Phishing-Mail, sondern als eine ganz normale Antwort des Vermieters auf eine verifizierte Immoscout-Anfrage? Seien Sie bitte gewarnt: Es geht mit aller Sicherheit um ein Betrugsvorhaben. Obwohl alle anderen Details im Exposé kaum verdächtig zu sein scheinen.

Die Immoscout-Leute zeigen sich des Problems bewusst. Und trotzdem tauchen auf dem beliebtesten Portal für die Wohnungssuche immer wieder unzuverlässige Angebote auf. „Die Betrüger werden immer raffinierter in ihren Methoden“, sagt Immoscout-Sprecher Axel Schmidt der Berliner Zeitung. „Wir betreiben sehr viel Aufwand, um solche Fälle zu eliminieren, bevor sie überhaupt online gehen. Aber wir können nicht alle erkennen, vor allem, wenn es dann schon Kontakt zwischen den Anbietern und den Suchenden gibt.“

Worauf sollen Suchende achten, um nicht Opfer eines raffinierten Betrügers zu werden?

Der Preis soll zur Lage passen

Vor allen Dingen, so Axel Schmidt, müssten die Mieter darauf achten, dass die Bilder zu einer Wohnung authentisch seien und der Preis überhaupt zur Lage passe. „Wenn es unverhältnismäßig günstig ist, sollte man aufpassen.“ Das Gleiche gelte für die Fälle, wenn die Kalt- und Warmmiete gleich hoch angegeben seien. Wer in Berlin neu sei und sich nicht mit den Preisen auskenne, könne sich über das Instrument Atlas.Immobilienscout24 die Preise für alle Adressen in Deutschland ansehen und sich ein realistisches Bild davon machen.

Keine Vorkasse

Immoscout blockiert meistens verdächtige Inserate. „Andernfalls ist es durch unsere Filter gerutscht“, entschuldigt sich der Sprecher im Namen der Firma und bittet die Nutzerinnen und Nutzer, solche Inserate zu melden. „Oft ist das Inserat aber erst einmal unverdächtig gestaltet und der Betrug findet während der Kommunikation statt. Beispielsweise möchten die Betrüger dann auf einmal aus irgendeinem Grund Vorkasse. Oder für die Schlüsselübergabe wollen sie vorher 2000 Euro. Lassen Sie sich nie darauf ein“, warnt er weiter.

Keine Vermietung aus dem Ausland

Verdächtig sei auch, wenn jemand schreibe, er sei im Moment nicht in Deutschland, sondern irgendwo im Ausland, könne keine Wohnungsbesichtigung machen, wolle aber bereits Geld, um die Wohnung zu „sichern“. Dass der Vermieter generell im Ausland lebe, sei legitim, aber er solle bei der Vermietung schon physisch vor Ort sein und die Wohnung selbst zeigen. „Es ist verdächtig, wenn jemand nur aus dem Ausland agiert und vielleicht nur in Englisch kommunizieren kann und dann aber keine Hausverwaltung hat.“

Keine Personalausweis-Daten verschicken

Kein Geld vor der Schlüsselübergabe und der Unterzeichnung eines Mietvertrages zu überweisen, ist aber nicht die einzige Grundregel bei der Wohnungssuche. „Wir raten dazu, auch sehr vorsichtig beim Versand von Personalausweis-Dokumenten zu sein“, sagt Axel Schmidt weiter. Es reiche schon eine Selbstauskunft aus. Der Personalausweis oder ein anderes persönliches Dokument enthalte Daten, die missbraucht werden könnten.

Man muss auch nicht Unterlagen an den Vermieter abgesehen von der typischen Bewerbungsmappe schicken, so der Immoscout-Sprecher. Und nicht immer im ersten Schritt. Auch die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften wie Degewo, Gesobau, Gewobag, Howoge, Stadt und Land und WBM warnen vor einer frühzeitigen Übermittlung der Unterlagen. „Man sollte nur das Kontaktformular ausfüllen und auf die Rückmeldung warten“, sagt eine Degewo-Referentin der Kundenzentrale. „Um Gottes willen keine Unterlagen gleich schicken, die gehen in den Mülleimer.“

Keine Vermietung mit Airbnb als Treuhänder

Wenn Vermieter das Vermietungsportal Airbnb als Treuhänder einsetzen, sei das auch verdächtig und mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit ein Betrugsversuch, warnt Axel Schmidt. Denn ImmoScout24, Airbnb und ähnliche Portale bieten derartige Treuhand-Services nicht an. „Ein Mietvertrag muss ganz regulär mit dem Vermieter abgeschlossen werden.“

Auch die deutsche Verbraucherzentrale warnt nachdrücklich vor traumhaften Angeboten zu günstigen Preisen und Vorkasse. Was die sogenannten Phishing-Mails angeht: Oft sehen sie so aus, als wären sie von einer der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften verschickt, denn sie informieren schon öfter ihre Abonnenten über neue Angebote. Wenn aber in solch einem Schreiben etwa keine Vertragsnummer der Wohneinheit stehe oder die Unterlagen vor der Wohnungsbesichtigung gefordert werden, sei es ein Fake, warnt etwa die Gewobag auf der eigenen Webseite.