Berlin - In Berlin haben die Behörden 552 sogenannte Intensivtäter registriert. Die Berliner Polizei und die Staatsanwaltschaft führen in ihren Karteien auch sechs Kinder, die schon so viele und schwere Straftaten begangen haben, dass sie in diese spezielle Kategorie fallen.

In der Altersgruppe 14 bis 16 Jahre sind es 20 Intensivtäter, bei den 16- bis 18-Jährigen 59 und bei den 18- bis 21-Jährigen 114. Von den insgesamt 552 Intensivtätern haben 212 keine deutsche Staatsbürgerschaft. Diese bislang unveröffentlichten Zahlen nannte die Senatsverwaltung für Inneres auf eine parlamentarische Anfrage des Abgeordneten Marcel Luthe (Freie Wähler).

Laut Behördendefinition sind Intensivtäter vorwiegend junge Straftäter, die „eine den Rechtsfrieden besonders störende Straftat herausragender Art“ begangen haben, vor allem Raub- und Rohheitsdelikte. Oder sie haben innerhalb eines Jahres in mindestens fünf Fällen schwere Straftaten wie Raub und schwere Körperverletzungen begangen oder innerhalb eines Jahres in mindestens zehn Fällen „Straftaten von einigem Gewicht“ begangen und bei denen die Gefahr einer sich verfestigenden kriminellen Karriere besteht. Das Phänomen des Intensivtäters ist vor allem ein männliches. Nur sieben der 552 Personen sind weiblich.

Wie sich die Zahlen über die vergangenen zehn Jahre entwickelt haben, darüber können Polizei und Staatsanwaltschaft nur bedingt Auskunft geben. Denn laut Verordnung ist regelmäßig zu prüfen, ob eine weitere Speicherung personenbezogener Daten erforderlich ist. Deshalb gibt es Daten nur für die zurückliegenden fünf Jahre. Für Personen unter 14 Jahren besteht zudem eine Prüffrist von zwei Jahren. Daher liegen zu dieser Altersgruppe entsprechende Daten ausschließlich für die Jahre ab 2019 vor.

Intensivtäter begingen laut Innenverwaltung auch besonders schwere Fälle von sexueller Nötigung beziehungsweise Vergewaltigung. Zwei Beschuldigte sitzen zwar in Untersuchungshaft, jedoch nicht wegen Sexualdelikten, sondern anderer Straftaten. Zwei weitere Beschuldigte sitzen in Strafhaft, aber nur einer wegen eines Sexualdeliktes. Das findet Marcel Luthe einen Skandal: „Schon beim dem ersten Sexualdelikt müssen solche Täter von der Straße genommen werden, da die Sozialisierung offensichtlich ganz von vorne beginnen muss.“ Für Luthe zeigen die aktuellen Zahlen ein eklatantes Versagen der Schulen, Jugendämter und auch der Elternhäuser. „Die Gleichgültigkeit, mit der man diese Schicksale verwaltet, fördert kriminelle Karrieren.“