Ralph Ehrlich, Online PK zum CSD 2020 .
Foto: Imago Images/Photopress Müller

BerlinAm vergangenen Sonnabend fand der Berliner CSD aufgrund der Corona-Pandemie zum ersten Mal nur im Netz statt. Vorstandsmitglied Ralph Ehrlich, 57, über die Frage, wie zufrieden die Macher mit dem digitalen Christopher Street Day waren.

Herr Ehrlich, am Sonnabend wurde der erste digitale Berliner CSD gefeiert. Sind Sie zufrieden mit der Beteiligung?

Ja, durchaus. Wir hatten bei Youtube bis Montagnachmittag 19.000 Zugriffe und in den sozialen Medien mehrere hunderttausend Visits und Page-Impressions. Wir hatten 46 Wortbeiträge von der Aidshilfe bis zum Evangelischen Kirchenkreis, die man auch wirklich intensiv verfolgen konnte.

Konnte man das in den Jahren zuvor nicht?

Sicher, aber in der Regel fährt dann ein Truck an einem vorbei und man bekommt nur wenig davon mit. Die Leute stehen am Straßenrand, es ist laut und lustig, da geht natürlich vieles unter. Dieses Jahr konnte man die Beiträge, die unter anderem aus dem Haus der Statistik gesendet wurden, im Netz ungestört verfolgen.

Sie sind also mit dem digitalen CSD auch dem Vorwurf entgegengegangen, dass die Parade nur noch eine Party sei?

Ja, der Berliner CSD war 2020 so politisch wie nie.

Die Party fehlt Ihnen also nicht?

Mir fehlten das Emotionale und das Gänsehautfeeling, das man hat, wenn man mit vielen anderen zusammen auf der Straße ist. Ich hatte auch Bedenken, dass wir viele Leute nicht erreichen, denen der CSD ansonsten das Gefühl vermittelt hat, nicht alleine zu sein. Es gibt ja auch unsichere Menschen, die vielleicht gerade ihr Coming-Out hatten oder haben wollen, denen kann so eine Veranstaltung das Gefühl geben, dass da noch andere sind, die ebenso empfinden, die dieselben Probleme und Sehnsüchte haben. Das kann ein rein digitaler CSD so natürlich nicht leisten.

Interview: Marcus Weingärtner