BerlinWie sah der Osten aus, wenn er auf Arbeit war? Also der proletarische Osten, Arbeiter und Bauern, Frauen und Männer in Fabriken, bei der Ernte, in der Werkstatt, am Fließband? Er sah aus wie die Fotografien von Günter Krawutschke, der jahrzehntelang auch für die Berliner Zeitung dort unterwegs war, wo die herrschende Klasse ihre Schichten schob. Das sind ehrliche Bilder. Ungeschönt, in der Tat. Aber sie zeigen schöne Menschen, auch wenn sie schmutzig, verschmiert, müde, angestrengt oder mürrisch aussehen. Sie sind echt. Sie haben Würde und Witz. Und jetzt haben sie Platz gefunden in einem wundervollen Fotoband mit dem Titel „Gesichter der Arbeit. Fotografien aus Industriebetrieben der DDR“ (be.bra Verlag).

Die hier ausgewählten Bilder stammen aus verschiedenen Kapiteln des Buches und zeigen eine Welt, die es in vergleichbaren Betrieben der alten BRD nicht gab: die der Frauen inmitten der Männer. Selbstbewusste Personen, die ihren Mann standen, wie man ganz treffend sagte. Und man sieht, dass es da manchmal krachte oder knisterte. Da trat nicht das unterwürfige Schreibmädchen zum Diktat an – da wusste die Kollegin ziemlich genau, was sie konnte und wollte. Genauso wie Krawutschkes Fotos die Menschen zeigen, so habe ich sie gesehen während meines Unterrichtstags in der Produktion (UTP), den ich wie alle Schüler in der DDR von der siebten Klasse an Woche für Woche absolvierte. Ich ging ins CKB-Chemiekombinat Bitterfeld. Beim Durchblättern des Bandes dachte ich: Das sind meine Leute.

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