Neulich entdeckte ich in der ARD-Mediathek einen vergnüglichen Spielfilm, der die Arbeitswelt in der DDR anschaulich schildert: „Alle meine Mädchen“ von 1980, die Geschichte einer preisgekrönten Brigade aus sechs Frauen im Glühlampen-Werk Narva in Berlin-Friedrichshain. Als ich ihn ostsozialisierten Freundinnen empfahl, urteilten diese lachend: „Ja, so war das damals auf der Arbeit.“

Da wird tüchtig in deutlichen Worten mit den Vorgesetzten geschimpft und laut Tacheles geredet, so was traut sich heute niemand in der modernen Bürowelt. Wütend sind die fünf Arbeiterinnen, weil ihr seit Jahren erfolgreich zusammenarbeitendes Kollektiv auseinandergerissen werden soll. Nur zufällig erfahren sie es, kommentieren: „Die haben sich daran gewöhnt, dass wir immer nicken.“ Diesmal aber wird der Ärger groß, sie machen erst die Meisterin Marie, dann den obersten Chef rund.

Besuch am Krankenbett der Vorgesetzten

Den Zusammenhalt unterstützt auch regelmäßiges Verspeisen des von der Meisterin selbst gefertigten Kartoffelsalats im Pausenraum. Dabei eskaliert der heftige und unter die Gürtellinie gehende Streit. Das mündet in einem Nervenzusammenbruch von Marie.

Da tut es allen plötzlich furchtbar leid, beim Besuch in der Klinik schenken die Fünf Blumen und einen Morgenmantel. Meine Kollegen und ich am Krankenbett der Vorgesetzten? Bei der Vorstellung wird mir schwummrig – niemals in der Vergangenheit und auch zukünftig sicher nicht in meinem 42-jährigen Berufsleben.

Man war sich sehr nahe unter Kollegen

Meine Freundin B. kommentiert: „Man war sich damals sehr nahe unter Kollegen.“ Die Arbeitspause zusammen zu verbringen, regelmäßig alle mit Selbstgekochtem im Betrieb zu verwöhnen, war selbstverständlich. Den Vorgesetzten ordentlich Kontra zu geben, genauso. Das bestätigt Freundin R. mir. Trotzdem haben sie sich auch mächtig geärgert, erzählt mir Kollegin S.: „Wirklich rauf in die Leitungspositionen kamen auch damals nur die Männer.“ Ein befreundeter Mann mit Ostherkunft meint nur trocken: „Die Frauen wurden ausgenutzt, trugen die Doppelbelastung von Beruf und Familie.“

Der noch bis zum 4. April zu sehende Film ist von einer Frau gedreht, der Regisseurin Iris Gusner. Für die Defa waren wenige Frauen in diesem Beruf tätig. Wie war das auf der Arbeit zu DDR-Zeiten? Welche Erinnerungen haben Sie? Schreiben Sie bitte an: susanne.duebber@berlinerverlag.com