Der TikTok-Hund aus dem Tierquäler-Video: Was ist ihm wirklich zugestoßen?

Ein Video geht bei Instagram und TikTok viral. Zu sehen ist ein verwundeter Hund. Wie geht es ihm jetzt? Eine Hundetrainerin hat das Tier begutachtet.

Die Hundetrainerin hat beim Treffen ein Foto gemacht. Äußerlich sind keine Verletzungen zu erkennen.
Die Hundetrainerin hat beim Treffen ein Foto gemacht. Äußerlich sind keine Verletzungen zu erkennen.Privat

Ein Hund kauert auf weißen Fliesen in einer Ecke, auf seinem Kopf sind rote Streifen zu sehen. Eine männliche Stimme sagt: „Guck mal hier, mit Gürtel hab ich ihn auf den Kopf geschlagen.“ Vor vier Tagen bekam Hundetrainerin Angela Böth dieses Video anonym zugeschickt, sagt sie. Eine Freundin, die nicht genannt werden möchte, lud das Video als Story bei Instagram hoch. Influencerin Chameen, die bei Instagram über 400.000 Follower hat, teilte das Video ebenfalls. 

Daraufhin ging alles sehr schnell: Das Video ging viral, jemand veröffentlichte falsche Adressen des mutmaßlichen Tierquälers, Menschen drangen gewaltsam in zwei Spandauer Wohnungen ein. Das berichten verschiedene Medien. Die Polizei warnt vor Selbstjustiz, nach dem Ermittlungsstand hatten die Bewohner nichts mit dem Video oder dem Hund zu tun.

Hunderte Hinweise gingen ein, berichtet die Hundetrainerin Böth. „Etwa sieben davon waren hilfreich“, sagt sie. Sie habe drei Tage lang nicht geschlafen, weil die Frauen „im Team“ damit beschäftigt waren, all die Nachrichten zu sortieren. „Ich stand auch in engem Kontakt mit dem Veterinäramt“, sagt Böth, „und mit der Polizei.“ Dort habe zwar niemand geantwortet, dennoch hielt die Hundetrainerin die Polizei auf dem Laufenden.

Schließlich meldete sich eine Freundin der Halterin. Die Halterin führte ihren Hund bei einem Treffen Angela Böth vor, um zu beweisen, dass es ihm gut gehe. Die Polizei war informiert, wartete aber „um die Ecke“, sagt Böth, weil sie die Befürchtung äußerte, dass die Halterin sonst direkt wieder gehen würde. Später kamen die Beamten dazu, nahmen den Hund aber nicht mit. „Der Hund war augenscheinlich im guten Zustand“, sagt eine Pressesprecherin der Berliner Zeitung. Das Veterinäramt kümmere sich jetzt darum. Mehr könne sie zum laufenden Ermittlungsverfahren nicht sagen.

Das bestätigt Böth, sie glaubt aber, dass der Hund weiterhin in Gefahr sei und der Partner der Halterin der Täter war. „Ich habe auch ein Trauma festgestellt“, sagt sie. Zum Beweis schickt sie ein Video, der Hund rennt fluchtartig in die Leine. Das war, weil Böths Partner auf ihn zugegangen sei, sagt die Hundetrainerin. „Ich konnte die Verfassung nur in begrenztem Rahmen testen“, sagt sie. Der Hund habe nicht richtig nach ihr gebissen, aber beim Abtasten nach Schwellungen geschnappt, um sie fernzuhalten. „Dem Wunsch bin ich nachgekommen“, sagt sie. „Ich wollte ihn nicht noch mehr belasten.“

Angela Böth hat das Video erhalten und ihren Freundinnen geschickt.
Angela Böth hat das Video erhalten und ihren Freundinnen geschickt.Privat

Die Halterin sagte zu Böth, das Video stamme von einem Freund, der mit der Betreuung des Tiers überfordert war und sie mit dem Video dazu bringen wollte, den Hund sofort abzuholen. Der Vorfall sei drei Monate her. „Ich kann es nicht beweisen“, sagt Böth. „Aber ich bin überzeugt, dass die Halterin an dieser Stelle lügt.“ Böth sagt, sie habe die Polizisten angebettelt, den Hund mitzunehmen. Das dürften sie aber nicht, aufgrund der nicht geprüften Beweislage. „Das ist in der Hand des Veterinäramts“, sagt Böth. Sie erwarte, dass das Amt dem Fall weiter nachgehe.

Angela Böth hat ein Video von dem Treffen hochgeladen. Chameen hat das Video inzwischen gelöscht und stattdessen ein weiteres veröffentlicht, in dem sie erklärt, was im Einzelnen vorgefallen ist.