Berlin - Die allermeisten Fahrgastschiffe auf Berlins Gewässern sind dieselbetrieben – noch. Dieses Jahr soll bei der Reederei Stern und Kreis das erste von zwei im Bau befindlichen solarbetriebenen Fahrgastschiffen in Betrieb gehen. Die Zukunftsausrichtung scheint klar: „Es wird zukünftig bei Stern und Kreis keine Schiffsneubauten mit konventionellen Dieselmotoren mehr geben“, sagt Andreas Behrens, Geschäftsführer von Stern und Kreis.

Zusätzlich sollen die bestehenden Fahrgastschiffe nach und nach mit Partikelfiltern umgerüstet werden, welche die Stickoxide um mindestens 70 Prozent und die Rußpartikel um mindestens 90 Prozent reduzieren sollen. Bei drei Schiffen ist dies bereits geschehen. Dafür seien bei Stern und Kreis insgesamt bis zu 100 Millionen Euro vorgesehen.

Andere Berliner Reedereien werden dem Beispiel von Stern und Kreis folgen

Fahrgastschiffe auf Berlins Wasserstraßen verursachen laut Berechnungen des Senats etwa 57 Prozent der NOx -Emissionen und 65 Prozent des Feinstaubs im Schiffsverkehr. Gewaltige Zahlen, die sich zwar recht schnell relativieren lassen: Im Vergleich zu allen anderen Emissions-Quellen wie Verkehr oder Industrie sinken die Anteile auf ein Prozent bei Stickoxiden und 0,4 Prozent an der Feinstaub-Emission. Dennoch, auch hier kann man besser werden.

Andere Reedereien haben sich einer ähnlichen Mission wie Stern und Kreis verschrieben. Auch die Reederei Riedel hat laut eigenen Angaben bereits 2010 mit einem Rußpartikelfiltersystem eines ihrer Fahrgastschiffe modernisiert. Aber noch keines der großen Fahrgastschiffe fährt solarbetrieben. Das soll nun unter der Fahne von Stern und Kreis geschehen.

Einziges Manko: Kein Platz mehr auf dem Oberdeck

Doch bis es so weit ist, müssen die beiden Vorreiter erst einmal gebaut werden. Dafür hat Stern und Kreis eine Minderheitsbeteiligung an der Firma Solar Circle Line, die sich dieses Auftrags angenommen hat. Dort heißt es: Die Größe eines Schiffs spielt keine Rolle, auch ein Fahrgastschiff von knapp 40 Metern Länge, wie das jetzt geplante, kann ohne Probleme elektrisch fahren.

Einziges Manko: Beliebte Plätze auf dem Oberdeck des Schiffes wird es nicht mehr geben. Denn der Platz ist belegt für die Solarpaneele, die Ökostrom erzeugen. Reicht dieser nicht aus, sollen die Batteriebänke mit Ökostrom aus Ladesäulen am Hafen der Reederei in Treptow versorgt werden, für weitere Ladepunkte hofft Stern und Kreis auf Förderung des Senats.

Fahrverbote auf Wasserwegen in Berlin sind erst mal nicht zu befürchten

Der Senat seinerseits hat bereits vergangenes Jahr ein Pilotprojekt unter dem Namen „saubere Schiffe“ ins Leben gerufen. Hierbei wurde versprochen, die Nachrüstung mit Partikelfiltern bei 21 Berliner Schiffen zu übernehmen – aus Kostengründen wurde die Zahl jedoch schnell auf drei Schiffe reduziert, die restlichen sollen später folgen.

Auch prüft der Senat derzeit, ob für bestimmte Steganlagen Umweltauflagen zur Reduzierung des Schadstoffausstoßes möglich sind. Fahrverbote auf Wasserwegen sind hingegen nicht so schnell zu befürchten – denn anders als im Straßenverkehr greift auf Wasserstraßen das bundesdeutsche Recht. Stadt und Land hätten nicht die Befugnis, Fahrverbote zu verhängen.