Herr Katz, was ist unter einem solidarischen Späti zu verstehen?

Der Späti ist profitfrei, das heißt es gibt keinen Kapitalertrag. Wir wirtschaften so, dass wir mit unseren Einnahmen die Kosten des Ladens und unsere Löhne bezahlen können. Das überschüssige Geld, der Gewinn, wird dann über unsere Plattform transparent weitergegeben an Gruppen, die andere profitfreie Kollektive umsetzen - und die dann wiederum ihre Überschüsse abgeben, um neue Projekte zu finanzieren. So soll sich nach und nach ein Netzwerk aus profitbefreiten Kollektiven aufbauen.

Welche Überzeugung steckt hinter der Idee?

Bei diesem Projekt geht es um drei zentrale Ideen: Genügsamkeit - sich also nicht mehr nehmen als man braucht. Selbstverwaltung - also möglichst wenig Fremdbestimmung und drittens Solidarität. Das, was man nicht braucht, wollen wir weitergeben an andere Kollektivgruppen, die sich und anderen dann auch selbstgestaltete Lebenswelten ermöglichen. Und wir dulden keine Nazis und Rassisten.

Bei den Organisatoren handelt es sich also um politische Aktivisten?

Wir sind 17 Leute und eine ziemlich bunte Truppe. Da sind Studenten dabei und Leute, die jetzt schon selber Projekte oder Festivals machen, genauso wie Handwerker, Gärtner und Bauern. Wir wollen Menschen motivieren, profitorientierte Unternehmen durch profitfreie zu ersetzen. Selbst wenn man alleine nicht genug Zeit, Geld und Expertise hat, ist in einer größeren Gruppe so einiges möglich.

Wie sind Sie darauf gekommen, ausgerechnet einen Späti zu eröffnen?

Weil ein Späti relativ einfach umzusetzen ist. Wir könnten auch einen Supermarkt gründen. Das ist aber um einiges schwieriger zu verwirklichen, als einen kleinen Späti. Uns geht es primär nicht um den Laden an sich, sondern um die Idee des profitfreien Wirtschaftens. Das Konzept lässt sich auf jeden Betrieb und jedes Unternehmen übertragen. Wir wollen mit unserem Späti zeigen, dass das auch funktioniert.

Welche Kunden wollen Sie mit diesem Konzept ansprechen?

Jeder ist bei uns willkommen. Wir werden den Dingen ihren Lauf lassen und sehen was passiert. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir sehr sympathische Leute bei uns haben werden.

Locken Sie diese mit einem besonderen, individuellen Angebot in den Laden?

Wir wollen darauf achten, dass wir bei den Produkten, die wir anbieten, eine gute Mischung hinkriegen. Auch wenn viele von uns auf einen bewussten Konsum achten, wollen wir kein Bio-Späti werden. Es soll eine breite Palette an Produkten, wie in jedem anderen Späti auch geben, weil wir für alle offen bleiben wollen. Neben den normalen Produkten werden wir aber auch einige ökologisch erzeugte, regionale und profitbefreite Produkte anbieten. Die breite Masse soll sehen, dass es möglich ist jede Art von Betrieb selbstorganisiert und profitbefreit zu gestalten.

Bier, Chips und Co. sind dort also billiger als in anderen Spätis?

Da wir profitfrei wirtschaften, brauchen wir natürlich weniger Einkommen als andere Spätis. Für uns war aber von Anfang an klar, dass wir kein Preisdumping betreiben werden, weil wir fair gegenüber unseren Nachbarn bleiben wollen. Unsere Preise werden sich nicht großartig von denen der Nachbarn unterscheiden, auch wenn es natürlich hier und da Unterschiede geben wird, wie zum Beispiel günstiges Sterni und Pilsator (Anmerk.d.Red. - Biersorten). Es soll auch eine Soli-Kasse entstehen. Damit können Leute, die weniger Geld haben, weniger zahlen, wenn jemand vorher etwas mehr gezahlt hat.

Wie finanzieren Sie die Ausgaben für die Ladeneröffnung?

Auch wenn wir bei der Inneneinrichtung viel improvisieren werden, brauchen wir natürlich Geld für die Kaution, die ersten Monatsmieten und die Produkte, die wir dort verkaufen möchten. Insgesamt benötigen wir für die Eröffnung etwa 20.000 Euro, die wir gerade über das Crowdfunding unserer Website sammeln. Etwa 6300 Euro haben wir schon zusammen. Wir investieren natürlich auch selber unser Geld. Aber damit dieses Projekt bald Realität wird, freuen wir uns über jede Person, die die Idee nach ihren Möglichkeiten unterstützt.

Der Späti soll am Görlitzer Park öffnen. Ist die Konkurrenz da nicht schon groß genug?

Am Görli kommen viele unterschiedliche Menschen vorbei, der Park ist auch Treffpunkt für Menschen aus verschiedenen Stadtteilen. Wir wollen die Menschen von unserem Konzept überzeugen. Wir denken, dass der Görli der richtige Ort dafür ist, weil hier viele Leute vorbeikommen und weil darüber hinaus viele von uns hier wohnen und sich hier einfach wohl fühlen.

Mehr Infos zum Soli-Späti unter:http://bildet-haufen.de/

Das Interview führte Corinne Plaga.