Cecilia A. (39), ihrem Lebensgefährten Yaser O. (27) und ihrem Sohn Elyas (1) droht der Verlust ihrer Wohnung. Rein rechtlich ist der Fall nicht ganz einfach, aber moralisch gesehen, schürt er die Wut eines ganzen Kiezes.

In der ruhigen Anwohnerstraße unweit des Schlesischen Tores kleben überall Plakate. „Kommt alle! Zeigt Eure Solidarität für die junge Familie“, steht darauf. Der „Bizim-Kiez“ ruft zum Protest gegen die drohende Zwangsräumung auf. „Der Gedanke, dass wir bald kein Dach mehr über dem Kopf haben, ist gruselig“, sagt Cecilia A.

Über ihr Schicksal soll kommende Woche das Amtsgericht entscheiden. Im Hintergrund schwillt ein monatelanger Streit zwischen Mieter und Vermieter. Er wirft Cecilia A. eine Vertragsverletzung vor, weil sie ihren Freund und Vater des Kindes ohne Erlaubnis in die Wohnung einziehen ließ. 

Untermiete wird zum Problem

Die junge Frau hatte die 80 Quadratmeter große Wohnung an der Lübbener Straße 2011 mit einer Freundin zusammen angemietet. Fünf Jahre später sei sie schwanger geworden und es sei zu einem Streit unter den Frauen gekommen. Den Vater ihres Kindes, den Iraker Yaser O., hatte sie in einer Flüchtlingsunterkunft kennengelernt. „Wir wussten sofort, dass wir zusammengehören“, sagt Cecilia A.

Ihre Freundin habe das Mietverhältnis beenden wollen. „Unser Vermieter wollte sie nur aus dem Vertrag lassen, wenn auch ich kündige“, so A. Laut Mietrecht müssen für eine wirksame Kündigung beide Vertragspartner unterzeichnen. Sie habe ihren Vermieter darum gebeten, Yaser als Untermieter anzuerkennen. „Darauf wollte er sich nur einlassen, wenn ich eine Kündigung mit einer Frist von sechs Monaten unterschreibe“, sagt sie. 

Für das Vorgehen wenig Verständnis

In einem weiteren Gespräch habe sie erfahren, dass die Wohnung danach „leer verkauft“ werden solle. Die Familie holte sich Hilfe bei einer Mieterberatung und blieb weiter dort wohnen. Anfang des Jahres kam die Kündigung, begründet mit der Pflichtverletzung. „Ob eine Pflichterverletzung vorliegt, hängt von dem Zeitpunkt ab, wann die Genehmigung eingeholt worden ist, ob vor oder nach Einzug des Partners“, so eine Sprecherin des Berliner Mietervereins. Der Vermieter wollte sich auf Anfrage der Berliner Zeitung nicht äußern. 

Die drohende Obdachlosigkeit der Familie sorgt auch in der Politik für Unmut: „Wenn sie ihre Miete zahlen, habe ich für das Vorgehen wenig Verständnis“, so Christian Gräff (39), CDU-Abgeordneter und Sprecher für Bauen und Wohnen. Er will der Familie helfen. Gräff: „Sie können sich gern melden und dann werde ich versuchen, ihnen eine neue Wohnung zu vermitteln.“