Sommer in Berlin: Entspannt leer

Der Biergarten ist dank der Ferien nicht zu voll, da lassen sich Beobachtungen gut anstellen. Aber nicht nur Schönes.

Ein Kellner in einem Berliner Biergarten
Ein Kellner in einem Berliner Biergartenwww.imago-images.de

Wir müssen nicht lange drum herumreden: Selten ist Berlin besser auszuhalten als während der Schulferien im Sommer. Die Stadt ist nicht ganz so voll, wovon besonders die plötzlich fast schon luftig wirkenden Straßenzüge künden, in denen weniger Autos parken. Jetzt wäre eigentlich eine günstige Gelegenheit, dort kurzerhand Abstellplätze für Roller und Fahrräder zu installieren oder einfach nur etwas Grün zu pflanzen.

Jedenfalls sind so viele Menschen gleichzeitig verreist, dass bei Temperaturen jenseits der 30 Grad in einem Biergarten noch am frühen Abend reichlich Tische frei sind. Obwohl sich an der Getränkeausgabe eine veritable Warteschlange gebildet hat, geht es mit der Bedienung am Tisch überraschend fix.

Der Kellner und die Kinder

Die Sonne geht zwar bald unter, pfeffert zum Abschied aber noch mal derart ins Gesicht, dass ein kurzfristiger Tischwechsel nötig wird, der unvermittelt zur Beobachtung eines Schauspiels einlädt, das sich bald am nun neuen Nachbartisch abspielen wird.

Vorher muss ein Kellner beim Servieren von Pizzen noch nackigen Kindern ausweichen, die sich im nahen Brunnen abgekühlt haben und nun durch die engen Gassen flitzen, die sich aus Stühlen und Tischen bilden. Heikler sind die Aufeinandertreffen der Kinder mit denen, die Getränke auf dünnen Tabletts balancieren, was für sich ja schon eine Kunst ist. Das eine oder andere Kind erhält von der Bedienung eine mahnende Grimasse, was ein erfolgreiches Mittel zu sein scheint, denn die Bestellung erreicht uns unbeschadet.

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Video in voller Lautstärke

Da geht es nebenan bereits los. Ein Mann um die 60 öffnet Video-Links, die ihm jemand über eine Messenger-App geschickt hat. Die Lautstärke übertönt alle Gespräche der Umgebung und selbst die angeschickerten Damen, die trotz der Hitze fleißig alkoholische Getränke nachordern und eben noch durch hysterisches Lachen auffielen, werfen ihm einen bohrenden Blick rüber. Der Mann nimmt davon nichts wahr, er lässt schon das nächste Video in voller Lautstärke abspielen.

Derweil hält ein ebenfalls älteres Paar auf der anderen Seite es für eine gute Idee, Freunde per Videotelefonat darüber zu informieren, wo sie sich gerade befinden. „Was?!“, ruft die Frau immer wieder, während sie auf dem kleinen Bildschirm das digitale Gegenüber sucht.

Der Mann mit den Videos hat inzwischen zwei Fünf-Euro-Scheine auf den Tisch gelegt, womit er wohl seinen nahenden Aufbruch ankündigen will.

Doch niemand nimmt sich seiner an. Als ein junger Kerl an seinem Tisch vorbeigeht, der den ganzen Abend nur Getränke zu den Gästen bringt, aber ganz sicher nicht kassieren darf, wedelt der Gast ihm vorwurfsvoll die Scheine ins Gesicht.