Streetfood ist in Berlin schon seit Jahren ein Riesenthema. Kleine Happen vom Foodtruck oder Imbisswagen, verzehrt auf öffentlichem Straßenland – was hier seinerzeit zum hippen Trend ausgerufen wurde, gehört in anderen Weltregionen zum Alltag. Laut Welternährungsorganisation nehmen 2,5 Milliarden Menschen täglich Streetfood zu sich. In südamerikanischen Städten werden bis zu 30 Prozent der Haushaltsausgaben dafür verwendet. In Bangkok versorgen 20.000 Streetfood-Händler die Bewohner der Stadt mit geschätzt 40 Prozent des täglichen Bedarfs an Lebensmitteln.

In New York wird gar bei einem alljährlich ausgerufenen Streetfood-Wettbewerb der Verkäufer des Jahres gewählt. So weit sind wir in Berlin noch nicht, aber auch hier gehört die kleine Portion auf die Hand längst zur wöchentlichen Imbissfolklore. Bekannte wiederkehrende Märkte sind etwa der „Street Food Thursday“ in der Kreuzberger Markthalle Neun oder „Street Food auf Achse“ in der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg.

Tausende Besucher: größtes italienisches Streetfood-Festival Deutschlands

Längst aber gehen die Fingerfood-Sausen über stationäre Dauereinrichtungen wie diese hinaus, ganze Festivals haben sich inzwischen dem Streetfood verschrieben. So auch das „Italian Street Food Festival“, das sich ganz der italienischen Küche widmet.

Es findet 2022 bereits zum vierten Mal statt, im vergangenen Jahr waren über 5000 Besucher da und machten das Event zum größten italienischen Streetfood-Festival Deutschlands. Was nicht weiter verwunderlich ist, da es in praktisch jedem Berliner Kiez mindestens ein Ristorante oder eine Pizzeria gibt und die italienische Küche noch immer zu den beliebtesten der Welt gehört.

Am Wochenende des 18. und 19. Juni geht das Angebot über die altbekannten Italo-Klassiker allerdings meilenweit hinaus. An rund 20 Ständen werden auf dem Festivalgelände am Osthafen Caponata, Oktopus-Burger, venezianische Tramezzini, Panzerotti (gefülltes Siedegebäck aus Apulien und Kampanien), neapolitanische Pizza, Focaccia und sizilianische Cannoli mit süßen Cremefüllungen angeboten.

Auch handgemachtes Eis und Aperol Spritz für vier Euro gehören zum Programm, genauso wie Kunst und Musik. Das DJ-Kollektiv Borghetta Stile reist eigens aus Rom an, der in Berlin lebende sardische Künstler Lorenzo Deidda präsentiert seine Werke und organisiert eine Live-Painting-Performance.

Berlin Italian Communication
Kurz und bündig

Das „Italian Street Food Festival“ findet am 18. und 19. Juni jeweils von 11 bis 22 Uhr am Osthafen in Friedrichshain (Außengelände des Club Ost, Alt-Stralau 1–2) statt. Eintritt: 3 Euro, Kinder frei.

Das Festival wird seit 2018 von der Agentur Berlin Italian Communication organisiert. Ziel des dahinterstehenden Netzwerks von rund 300 Gastronomen in Deutschland ist es, das authentische italienische Gastgewerbe zu bewahren und zu unterstützen.

Weitere Events folgen: Am 16. und 17. Juli findet das „True Italian Pizza Festival“ statt – das erste Berliner Streetfood-Festival mit Schwerpunkt auf Pizza. Dabei sind einige der besten Pizzerien in Berlin, die für diesen Anlass ihre Kreationen in portablen Öfen backen. Am 27. und 28. August kommt das „Pistachio Street Food Festival“ wieder nach Berlin – für alle, die Pistazien lieben. Beide Events finden im Jules B-Part im Park am Gleisdreieck statt.

An den Ständen und Foodtrucks trifft man einige der bekanntesten italienischen Gastronomen Berlins, wie Vino e Basilico, Duo Sicilian Ice Cream, Zum Heiligen Teufel oder die Tortenbäckerei Kuchen von Gaia aus der Markthalle Neun. Ein Stand kommt sogar aus Frankfurt: Bei La Frisa Fra kann man apulische Spezialitäten probieren. Neu sind in diesem Jahr die venezianischen Tramezzini von Tramesin (ein Pop-up-Store in der Arminiusmarkthalle in Moabit), römische Focaccia gefüllt mit Fleischbällchen von Noon Cucina Romana oder die frischen Ravioli in Butter-Salbei-Soße von Apemangia.

Von Markt zu Markt: Streetfood war in der Pandemie die Rettung

Eine alte Festival-Häsin ist die Focacceria San Francesco und deren Besitzerin Daniela. Gemeinsam mit ihrem Mann Alessandro hat sie sich auf sizilianische Streetfood-Gerichte spezialisiert, was nun wahrlich kein Zufall ist, schließlich kommen die beiden aus Palermo. Alessandros Familie hat dort bereits eine Focacceria betrieben.

Hier in Berlin hat Corona seinem Laden in der Kastanienallee den Garaus gemacht: Ohne die Touristenhorden in Prenzlauer Berg konnte das Restaurant nicht überleben. Es blieb ein Imbissanhänger – und die Hoffnung auf Streetfood. Jetzt touren die beiden Italiener von Event zu Event und von Wochenmarkt zu Wochenmarkt: Dienstags stehen sie auf dem Leopoldplatz in Wedding, mittwochs in Schöneberg, samstags dann in Zehlendorf.

Berlin Italian Communication
Arancini gehören zur traditionellen sizilianischen Küche – und zum Angebot von Daniela und Alessandro.

Zum Festival bereiten Daniela und Alessandro Arancini mit verschiedenen Füllungen zu. „Diese frittierten und gefüllten Reisbällchen gehören zur traditionellen sizilianischen Küche, in unserer Heimat bekommt man sie schon zum Frühstück in den Bäckereien und auch mittags in den Bars. Eigentlich kann man sie den ganzen Tag essen“, schwärmt Daniela. Sie und ihr Mann wollen an ihrem Stand auch die sizilianische Pizza Sfincione und natürlich Focaccia backen, deren Teig besonders knusprig und fluffig sein muss, wie Daniela betont. Belegt werden die Teigspezialitäten mit Zwiebeln, Sardellen, frischen Tomaten, Hartkäse und mit Ricotta aus Palermo.

Aus einer ganz anderen Ecke am Stiefel kommen die Spezialitäten, die das Isola Italia zum Festival mitbringt. Besitzer Andrea Favullo bietet Arrosticini an, gegrillte Lammfleisch-Spieße aus den Abruzzen.

„Ich komme aus Apulien, war aber mit meiner Familie immer im Urlaub in den Abruzzen. So habe ich die Spieße kennen- und lieben gelernt, die dort gern auch in riesigen Mengen auf den Holzkohlengrill kommen“, erzählt Favullo, der seit acht Jahren in Berlin ist und mit seinen saftig marinierten Fleischstücken von Wochenmarkt zu Wochenmarkt zieht: Maybachufer, Arkonaplatz, Südstern.

Favullos knusprig gegarte Spieße sind echte Berliner Besonderheiten. „Ich bin der Einzige in der Stadt, bei dem Sie solche Arrosticini kaufen können“, ist sich der Italiener sicher.