Berlin - Wenn viele Berliner in den Urlaub fahren, fangen die anderen erst richtig an zu arbeiten. Sommerzeit ist Baustellenzeit – im Straßenbau, aber auch bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). Jens Wieseke vom Fahrgastverband IGEB sieht das sowohl positiv als auch negativ. „Zu viele Streckensanierungen kann es gar nicht geben, sie sind meist dringend nötig.“ Doch im Detail gebe es viele Verbesserungsmöglichkeiten, was den Ersatzverkehr anbelangt. Viele Fahrgäste seien zu Recht genervt.

Zu den Beispielen gehört eines der größten Bauprojekte in diesem Jahr, die Erneuerung der Kabelkanäle der U-Bahn-Linie 5. Das Teilstück von Wuhletal bis Kaulsdorf-Nord ist bis 11. August gesperrt. Auf dem anschließenden Abschnitt bis Cottbusser Platz dauert der Schienenersatzverkehr (SEV) mit Bussen sogar bis zum 1. September.

Die vor rund 25 Jahren verlegten Betonteile beiderseits der Strecke, in deren Schutz Strom-, Signal- und Kommunikationskabel verlaufen, sind verschlissen. „Sie zerbröseln“, sagt Ingenieur Holger Greipel von der BVG. Mit der Folge, dass in den Kabeltrassen Bäume wurzeln und Tiere nisten, zum Beispiel Ratten und Füchse. „Wir standen vor der Frage: Müssen wir den Zugbetrieb auf diesem Teil der U 5 einstellen?“

„Völlig richtig, die Kabelkanäle müssen unbedingt erneuert werden“, pflichtet Jens Wieseke bei. Aber das, was ein Teil der Fahrgäste momentan erdulden muss, sei „inakzeptabel“. Weil in Wuhletal die U 5 zum Alexanderplatz jetzt von einem anderen Gleis abfährt als bisher, müssen Umsteiger von der S-Bahn neuerdings den Bahnsteig wechseln – und erwischen die U-Bahn oft nicht mehr. Perfekte Anschlüsse sind Vergangenheit. Wieseke: „Folge ist eine Fahrzeitverlängerung, denn bis Wuhletal fährt die U 5 nur noch im Zehn-Minuten-Takt.“ Misslich auch: Wer nach Hönow will, muss unterwegs vom Bus wieder in die U-Bahn umsteigen. Der BVG fehle Geld für einen durchgehenden Ersatzverkehr. Immerhin rollen nun mehr Busse.

Warum dauern die Arbeiten so lange? „Wir haben die Bauzeit bereits verringert. Erst sollte die Sperrung 16 Wochen dauern, jetzt sind es zehn“, sagt Greipel. Doch kürzer gehe es nicht, weil der Aufwand gewaltig sei, wie Projektleiter Ralf Neumann erklärt. „Wir müssen rund 15.000 Tonnen Kies, Bauschutt, neue Teile und anderes Material bewegen, unter schwierigen Bedingungen.“ Der Einschnitt, in dem die U 5 verläuft, ist schmal und schwer zu erreichen. Auch müssen die Bauleute auf die Anlieger Rücksicht nehmen, so der Elektromeister: Die bis zu 800 Lkw-Fahrten könnten nicht nachts stattfinden.

Kundschaft erfolgreich vergrault

2014 und 2015 geht die Arbeit auf anderen Abschnitten der U 5 weiter. Insgesamt 17,63 Kilometer Strecke erhalten neue Kabelkanäle. Kosten: 10,2 Millionen Euro. „Für die BVG ist es das bisher größte Projekt dieser Art“, sagt Greipel.

Auch bei anderen Baustellen haben es die Fahrgäste schwer, so Wieseke. Etwa in Prenzlauer Berg: Bis Mitte September ist dort die Straßenbahnlinie 12 unterbrochen. Fahrgäste werden auf die oft überfüllte M 1 geleitet, für den Rest müssen Kleinbusse reichen. Viele BVG-Nutzer umfahren die Baustelle jetzt weiträumig. Ergebnis laut Wieseke: „Chaos die ersten drei Tage, seitdem wurden viele Fahrgäste erfolgreich aus der 12 vergrault.“