Die Ferien haben schon ein paar Tage auf dem gebräunten Buckel und der Sommer fühlt sich ohnehin an, als habe der vom letzten Jahr nie richtig aufgehört. Die Zeit ohne Dauerhitze war kurz, und dass die Kinder jetzt frei haben, heißt nicht, dass die Fragen dazu aufhören. Frei haben bedeutet aber auch: jede Menge Zeit und die Freiheit, sie zu füllen, womit man will.

Lehrer machen auch die Zeit außerhalb der Ferien erlebnisreich

Zunächst hat die Langeweile ihren Auftritt. Sie tut so, als ob sie ein zu beseitigendes Übel sei und nicht die Chance, das zu tun, wozu die sengende Sonne einlädt: Nichts. Herumlungern und in den Himmel schauen. Schlafen so lange es geht. Tagträumen. Zwischendurch Eis. Freiheit muss man lernen, auch die Kinder, jedes Mal auf ein Neues. Auf den Jubel darüber, dass das Schuljahr geschafft ist, folgt die Schule des Müßigganges.

Aus der Schule in die Ferien geschafft hat es ein Armband mit einem Holzpüppchen daran. Das kleine Kind trägt es immer außer beim Schwimmen. Das Band ist ein Geschenk der Lehrerin, mit anderen Winzigkeiten befand es sich in einer „kleinen Helferbox für Deine weitere Schulzeit“, die jedes Kind bekommen hat. Die Klasse wird einen anderen Lehrer haben, doch, so schrieb die Lehrerin dazu, die Kinder könnten immer zu ihr kommen.

Die Lehrerin des großen Kindes fand warme Worte für die Klasse, die sie in die Oberstufe entlassen hat. In einer Mail erzählte sie von Gesprächen mit den Schülern, die ihr Freude gemacht hätten, und davon, dass auch turbulente Phasen immer Gutes hervorgebracht hätten. Auch sie betonte, dass die Schüler auf ihre Unterstützung zählen können.
Jetzt, da der Müßiggang seinen Rhythmus gefunden hat, denke ich beim Anblick des Holzpüppchens oft an die Worte dieser Lehrerinnen. Denke an all die Menschen, die täglich dafür sorgen, dass nicht nur die Ferien eine erlebnisreiche Zeit sind. Dass ein Armband aus der Schule nicht weggepackt wird für ein paar Wochen, wie die Hefte.

Über gute Lehrer muss mehr gesprochen werden

Ich denke an eine Veranstaltung. Im Literaturhaus fand kürzlich die Reihe „Gedankenflug“ statt. Ein Philosoph diskutierte mit Grundschülern über Freiheit. Noch mehr, als dass einige der Kinder Platons Höhlengleichnis kannten, faszinierte mich die Antwort eines Mädchens auf die Frage, ob es denn freiwillig hier sei. „Eigentlich nicht“, sagte sie, da es ja ein Schulausflug sei. Aber, so fuhr sie sinngemäß fort, „ich bin ja gerne hier. Also doch freiwillig.“

Dass aus einer Pflicht eine freiwillige und damit lustvolle Sache werden kann, wenn man die Pflicht gerne erfüllt – was für ein genialer gedanklicher Trick. Auch die dort anwesenden Lehrer beherrschten ihn offensichtlich, denn obwohl einige Schüler schwer zu bändigende Temperamente waren, lag in ihren Augen vor allem Stolz und Wärme. Es mag viele Pädagogen geben, die nur ihre Pflicht erfüllen oder nicht einmal das. Über die wird viel gesprochen und geschrieben. Und zu wenig über die, welche sich die Freiheit nehmen, ihre Arbeit richtig gerne zu machen.