Berlin - Die Stellenbeschreibung ist nicht gerade ausführlich. Nur zwei Worte: unabhängig und weisungsfrei. Der Berliner Senat hat in seiner Sitzung am Dienstag beschlossen, dass ein Sonderbeauftragter genau so, unabhängig und weisungsfrei, das Handeln der Sicherheitsbehörden im Fall Anis Amri untersuchen soll.

Unabhängig vom Einfluss staatlicher Stellen und der Politik, weisungsfrei von Vorgesetzten und Auftraggeber. Denkbar wäre natürlich auch ein  parlamentarischer Untersuchungsausschuss. Es hilft allerdings, wenn man weiß, dass Bruno Jost dieser Ermittler werden soll. Der frühere Bundesanwalt, 68 Jahre alt, verheiratet, Vater von drei Kindern und heute im Ruhestand, ist der Wunschkandidat von Innensenator Andreas Geisel (SPD).

Spurensuche nach dem Mykonos-Attentat

In einer idealen Welt wird die Öffentlichkeit am Ende seiner  Untersuchung genau wissen, ob die Sicherheitsbehörden eine Mitschuld daran tragen, dass es zu dem Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember gekommen ist. Denn Bruno Jost hat sich in vielen Verfahren und vor allem durch seine Spurensuche nach dem Mykonos-Attentat von 1992 einen Namen gemacht.

Jost führte die Ermittlungen nach der Ermordung iranischer Oppositioneller im Berliner Lokal Mykonos recht unbeirrt. Er beschuldigte den Iran des Staatsterrorismus. Dafür bekam er Morddrohungen und hatte es mit einer Bundesregierung zu tun, die vermeiden wollte, dass sich das Verhältnis zum Iran weiter verschlechtert und versuchte, sich ins Verfahren einzumischen.

Trotzdem hat er mit  einer stillen Beharrlichkeit das Verfahren bis zu einem Urteil geführt. Seitdem gilt Bruno Jost als unabhängige Instanz. Die frühere Generalbundesanwältin Monika Harms hat bei Josts Verabschiedung in den Ruhestand 2009 gesagt, er habe wesentlich zum Erhalt der äußeren und inneren Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland beigetragen.

Zurück aus dem Ruhestand

Man kann sich selbst ein Bild von Bruno Jost machen. Im Internet ist ein Video aus dem vergangenen Jahr veröffentlich. Der Bundesanwalt a. D. spricht darin über die Mykonos-Morde. In dem Film begegnet man einem älteren Herren, der bescheiden über seinen größten Erfolg, die Verurteilung der Haupttäter nach 250 Verhandlungstagen zu lebenslangen Freiheitsstrafen, spricht.

Bruno Jost ist schon mit 60 Jahren in den Ruhestand gegangen. 2012 war er plötzlich wieder da und wurde in die Bund-Länder-Kommission zur Untersuchung der NSU-Morde berufen. Anders als jetzt ermittelten die Experten aber parallel zu einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss.