Finster sind die Aussichten, wenn sich der Mond am 10. Juni von 11.36 Uhr bis 13.43 Uhr vor der Sonnenscheibe entlangschiebt und jene verdunkelt. Diese ringförmige Sonnenfinsternis wird aus Berlin nur teilweise zu sehen sein. Um exakt 12.39 Uhr erreicht die Finsternis mit mageren und dennoch beobachtbaren 13,4 Prozent Bedeckungsgrad ihr Maximum. Unser Mond ist zufällig gerade groß genug und steht im richtigen Abstand zur Erde, sodass unser Begleiter die Sonnenscheibe genau abzudecken vermag und es auf der Erde zu einer Sonnenfinsternis kommt. Der Schatten des Mondes ist dabei nur wenige hundert Kilometer breit, nur ein kleiner Teil unserer Erde kommt überhaupt in den Genuss dieses besonderen Himmelsereignisses.

Da der Mond aber die Erde auf einer elliptischen Bahn umrundet und dieser derzeit im größeren Abstand zu uns steht, trifft der Kernschatten die Erde diesmal nicht, und es bleibt ein Sonnenrand um den Mond herum übrig. Um dies allerdings in voller Pracht beobachten zu können, ist eine Reise in den Nordwesten Grönlands angeraten.

Zur eigenen Beobachtung eignen sich sogenannte Sonnenfinsternisbrillen, die das grelle Sonnenlicht stark filtern. Im Interesse des eigenen Augenlichts sollte man niemals ohne besonderen Schutz mit einem Fernglas, oder einem Teleskop Richtung Sonne schauen – Ihnen blieben dann nämlich anatomisch betrachtet nur zwei ganz kurze Momente die Sonne zu sehen, bevor das Augenlicht unwiederbringlich verloren wäre. Die nächste partielle Sonnenfinsternis findet für uns bereits am 25. Oktober 2022 statt, für die nächste totale Sonnenfinsternis über Deutschland ist Geduld bis zum 3. September 2081 gefragt.

Die Sonnenfinsternis im Live-Stream

Die Stiftung Planetarium Berlin bietet unter www.planetarium.berlin einen Livestream mit kommentierten Livebildern der Sonne aus verschiedenen Regionen Deutschlands und allerlei Wissenswertes, Bilder und Animationen rund um die Sonnenfinsternis, Tipps und Tricks zur Beobachtung und virtuelle Flüge zur Sonne.

Weitere kosmische Ereignisse im Juni

Am 21. Juni astronomisch präzise um 5.32 Uhr beginnt der astronomische Sommer. Uns trennen dann 152.030.900 Kilometer von der Sonne. Wären es weniger, würden wir auf unserem Planeten noch mehr ins Schwitzen kommen. Die Planeten Merkur und Venus mit ihren lebensfeindlichen Oberflächen sind die abschreckenden Beispiele für zu viel Nähe. Zum Sommeranfang geht unser Stern um 4:43 Uhr auf, erreicht um 13:08 Uhr den höchsten Punkt auf ihrem Tagesbogen und geht um 21:33 Uhr unter. 16 Stunden und 50 Minuten. Dank der Schräglage unserer Erdachse erleben wir den längsten Tag und die kürzeste Nacht des Jahres.

In nur knapp 1,3 Lichtsekunden Entfernung, oder durchschnittlich 384.000 Kilometern Entfernung, steht unser Mond direkt vor der kosmischen Haustür. Die bekannten Mondphasen entstehen dabei allein durch die Position des Mondes auf diesem Orbit. Steht der Mond zwischen Sonne und Erde, sehen wir nur seine unbeleuchtete Seite, wir sprechen von Neumond, steht er der Sonne gegenüber, strahlt er als Vollmond die ganze Nacht. Am 2. Juni steht die Sichel des abnehmenden Halbmondes (letztes Viertel) am Morgenhimmel, der Neumond schiebt sich wie oben beschrieben am 10. Juni vor die Sonne, am 18. Juni leuchtet die Sichel des zunehmenden Halbmondes (erstes Viertel) am Abendhimmel und der Vollmond beleuchtet die Erde am 24. Juni.

In acht Minuten von der Sonne zur Erde

Nach Einbruch der Dunkelheit leuchten die Sterne scheinbar unveränderlich in unvorstellbaren Entfernungen. Von den Sternen ist das Licht über Jahrhunderte, Jahrtausende auf dem Weg zu uns. Die Lichtgeschwindigkeit bleibt im Kosmos mit 300.000 Kilometern pro Sekunde das schnellste, was wir kennen, und das Lichtjahr ist mit 9,46 Billionen Kilometern der Versuch, kosmische Dimensionen verständlich abzubilden.

Bereits von unserer Sonne benötigt das Licht und die Wärme über acht Minuten zur Erde. In ihrer unerbittlichen Nähe finden wir den Planeten Venus, die sich nach Sonnenuntergang tief im Nordwesten ihren Platz als Abendstern zu erkämpfen versucht. Zum Monatsanfang geht unsere Nachbarin im All um 22.44 Uhr unter, Ende Juni kaum unverändert um 22.56 Uhr. Am 2. Juni wechselt Venus in das Sternbild Zwillinge, um sich dann am 25. Juni weiter zum Krebs aufzumachen. Scheinbar so nah, sind es dennoch 241 Millionen Kilometer, die uns trennen, auch wenn ihre Helligkeit anderes suggeriert.

In scheinbarer menschlicher Erreichbarkeit finden wir in 338 Millionen Kilometern (18,8 Lichtminuten) den roten Planeten Mars. Anfang des Monats geht unser anderer Planetennachbar um 0.22 Uhr unter, am 30. Juni schon um 23:11 Uhr. Somit bleibt nur eine knappe Stunde zur Beobachtung, der Mars verschwindet gegen Monatsende gar ganz vom Abendhimmel. Am 8. Juni wechselt Mars vom Sternbild Zwillinge in den Krebs. Seine rötliche Färbung hatte in archaischen Zeiten zu wilden Mutmaßungen geführt, dieser Himmelskörper könne mit Blut oder Feuer in Verbindung stehen. Heute stellen die trockenen Wüsten, in denen doch nur Eisenoxid (Rost) für die rötliche Färbung sorgt, für die Forschung eine große Versuchung dar. So groß, dass wir vielleicht noch in diesem Jahrhundert eine bemannte, besser eine „bemenschte“, Entdeckermission dorthin aufbrechen sehen.

Jupiter und Saturn werden sichtbarer

Hingegen bauen die beiden Gasriesen Jupiter und Saturn ihre Sichtbarkeiten deutlich aus. Den Anfang macht Saturn in 1,4 Milliarden Kilometern Entfernung (78 Lichtminuten) im Sternbild Steinbock. Am 1. Juni geht der Ringplanet noch um 1.08 Uhr auf, am 30. Juni schon genau zwei Stunden früher. Hier geben seine unzähligen Ringe ein Maß für die Dimensionen, die aus unzähligen Eis- und Gesteinsbrocken bestehen und nur aus der großen Entfernung aussehen wie ein fester Ring: Saturn samt seinen Ringen würde ziemlich genau zwischen Erde und Mond passen.

Jupiter betritt jeweils nur wenig später, allerdings im Sternbild Wassermann stehend, die Himmelsbühne: am Monatsanfang um 1.46 Uhr und zum Monatsende um 23.49 Uhr. Trotz der großen Entfernung von 712 Millionen Kilometern Entfernung (40 Lichtminuten) hat seine Helligkeit beachtlich zugenommen, und so ist Jupiter als zweithellster Planet nach Venus kaum zu übersehen. Aufgrund seiner schnellen Rotation werden seine Wolkensysteme in lange Wolkenbänder verzogen. Das Allzeit-Schlechtwettergebiet, der Große Rote Fleck, wird seit über 300 Jahren beobachtet und kann schon in einem einfachen Teleskop gesehen werden.

In jeder Nacht sehen wir neben den Planeten und Sternen unzählige Satelliten über den Himmel ziehen. Ist es am Erdboden Nacht, werden die Satelliten in hunderten Kilometern über uns noch von der Sonne beleuchtet und reflektieren an ihren Oberflächen oder Solarzellen das Sonnenlicht. Zu den bekannten über 6.500 Satelliten, von denen noch gut über 2.500 im Einsatz sind, werden sich über die nächsten Jahre Tausende weitere gesellen. Bei aller Betriebsamkeit plant die amerikanische Firma SpaceX das Angebot eines weltumspannenden Internetdienstes per Satellit noch an jeden letzten Winkel der Erde zu bringen. Leider sind bereits jetzt in fast jeder Nacht diese Starlink-Satelliten am Himmel zu sehen und verhageln neben den astronomischen Beobachtungen den Sternfreunden den Eindruck des gestirnten Himmels. Über Generationen hat der ungetrübte Blick in die Sterne unserer Menschheit emotional wie intellektuell das Tor zum Kosmos aufgestoßen. Weitere Gefahren drohen mit immer mehr Licht in unseren Städten, das uns letztlich den Blick in den Sternenhimmel gänzlich nehmen kann. Die echten funkelnden Sonnen am Firmament bleiben mit Abstand die schönsten Sterne.

Der Autor ist Direktor von Zeiss-Großplanetarium & Archenhold-Sternwarte.