Berlin - Kaum kommt die Sonne raus, verwandelt sich Berlin. Während der dunklen Hälfte des Jahres ist Berlin eher eine Stadt, die zu dem etwas ruppig-charmanten Grummelton eines Berliner Busfahrers passt. Doch wenn es wärmer wird, entwickelt sich diese Stadt in einen sehr entspannten Ort – hemdsärmlig, in kurzen Hosen oder Sommerkleid und nach Sonnenmilch duftend.

Denn Berlin ist nicht nur eine grüne Stadt, in der an jedem schönen Sonnentag Zehntausende Leute in den Parks liegen. Oft wird vergessen, dass die Region Berlin-Brandenburg auch eine einmalige Wasserregion ist: Berlin hat mehr Brücken als Venedig, und Brandenburg ist das Bundesland mit den zweitmeisten Seen. Auf der Internetseite des Senats steht der schöne Satz: „In keiner Metropole der Welt ist der Sommer so schön wie in Berlin.“ Zudem gibt es keine andere Millionenstadt mit mehr Bademöglichkeiten in der Stadt und in seinem Umland.

Ab Sonnabend haben auch 15 Bäder geöffnet

Und jetzt geht es wieder richtig los, denn die beiden derzeit wichtigsten Werte gehen genau in die richtige Richtung: Die Temperaturen steigen und die Inzidenzwerte fallen. Die Sonne ist da, und endlich sind nach der dritten Corona-Welle und dem zweiten Lockdown auch die Strandbäder wieder geöffnet. Nach Monaten des Stubenhockens atmet Berlin nun durch, liegt auf der Badewiese und holt sich den ersten Sonnenbrand des Jahres.

Passend dazu ist die Meldung zur Wasserqualität. Die ist meist sehr gut. Über Monate lag auf den Flüssen die Schifffahrt still und das Wasser der Spree ist so klar wie selten. Gerade hat die EU ihre europaweite Überprüfung der Gewässerqualität bekannt gegen: In Deutschland ist sie zu 89,9 Prozent exzellent, weitere 4,9 Prozent sind gut.

In Berlin haben seit dem 21. Mai die ersten elf Sommer- und Freibäder der Bäderbetriebe geöffnet, wie das Strandbad Wannsee, das Prinzenbad in Kreuzberg oder das Sommerbad Pankow. Ab Sonnabend werden es dann 15 sein. Dazu kommen noch Bäder, die an private Pächter vermietet wurden.

dpa/Jens Büttner
Im Prinzenbad im Stadtbezirk Kreuzberg

Im Corona-Sommer 2020 wurde bewiesen, dass die Hygienekonzepte funktionierten. Aktuell gelten die „3-G-Regeln“: Alle, die baden wollen, müssen negativ auf Corona getestet, genesen oder geimpft sein.

Um Warteschlangen zu vermeiden, gibt es Karten nur übers Internet. Auch alle, die Jahrestickets besitzen, müssen sich wegen der eingeschränkten Besucherzahl ein Online-Ticket buchen.

Grundsätzlich dürfen weniger Besucher in die Bäder. Derzeit sind maximal 18.000 Gäste in den Einrichtungen der Bäderbetriebe erlaubt. Ein Vergleich: Am besucherstärksten Tag des Sommers 2019 kamen am 26. Juni knapp 76.000 Badegäste.

Berliner Verlag
Die Wochenendausgabe

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.

Am 5./6. Juni 2021 im Blatt: 
Ein Porträt über Sven Marquardt: Wie der Künstler das Berghain verließ und sich im Lockdown als Fotograf neu entdeckte

Wahlen in Sachsen-Anhalt: Ein Besuch in der AfD-Hochburg Aken

Uns geht das Wasser aus! Wie Berlin und Brandenburg mit der drohenden Dürre umgeht

Die großen Food-Seiten: Eines der besten süddeutschen Restaurants in Kreuzberg. Und: Eine Portion Hass gegen den deutschen Spargel

https://berliner-zeitung.de/wochenendausgabe

Giftige Blaualgen im Tegeler See

Aber es gibt nicht nur Bäder mit Eintritt, sondern 39 offizielle Badestellen, die daran erkennbar sind, dass Rettungspersonal vor Ort ist. Dort wird alle 14 Tage die Wasserqualität geprüft. Beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) heißt es: Selbst in heißen Sommern mit vielen Badewilligen können in Berlin die strengen Grenzwerte eingehalten werden.

Doch aktuell existiert ein massives Problem im Tegeler See mit einer speziellen Art von Blaualgen, die normalerweise eher im April aktiv ist. „Doch in diesem Jahr ist das Wasser noch sehr kalt“, sagt Silvia Kostner vom Lageso. „Diese Algen sind immerhin so giftig, dass bereits ein Hund gestorben ist, der sie geschluckt hat.“ Deshalb sind Warnschilder aufgestellt und im Freibad werden die Algen beräumt. „Dort, wo viele Algen sind, raten wir an diesem See derzeit sicherheitshalber vom Baden ab“, sagt sie. Erwachsene könnten zwar Baden, wenn sie die Algen nicht in den Mund nehmen. „Aber kleine Kinder und Hunde sollten auf keinen Fall ins Wasser.“

dpa/Ralf Hirschberger
Sprung in den Templiner See bei Potsdam

Genügend Alternativen gibt es in Brandenburg rund um Berlin: Dort sind 2,3 Prozent der Landesfläche von Wasser bedeckt. Das klingt wenig, ist aber viel: Es sind 10.000 Seen. Dazu kommen 32.000 Flusskilometer.

Auf der Liste der überregional bedeutsamen Badestellen, die alle vier Wochen beprobt werden, stehen 255 Badestellen. Nur knapp ein Dutzend hat nicht drei von drei Sternen. Algenprobleme sind nicht aufgeführt.

Es gibt bekannte Wasserregionen: Wie die Rheinsberger Region mit dem Großen Stechlinsee, die Region nordöstlich von Berlin mit Wandlitzsee, Liebnitzsee bis Werbellinsee. Im Osten gibt es den Scharmützelsee, auch „Märkisches Meer“ genannt. Und es gibt die Wasserregion zwischen Potsdam und Werder mit dem Schwielowsee.

Es existieren so viele Badestellen, dass es unmöglich ist, Ranglisten aufzustellen. Aber vielleicht hilft diese Regel: Je weiter weg von Berlin, umso leichter ist es, eine ungestörte Stelle zu finden.

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