Berlin - Es ist nicht mehr ganz leicht, sich in Berlin als Freiberufler durchzuschlagen, wenn man eine Familie mit zwei Kindern hat und trotz aller Widrigkeiten ein eigenständiger Künstler bleiben will. Lorenz Huber hat schon in vielen kreativen Branchen gearbeitet. Der 38-jährige Schweizer ist Regisseur, Tänzer, Musiker und Puppenspieler, er hat als Stuntman gejobbt und im legendären Klub der Republik gewerkelt. Das waren gute Zeiten, sagt er, aber mittlerweile funktionieren die Fördertöpfe nicht mehr, Aufträge bekommt man nur noch schwer. Die freie Szene ächzt.

Doch Huber hat nicht rumgejammert. Er suchte nach etwas Neuem. Es sollte mit Berlin zu tun haben (Was läuft da gut? Der Tourismus!) und er wollte etwas schaffen, was sich auch ohne Anwesenheit gut verkaufen lässt (Internet!). Also bastelte und entwarf er erste Modelle für ein, wie er sagt, besonders liebenswertes Berlin-Souvenir: Berlin im Beutel. Das sind 15 kleine Teile, Sehenswürdigkeiten der Stadt, vieles davon aus Buchenholz: Brandenburger Tor, Siegessäule, Reichstag, Mauer, Fernsehturm, man erkennt die Spree, kleine Autos, die Straßenbahn und Bäumchen im Tiergarten.

Edition Baustelle

Natürlich gibt es etliche Berlin-Souvenirs, das weiß Huber, viele bestehen aus Plastik, wurden im Ausland als Massenware produziert. Das Individuelle, Besondere fehlt. Hubers Berlin-im-Beutel-Bausatz (34,90 Euro) ist ein Kinderspaß für entspannte Erwachsene, die Zeit haben. Nach und nach entsteht aus dem losen Beutelinhalt ein kleines Berlin. Alles ist stark vereinfacht, es geht nicht um Details, dafür gibt es ja Fotos. Hubers Stadt ist ein kleines Kunstwerk, eine persönliche Stadtrundfahrt, eine Bau-Performance, die Erinnerungen an den Besuch in der Hauptstadt wachhält.

Im Juni hat Huber seine ersten hundert Berlin-Souvenirs in den Via-Behindertenwerkstätten herstellen lassen. Alle Exemplare sind längst verkauft. Im September folgte ein weiterer Auftrag, diesmal sind es tausend Beutel. Der Verkauf läuft gut, Huber bekommt Mut zum Variieren. Er entwickelt die Edition Baustelle (29,50 Euro). Im Beutel liegen jetzt 52 Einzelteile, Kleber und ein Bauplan. Wer sich für dieses Variante entscheidet, bastelt die Sehenswürdigkeiten selbst zusammen. Und kann die Baustelle auf dem heimischen Tisch sogar mit rot-weißem Flatterband absperren.

Huber kommt von seiner Baustellen-Idee nicht mehr los. In seinem kleinen Atelier in der Genossenschaft Königstadt-Brauerei in Prenzlauer Berg zeigt er seine neuesten Entwürfe. Die nächste Variante heißt „Arm aber sexy“. Statt aus Buchenholz bestehen die Berliner Sehenswürdigkeiten nun nur noch aus schnöder Pappe. Den Fernsehturm baut Huber aus einem Strohhalm, die Straßenbahn ist ein Rührstäbchen aus dem Coffee-Shop und die Spree schneidet er aus einem Stück blauer Mülltüte. Minimalismus und recyceltes Material, endlich mal ein ansprechendes Andenken ohne das dauer-nervige „I love Berlin“-Bekenntnis.

Die Souvenirs kann man im Internet anschauen und bestellen auf www.berlin-im-beutel.de