Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park.
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Dass das große Cinestar-Kinogebäude am Rand des Treptower Parks abgerissen werden soll, ist schon länger bekannt – und ärgert viele Treptower, die hier gerne ins Kino gegangen sind. Einen Zeitplan für den Abriss gibt es noch nicht. Dafür aber jede Menge Zukunftsmusik. Doch jetzt könnte das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park so manchem Investor die Laune vermiesen und Neubau-Pläne verhindern.

Auf dem Grundstück, auf dem sich jetzt noch das Kino befindet, wollen Investoren ein 22-stöckiges Hochhaus bauen. Geplant sind Büroräume, ein oder mehrere Hotels sowie Geschäfte. Aber auch ein offener Platz für die Allgemeinheit ist angedacht („Plaza“). Das bestätigt der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung nach einer Anfrage der Linken-Politiker Katalin Gennburg (36). Das Vorhaben klingt in der Antwort des Senats ziemlich konkret.

Das Hochhaus wäre zu hoch und würde die Sicht versperren

Doch den Denkmalbehörden in Bezirk und Land gehen diese Pläne eindeutig zu weit. „Die Konzeptidee eines Hochhauses [...] wurde seitens des Landesdenkmalamtes nicht mitgetragen“, schreibt der Senat wörtlich.

Als Gründe werden die Denkmäler Treptower Park und das Sowjetische Ehrenmal angeführt. Das Hochhaus wäre einfach zu hoch und würde den Blick versperren. „Der geplante Hochpunkt befindet sich in direkter Verlängerung der zentralen Sichtachse zum Denkmal Sowjetisches Ehrenmal als Bestandteil des Gartendenkmals Treptower Park“, steht da weiter geschrieben. Das Landesdenkmalamt sehe eine „relevante Beeinträchtigung der Erlebbarkeit.“

Und nicht nur das. Offenbar möchte die Berliner Verwaltung das derzeit ohnehin schwierige Verhältnis zu Russland nicht weiter belasten: „Die Erhaltung, Pflege und damit auch die Sicherung der visuellen Integrität der Gedenkstätte ist zwischen Russland und der Bundesrepublik Deutschland (BRD) vertraglich festgelegt.“ Bloß keinen Ärger mit Wladimir Putin also. Zudem ist das Mahnmal zugleich Friedhof: Über 7000 der in der Schlacht um Berlin gefallenen Soldaten sind hier bestattet.

Die Behörden schlagen deswegen als Alternative vor, ein Haus mit zehn Etagen zu bauen, statt mit 22. Interessant an der Angelegenheit: Die „Treptowers“ (125 Meter) gleich nebenan, immerhin das höchste Hochhaus Berlin, störten bisher niemanden aus der Verwaltung. Aber vermutlich sind zwei Hochhäuser jetzt eins zu viel.

Der Abgeordneten Katalin Gennburg, die die Anfrage beim Senat gestellt hatte, geht übrigens gerne in das Noch-Kino am Treptower Park. Sie wird einen Neubau sicherlich nicht verhindern können, verlangt aber, dass die Investoren mit dem Hochhaus einen Treffpunkt für die Bevölkerung in Treptow schaffen. Dem KURIER sagt sie: „Der Investor hatte die Schaffung eines sozialen und kulturellen Mehrwerts in Aussicht gestellt. Das Bezirksamt muss schleunigst die frühzeitige Bürgerbeteiligung organisieren.“

Bei solchen Bauprojekten sei eine transparente Bürgerbeteiligung eigentlich Usus, so Gennburg weiter. Ungeklärt sei auch noch die Verkehrsanbindung für das geplante Hochhaus. Die Investoren planen vermutlich auch Tiefgaragen mit ein. „Das Bauvorhaben kann nicht nach Gusto des Investors geplant werden“, sagt sie wütend.