Jeder siebte Berliner ist armutsgefährdet. Das geht aus dem Sozialbericht 2013 hervor, den das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg am Mittwoch veröffentlicht hat. Nachdem der Anteil der von Armut bedrohten Menschen im Jahr 2006 mit 13,3 Prozent am niedrigsten seit 1996 war, ist er seitdem „tendenziell wieder leicht angestiegen“, teilte das Amt mit – auf 15,2 Prozent im Jahr 2012 (2011: 15,5 Prozent). Der Anteil der Menschen mit Armutsrisiko ist in Berlin damit genauso hoch wie im Bundesgebiet.

Als armutsgefährdet gilt, wer als Alleinstehender weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens in Berlin zur Verfügung hat. Das sind 798 Euro monatlich. Bei einem Haushalt mit zwei Erwachsenen liegt die Schwelle der Armutsgefährdung bei 1 197 Euro monatlich, bei zwei Erwachsenen und einem Kind unter 14 Jahren bei 1 436 Euro. Als arm gilt, wer als Single weniger als 665 Euro zur Verfügung hat.

Während Kinder unter 18 Jahren vom Armutsrisiko überdurchschnittlich betroffen sind, müssen Personen ab 65 Jahren selten am Geld knapsen. In den vergangenen Jahren hat sich der Anteil der armutsgefährdeten Rentner und Pensionäre aber fast verdoppelt, was auf ein zunehmendes Problem hindeutet. Denn die Zahl der Menschen in dieser Altersgruppe ist groß und steigt weiter. Am stärksten angewachsen ist der Anteil der von Armut bedrohten Menschen überdies unter Langzeitarbeitslosen und Personen mit fehlendem oder niedrigem Bildungsabschluss. In Neukölln ist der Anteil der Armutsgefährdeten am größten, in Steglitz-Zehlendorf am geringsten.

Armut bedeutet auch wenig Raum zum Leben

Der Anteil der Berliner, der als reich oder relativ wohlhabend gilt, beläuft sich auf 8,9 Prozent. Er ist seit 2003 weitgehend stabil geblieben. In Berlin gelten Personen, denen ein Pro-Kopf-Einkommen ab 2 659 Euro netto monatlich zur Verfügung steht, als reich oder relativ wohlhabend. Das ist das Doppelte des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens im Jahr 2012. Zum Vergleich: Bundesweit gelten 8,1 Prozent der Menschen als reich oder relativ wohlhabend.

Wer von Armut gefährdet ist, der lebt oft auch in beengten Wohnverhältnissen. In Berlin müssen sich 11,3 Prozent der Bürger mit weniger als der Hälfte der durchschnittlichen Pro-Kopf-Wohnfläche begnügen. Besonders betroffen sind Familien mit zwei Erwachsenen und Kindern. Die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf beträgt bei der von Armut gefährdeten Bevölkerung 35,7 Quadratmeter – sie liegt damit um zirka sechs Quadratmeter unter dem Schnitt der Gesamtbevölkerung von 41,6 Quadratmeter.

Immerhin zeigen sich ein paar positive Trends, die das Armutsrisiko vermindern helfen: So steigt die Zahl der Erwerbstätigen, außerdem zeichnet sich ein Trend zu höheren Bildungsabschlüssen ab.