Berlin erlebt in diesem Jahr wie Deutschland insgesamt einen Ansturm von Flüchtlingen und braucht dringend mehr Wohnplätze. Allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres kamen 7500 Flüchtlinge und Asylbewerber nach Berlin, von denen das Land 1900 dauerhaft unterbringen muss. „Wenn der Zuzug so anhalten wird, benötigen wir in diesem Jahr weitere 1000 Plätze in Berlin“, sagte Sozialsenator Mario Czaja (CDU) der Nachrichtenagentur dpa.

„Zudem sind derzeit 1800 Flüchtlinge in Notunterkünften untergebracht, die in Ausstattung und Betreuung nicht dem höheren Standard einer Gemeinschaftsunterkunft genügen. Unser Ziel ist es, diese 1800 Plätze ebenfalls in Gemeinschaftsunterkünfte umzuwandeln“, sagte Czaja. Der Senator zeigte sich zuversichtlich, den nötigen Wohnraum zu finden, da sich die Zusammenarbeit mit den Bezirken verbessert habe.

6200 Flüchtlinge in Berlin

Zuständig für die Unterbringung ist das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo). Nach Angaben von dessen Präsident Franz Allert leben derzeit 6200 Flüchtlinge und Asylbewerber in 30 Einrichtungen in Berlin: In zwei Erstaufnahmen - dort müssen die Flüchtlinge mindestens die ersten 6 Wochen bis zu 3 Monaten verbringen, in 11 Notunterkünften und 17 Gemeinschaftseinrichtungen. Darüber hinaus beziehen rund 7000 weitere Menschen Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz, die bereits in Wohnungen leben.

Czaja wies auf die enormen Herausforderungen hin. „Der Zuzug der Flüchtlinge ist kein planbarer Prozess.“ Selbst das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge könne dies nicht genau prognostizieren. „Andere Bundesländer mussten in Betrieb befindliche Schulen und Turnhallen requirieren, um des Flüchtlingsstroms Herr zu werden. Das hat es in Berlin nicht gegeben“, betonte der Sozialsenator. Die Arbeit des LAGeSO kann sich deutschlandweit sehen lassen.“

Dennoch komme seine Verwaltung mit der Unterbringung durch die schnell ansteigenden Flüchtlingszahlen kaum noch hinterher. Auch bereits bestehende Verträge von Unterkünften seien zeitlich begrenzt und liefen irgendwann aus. „Deshalb müssen wir ständig neu planen.“ Zudem haben nach den Worten Czajas viele Bezirke ihre Infrastruktur dafür schrittweise abgebaut, nachdem die Zahl der Flüchtlinge Ende der 1990er Jahre deutlich zurückgegangen sei.

Neue Flüchtlingsunterkunft in Neukölln

Mit Blick auf die derzeit noch sehr unterschiedliche Verteilung der Flüchtlinge auf die 12 Bezirke zeigte der Senator Verständnis für deren Probleme. „Nicht alle finden von heute auf morgen entsprechende Grundstücke und geeignete Immobilien.“ Nach einem Anfang des Jahres gemeinsamen beschlossenen Konzept „hat sich die Zusammenarbeit spürbar verbessert“, sagte Czaja.

Der Senator kündigte eine neue Unterkunft in Neukölln an, das mit derzeit 29 Plätzen ganz hinten liegt. „Dort wird auf dem Gelände eines Berliner Möbelhändlers eine Gemeinschaftsunterkunft errichtet. Die Unterkunft soll von einem privaten Träger für zwei Jahre betrieben werden und ab voraussichtlich Anfang 2014 Platz für 300 Flüchtlinge bieten.“ Auch Steglitz-Zehlendorf habe signalisiert, dass eine Immobilie zur Verfügung gestellt werden könne. Mit Reinickendorf habe sich sein Haus auf die zwei Standorte Oranienburger Straße (500 Plätze) und Marie-Schlei-Haus (200 Plätze) verständigt. (Gespräch: Kirsten Baukhage, dpa)