Berlin - Polizei und Staatsanwaltschaft haben jetzt die Ermittlungen in einem der mysteriösesten Todesfälle in den vergangenen 50 Jahren vorerst eingestellt. Der Mord an der Psychologin Kirsten S. aus Spandau bleibt ungelöst. Die Ermittlungen im Familien- und Bekanntenkreis der Frau sind abgeschlossen. Das heiße jedoch nicht, dass die Akten geschlossen worden sind. Bei jedem neuen Hinweis würden die Ermittlungen wieder aufgenommen, sagt ein Polizeisprecher. Insgesamt waren 874 Hinweise bei der Polizei eingegangen. Jedem einzelnen sei nachgegangen worden. Alle Wohnhäuser rund um den Spandauer Forst und den Wohnort der Frau wurden überprüft und mehrere tausend Leute befragt. Die Aufklärung dieses Verbrechens sei deshalb so schwer, weil es so gut wie keine Spuren vom Täter gebe, sagen Fahnder.

Keine Feinde

Vor mehr als zwei Jahren wurde im Spandauer Forst die damals 39-jährige Kirsten S. beim Joggen getötet. Kirsten S. wohnte zusammen mit ihrem Ehemann in Spandau, unweit vom Wald entfernt. Die Frau arbeitete als Psychologin und kümmerte sich um Krebskranke im Tumorzentrum Berlin. Dass sie bei den Kollegen und Patienten sowie deren Angehörigen beliebt war und offenbar keine Feinde hatte, erschwere die Ermittlungen, sagen Fahnder. In den meisten Mordfällen gebe es eine Beziehung zwischen Täter und Opfer, die eskaliert. Es sieht danach aus, dass der Mord zufällig begangen worden ist.

Kirsten S. war am 20. Juni 2009 zusammen mit ihrem Ehemann in den Spandauer Forst gefahren. Das Paar wollte joggen. Während ihr Mann bereits losrannte, wärmte sich Kirsten S. auf. Dabei kam ihr ein Mann in einem weißen Trainingsanzug auf einem auffällig roten Fahrrad entgegen. Er stieg ab, zog ein Messer und stach mehrmals auf die Frau ein. Dann flüchtete er auf dem Rad. Bei seiner Flucht wurde er von einer Überwachungskamera auf dem Klinikgelände des evangelischen Johannisstifts gefilmt. Trotz des auffälligen Rades konnte sich niemand an den Mann erinnern.

Folgen eines Sturzes

Eingestellt wurde auch der mysteriöse Todesfall Ronny G. "Es gibt keinen Hinweis auf Fremdverschulden", sagte Justizsprecher Martin Steltner auf Anfrage. Die Ermittler sind davon überzeugt, dass sich der damals 23 Jahre alte Mann aus Hellersdorf selbst umbrachte und seinen Tod inszenierte.

Ronny G. kam am 9. Februar 2010 zu Tode. Die Obduktion ergab, dass er an den Folgen eines Sturzes starb. Zunächst war die Polizei davon ausgegangen, dass er aus einem Fenster seiner in der 6. Etage gelegenen Wohnung in der Erich-Kästner-Straße gestoßen wurde. Ronny G. hatte zuvor mit seinem Handy einen Einbruch in seiner Wohnung angezeigt. Eine Streife fuhr zur Wohnung, entdeckte den 23-Jährigen aber tot vor dem Haus. Während ihrer Ermittlungen kamen Fahnder zu dem Ergebnis, dass Ronny G. nicht aus dem Fenster gestoßen wurde, sondern selbst gesprungen ist und den Einbruch vortäuschte. Es gebe Hinweise , dass er vor seiner Familie und vor Freunden nicht als Verlierer dastehen wollte, hieß es. Details teilten die Sicherheitsbehörden aber nicht mit. Ronny G., soll unter Depressionen gelitten haben, sagten Bekannte.