Herr Stein, Herr Kopplin, Ihr Studio befindet sich weit ab vom Zentrum in Tegel. Warum gerade da?

Stein: Wir teilen uns das Studio mit Adel Tawil, einem langjährigen Freund. Ursprünglich sind wir drei alle Spandauer, und vor über zehn Jahren hat sich dieser Ort herauskristallisiert. Er ist einerseits nah bei der Stadtautobahn und am Flughafen, andererseits hat man hier seine Ruhe.

Musikalisch sind Sie auch eher Einzelgänger: Die Mischung aus HipHop, Rock, Pop und Electro lässt sich schwer einer bestimmten Szene zuordnen.

Stein: Mir fallen tatsächlich nicht so viele Bands ein, die man mit SDP vergleichen kann. Das liegt daran, dass wir wie vier verschiedene Bands in einer klingen. Wir sind sehr offen, was die Musikstile angeht, und haben auch schon mit vielen verschiedenen Künstlern zusammengearbeitet.

Kopplin: Wir probieren auch immer wieder Neues, schreiben Balladen, machen andere Sachen mit unseren Stimmen...

...und Sie sind gitarrespielende Rapper. Diese Kombination ist selten.

Kopplin: Alligatoah zum Beispiel spielt auch Gitarre auf der Bühne. Ich denke, es gibt inzwischen viele Rapper, die sich für andere Musikrichtungen öffnen, aber nur wenige, die wie wir aus der Pop-Richtung kommen, und HipHop-Elemente einbauen. Wir selbst sehen uns nicht als Rapper.

Stattdessen liest man oft die Bezeichnung „Allround-Musiker“. Was meinen Sie dazu?

Stein: Mein Vater hat viel in verschiedenen Bands gespielt, weshalb bei uns zu Hause oft Gitarren rumstanden. Ich habe da immer drauf rumgespielt, bis mein Vater irgendwann meinte: „Du gehst mir so auf die Nerven mit dem Rumgeklimper, entweder du nimmst ab morgen Gitarrenunterricht oder du hörst damit auf.“

Kopplin: Ich habe jahrelang bei einem jazz-verfrickelten Typen gelernt, der um die Ecke gewohnt hat, anschließend bin ich dann immer zu Vincent, der mir im Kinderzimmer neue Sachen beigebracht hat. Außerdem hat meine Mutter mich immer mit guter Musik versorgt. Und ich habe irgendwann die Ärzte für mich entdeckt.

Stein: Wir waren beide extrem fanatische Ärzte-Fans.

Die Ironie in vielen Texten von SDP, kommt die also von den Ärzten?

Kopplin: Es gibt schon gewisse Parallelen. Für die Ärzte hieß Punk damals, dass sie machen können, was sie wollen, also nicht nur Punkrock, sondern auch einen Song wie „Rock’n’Roll-Übermensch“. Die Stilvielfalt auf den Ärzte-Alben, die ist bei uns ähnlich.

Stein: Bei uns sagen viele, die mal zwei Lieder gehört haben, wir wären eine Klamauk-Truppe. Da schreite ich stark ein, ich vergleiche das lieber mit einer Folge von den Simpsons: Die kannst du als Kind einfach nur lustig finden, du kannst aber auch oft eine sehr starke Message dahinter entdecken.

Ihr Song „Deine Freundin“ ist jedoch in der Tat sehr klamaukig.

Kopplin: Das ist unsere Hymne der Schuhmacher-Zunft...

…mit der Refrainzeile „Deine Freundin, die kann Blasen – an den Füßen nicht ertragen.“

Stein: Das war ein Gag, der uns eingefallen ist, als wir einen ganz anderen Song schreiben wollten. Als wir die Idee hatten, haben wir den Song in 20 Minuten fertiggeschrieben.

Dieses Wortspiel war Ihnen nicht zu plump?

Stein: Der Song ist total plump, aber ich muss trotzdem lachen, wenn ich ihn höre. Die Plumpheit haben wir auch versucht zu unterstreichen, indem wir einen Schlager-Song daraus gemacht haben.

Kopplin: Extrem plumpe Menschen können Songs von uns feiern, von mir aus auch besoffen am Ballermann. Das ist mir egal, dadurch reduziere ich mich ja nicht. Da finde ich es viel schlimmer, wenn irgendein Popmusiker ein tiefsinniges Lied singt, weil ihm das von der Produktion genau so vorgesetzt wird. Das ist dann oberflächlich – und nicht ein Song, den wir einfach nur machen, weil wir Bock drauf haben.

Herr Stein, Sie sind seit vielen Jahren als Musikproduzent erfolgreich. In welchem Verhältnis steht diese Arbeit zu Ihrer Frontmann-Rolle bei SDP?

Stein: SDP war schon immer mein Ventil, auch früher zu Schulzeiten, als ich gekellnert habe oder am Wochenende im Krankenhaus gearbeitet habe. Als Musikproduzent machst du auch viel, was nichts mit kreativer Arbeit zu tun hat, das ist viel Handwerk und Dienstleistung. Ich weiß technisch und musikalisch sehr viel, aber SDP ist für mich die Spielwiese.

Kopplin: Vincent ist da wie ein Architekt: Er weiß, wie man die Statik berechnet, und trotzdem bauen wir damit bei SDP ein ganz verrücktes Haus.

Stein: Ja, man ist froh, endlich ein Baumhaus zu bauen, weil sonst nie jemand ein Baumhaus in Auftrag gibt. Warum wohnen nicht viel mehr Leute in Baumhäusern? Ist doch viel geiler!

Das Gespräch führte Jakob Buhre.

SDP, 14. 11. Columbiahalle, Columbiadamm 1–3, Einlass: 18.30 Uhr, 36 Euro.