Vom Gurkenfeld frisch geerntete Einlegegurken auf einem Anhänger bei Kasel-Golzig (Spreewald). 
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BerlinDie Brandenburger Landwirte werden in diesem Jahr vom Pech verfolgt. Nachdem die Corona-Krise bereits die Spargelernte überschattet hatte, bereitet der kühle Sommer nun Probleme bei der Gurkenernte im Spreewald. Die Bauern rechnen damit, dass Spreewaldgurken in den Supermärkten rar werden könnten - und entsprechend teurer.

Das Erntejahr verlaufe schwierig, sagt Melanie Kossatz, Geschäftsführerin des Spreewaldvereins. Das Wetter sei zu unbeständig, die Nächte fielen teilweise zu kalt aus. Die Spreewaldgurke brauche mindestens 15 Grad. Im Juni seien die Temperaturen aber bis auf fünf Grad heruntergegangen. Das sei dem empfindlichen Gemüse zu wenig, so Kossatz. Erschwerend hinzu komme, dass die Gurken in diesem Jahr besonders anfällig für Pilzerkrankungen seien.

Nur die Hälfte des Gurken-Ertrags

Bisher konnte nach Angaben des Spreewaldvereins nur die Hälfte des Ertrags vom vergangenen Jahr geerntet werden. Geschäftsführerin Kossatz rechnet mit Einbußen bei den Anbaubetrieben und Konservenfabriken. Die Landwirte würden nun auf besseres Wetter in den kommenden Wochen hoffen, um das Defizit so klein wie möglich zu halten. Erwartet wird nach Angaben des Vereins ein Ertrag von 30.000 Tonnen Einlege- und Schälgurken.

Auch die Corona-Krise erschwert die Bedingungen für die Ernte. Die Hygieneanforderungen verursachen bei Bauern und Verarbeitern zusätzliche Kosten. Hinzu komme, dass Konserven während des Lockdowns extrem nachgefragt waren, so Kossatz. Die Regale seien leer gewesen. Angesichts der nun geringer ausfallenden Gurkenerträge würden in den Betrieben nicht alle Verarbeitungslinien laufen. Mögliche Folge: Gurken-Knappheit im Supermarkt.

Insgesamt neun Betriebe in Südbrandenburg bauen Spreewaldgurken auf einer Gesamtfläche von 500 Hektar an. 85 Prozent sind Einlegegurken, 15 Prozent Schälgurken. Ein Dutzend sogenannte Einlegereien - zumeist Familien-Unternehmen - und Konservenbetriebe verarbeiten das Gemüse. Verkauft wird es weit über die Region hinaus.

„Verrückte Zeit“ für Spargelbauern

Während die Brandenburger Gurkenbauern mit Sorge auf die kommenden Wochen blicken, haben die Beelitzer Spargelbauern das Schlimmste bereits hinter sich. „Es war schon eine verrückte Zeit: Wegen der Corona-Krise konnten die dringend benötigten Erntehelfer auf dem Landweg nicht zu ihren Betrieben fahren“, so Jürgen Jakobs, Vorsitzender des Beelitzer Spargelvereins. Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, hatten mehrere Staaten ihre Grenzen geschlossen oder Quarantäne-Regelungen verhängt. Unter strengen Auflagen durften dann später bundesweit 80.000 ausländische Saisonkräfte auf dem Luftweg nach Deutschland kommen.

Die Kosten der Anreise hätten die Landwirte selbst tragen müssen, sagt Jakobs. Neben dem Geld für Flugtickets seien aufgrund der strengen Abstands- und Hygieneregeln höhere Kosten für die Unterbringung entstanden. „Pro Saisonkraft musste mit einem Mehraufwand von etwa 500 bis 800 Euro gerechnet werden“, so Jakobs. Von den 2000 erwarteten Erntehelfern seien nur 1200 bis 1500 in die Spargelregion Beelitz gekommen. Es hätten aber auch Deutsche, die wegen der Corona-Krise arbeitslos geworden waren, auf den Feldern ausgeholfen.

2000 Tonnen weniger geerntet

Die Widrigkeiten wirkten sich nach Angaben von Jakobs auch auf das Ernteergebnis aus. Trotz guter Qualität seien bis Mitte Juni statt 12.000 Tonnen nur 10.000 Tonnen Beelitzer Spargel geerntet worden. Der Rückgang habe auch an der geringeren Nachfrage gelegen: Viele Restaurants blieben geschlossen und wichtige Abnehmer fehlten.

Die Bauern hätten versucht, mit neuen Ideen wie „Spargel to go“ und „Spargel Drive-in“ den Absatz anzukurbeln. Frisch gestochener Spargel oder bereits fertig gekochte Gerichte wurden direkt verkauft - unter Wahrung der Abstandsregeln. Damit habe man, so Jakobs, jedoch nur zehn bis 20 Prozent der Einbußen wettgemacht.