Sparkasse in Berlin-Mariendorf: Schließfach-Räuber sprengen Bank in die Luft

Bislang sprengten Gelddiebe stets Automaten auf und gaben sich mit den erbeuteten Scheinen zufrieden. Am Sonntagmorgen wurde erstmals eine ganze Bankfiliale in die Luft gejagt. Zuvor hatten die Täter mehr als 100 Schließfächer ausgeräumt. Dieses Vorgehen sei schon etwas Besonderes, sagten Ermittler aus dem Landeskriminalamt.

Die Täter hatten sich eine Filiale der Sparkasse am Mariendorfer Damm in Mariendorf ausgesucht. Anwohner berichteten von einem fürchterlichen Knall am frühen Morgen um 6.50 Uhr. Es seien Fenster aus ihren Verankerungen gerissen worden, Scheiben splitterten. Die Decke der Filiale stürzte teilweise ein. Das Mobiliar sei auch Schrott, hieß es.

Höhe der Beute noch unklar

Die Täter hatten es auf die Schließfächer in der Bank abgesehen. Die Polizei schließt derzeit nicht aus, dass mit der Explosion Einbruchsspuren verwischt werden sollten. Wie und wo genau in der Filale es zur Explosion kam, sagten die Ermittler am Sonntag nicht. Fest steht, dass mehr als 100 Schließfächer aufgerissen waren. Offenbar seien sie mit Brecheisen aufgehebelt worden, sagten Polizisten. Über den Schaden gibt es noch keine Aussage. Man wisse nicht, was die Leute in ihren gemieteten Fächern aufbewahrten, hieß es bei der Sparkasse. Demzufolge könne man sich auch nicht über den Wert äußern.

Der Überfall muss blitzartig gewesen sein. Anwohner berichteten, dass drei Männer kurz nach den Knall in ein Auto eingestiegen seien, das mit hoher Geschwindigkeit davonfuhr. Dies spreche für die Version, nach der die Täter ihre Spuren verwischen oder gar vernichten wollten, sagten Ermittler. Gerüchten zufolge sollen die Räuber in einem schwarzen Audi geflüchtet sein. Andere Zeuge wollen einen graues Auto der Marke Nissan gesehen haben. Bei vorangegangenen Taten, bei denen Automaten aufgesprengt wurden, flüchteten die Täter immer in schwarzen Autos.

Nach ersten Erkenntnissen der Polizei waren die Täter über einen Notausgang in das Innere der Bank gelangt. Das muss nicht besonders schwer gewesen sein, sagten Fahnder vor Ort – obwohl solche Türen zumeist nur von innen geöffnet werden könnten. Ob es an dem Eingang Sicherheitsmängel gab oder das Schloss manipuliert wurde, ist noch unklar.

Die Täter liefen offenbar sofort in den Keller, überwanden die Sicherheitstechnik und brachen die Schließfächer auf. Anschließend ließen sie den Raum explodieren und flüchteten. Ob sie dabei Propangas nutzten oder Sprengstoff, wurde bis zum Abend nicht bekannt. Bis zum Sonntagabend waren die Kriminaltechniker vor Ort, um nach Spuren zu suchen. Dabei kamen auch Spürhunde zum Einsatz. Mit deren Hilfe können Ermittler feststellen, ob eine Explosion an verschiedenen Stellen verursacht wurde. Den ganzen Tag über wurden Anwohner befragt. Die meisten hätten noch geschlafen, als es knallte, sagten Fahnder. Das erschwere die Ermittlungen.

Die Filiale liegt im Erdgeschoss eines fünfgeschossigen Mehrfamilienhauses. Bei der Explosion wurde niemand verletzt, ein Feuer wurde schnell gelöscht. „Wir mussten unsere Wohnungen verlassen“, berichtete eine Mieterin. Statiker hätten dies sicherheitshalber empfohlen. Sie habe sich schnell ihren Ausweis und ein wenig Geld eingesteckt und sei auf die Straße gegangen. „Am Vormittag durfte ich wieder zurück“, so die Bewohnerin.

Polizisten prüfen jetzt, ob es sich bei den Tätern vom Sonntag um dieselben handeln könnte, die unlängst in Berlin zwei Geldtransporter überfallen haben. Am 20. September waren Geldtransporteure der Firma Prosecur vor dem Apple Store auf dem Kurfürstendamm von drei Geldräubern überfallen und ausgeraubt worden. Mittlerweile sind 30 000 Euro Belohnung für Hinweise auf die Täter ausgesetzt worden. Neun Tage später überfielen drei schwer bewaffnete Räuber in der Hannah-Karminski-Straße in Charlottenburg erneut einen Geldtransporter. In beiden Fällen gibt es bislang kaum Hinweise zu den Tätern. Sie waren in gestohlenen Autos entkommen und hatten die Wagen kurz nach der Tat angezündet, ebenfalls um Spuren zu verwischen.

Kaum Parallelen

Auch Parallelen zu Tätern, die Automaten aufsprengen, gebe es kaum. Die Taten ähneln sich lediglich, weil üblicherweise Gas für die Explosion entzündet wurde. Die Polizei schließt ebenfalls einen Zusammenhang zu den Tunnelgangstern aus, die im Januar vorigen Jahres an der Schloßstraße in Steglitz aus Schließfächern einer Volksbank-Filiale Schmuck und Geld im Wert von zehn Millionen Euro erbeuteten.

Die Männer hatten damals von einer benachbarten Tiefgarage aus einen 45 Meter langen Tunnel in den Tresorraum der Bank gegraben und dort knapp 300 Schließfächer ausgeräumt. Auch diese Täter entzündeten vor ihrer Flucht ein Feuer, um Spuren zu verwischen. Der Schaden betrug damals rund zehn Millionen Euro. Trotz der mehr als 500 Hinweise ist aber bis heute keine heiße Spur dabei.