Berlin - Die Sozialarbeiter in den Jugendämtern seien wegen bereits beschlossener Sparmaßnahmen in einigen Bezirken kaum mehr arbeitsfähig. Immer wieder müssten Überlastungsanzeigen gestellt werden. Das schreiben die Vorsitzenden der Jugendhilfeausschüsse aus zehn Bezirken in einem Brandbrief an alle Mitglieder des Abgeordnetenhauses. Konkret geht es um die Mitarbeiter in den regionalen sozialpädagogischen Diensten. Sie sind gefragt, um verwahrloste Kinder zu schützen oder überforderten Eltern zu helfen. Die Leistungen für die Jugendarbeit sei in diesem Jahr erneut um 4,25 Millionen Euro gekürzt worden, dabei habe der rot-schwarze Senat eigentlich versprochen, elf Millionen Euro zusätzlich für Jugendarbeit in den Haushalt einzustellen, heißt es in dem Brief. Nun fordern die Vorsitzenden der Jugendhilfeausschüsse das Abgeordnetenhaus dazu auf, den weiteren Abbau der Kinder- und Jugendarbeit zu stoppen.

Es geht um Kinderschutz-Fälle

Marijke Höppner, Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses in Tempelhof-Schöneberg, nennt verschiedene Beispiele. So seien in Marzahn-Hellersdorf bereits im vergangenen Jahr die Sozialarbeiter aus Jugendfreizeiteinrichtungen abgezogen worden, weil sie im Jugendamt gebraucht wurden. In Tempelhof-Schöneberg würden Sozialarbeiter bis zu 100 Familien betreuen, obwohl sie nur 25 Kinderschutzfälle und 35 Erziehungshilfen-Fälle betreuen sollten. Dort sei man nach mehreren Sparrunden bereits 20 Stellen unterhalb des einmal für Berlin entworfenen Modelljugendamtes angekommen.

Allein Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln haben den Brandbrief nicht unterschrieben. Dort sieht man noch Klärungsbedarf. Aus Mitte wurde unterdessen bekannt, dass dort fünf Stellen aufgrund bürokratischer Schwierigkeiten im Bezirksamt nicht umgehend besetzt werden konnten. Bereits vor einem Jahr gab es einen ähnlichen Brandbrief.