Spatenstich: Die Mauerpark-Show

Berlin - Den Auftakt für die Erweiterung des Mauerparks hätten sich die Anwohner in Wedding und Prenzlauer Berg wohl spektakulärer gewünscht. Bagger rücken an, reißen Zäune nieder, beseitigen Barrieren, die auch 23 Jahre nach dem Mauerfall Ost und West noch voneinander trennen.

Der Termin von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) am heutigen Mittwoch hat deshalb eher Showcharakter: Der Senator enthüllt an der Lortzingstraße in Wedding nur ein Bauschild. Niemand denkt ernsthaft daran, dass in den kommenden Wochen der Mauerpark wie geplant um fünf Hektar vergrößert wird und dann insgesamt 13 Hektar umfasst.

Investitionen von mehr als 3.5 Millionen Euro

Der symbolische Bauschild-Akt hat dennoch einen ernsten Hintergrund. Das Land Berlin vermeidet mit dem „Baustart“ eine Rückzahlung von Fördermitteln in Höhe von 2,25 Millionen Euro an die Allianz Umweltstiftung. Die hatte Anfang der 90er-Jahre den Mauerpark finanziert mit der Maßgabe, dass die Grünanlage bis 2010 mindestens zehn Hektar groß werden muss. Realisiert wurden aber nur acht Hektar auf dem einstigen Todesstreifen in Prenzlauer Berg. Die Umweltstiftung hatte mehrfach die Frist verlängert und gibt sich nun mit dem Baustart zufrieden.

Dafür hat das Land einen hohen Preis gezahlt. Denn die Flächen für die Parkerweiterung gehören dem Unternehmen CA Immo. Mit diesem haben Senat und Bezirk Mitte einen Deal ausgehandelt: CA Immo überlässt dem Land unentgeltlich die Flächen südlich des Gleimtunnels. CA Immo erhält dafür Baurecht für 600 Wohnungen nördlich des Tunnels. Zudem verpflichtet sich das Land, 3,82 Millionen Euro „betriebswirtschaftliche Verluste“ der CA Immo auszugleichen.

Für die Gestaltung des neuen Parks stellt der Senat 3,57 Millionen Euro zur Verfügung. Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) hofft darauf, dass nun auch mehr Anwohnerinitiativen aus dem Wedding daran mitwirken, die Brachflächen zu einem Park zu machen.

„Die Bürgerwerkstatt bekommt jetzt wieder frischen Wind. Uns ist wichtig, dass nach zwanzig Jahren Streit die Fertigstellung des Mauerparks beginnt“, sagt Alexander Puell von der Initiative Freunde des Mauerparks. Zunächst soll von der Lortzingstraße aus ein Zugang zum Park angelegt werden, der neue Weg mündet auf einem Platz. Den sehen Anwohner kritisch, sie befürchten, er könnte zu einer zweiten Karaoke-Bühne werden. Laut Puell könnte ein Platanenhain die frühere Grenze symbolisieren, auch ein familiär ausgerichteter Parkteil solle entstehen. Zudem streben die Anwohner, denen die Wohnbebauung im Norden zu massiv ist, ein Gespräch mit dem Investor an. Puell: „Der Mauerpark wird ein hartes Stück Arbeit.“