Spazieren zu den „Orten der Einheit“: Neuer Audio-Walk führt durch Berlin

Die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland stellt zum Tag der Deutschen Einheit ein neues digitales Angebot vor. Wir haben es ausprobiert.

Ausnahmsweise Rikscha statt Spaziergang: Start des Projekts „Orte der Einheit“.
Ausnahmsweise Rikscha statt Spaziergang: Start des Projekts „Orte der Einheit“.Stiftung Haus der Geschichte/Christoph Petras

Berlin ist ein besonderer Schauplatz der deutschen Teilung. Und ihrer Wiedervereinigung, die sich am Montag (3. Oktober) zum 32. Mal jährt. Allerdings liegen viele der historisch relevanten Orte im Verborgenen oder sie sind überhaupt nicht mehr erhalten. Die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland will verhindern, dass diese in Vergessenheit geraten.

Wer das historische Berlin mittels eines interaktiven Audio-Walks erkunden möchte, dem steht jetzt „Orte der Einheit“ zur Verfügung: Das digitale Angebot bietet nicht nur Touristen die Möglichkeit, das historische Berlin ganz neu zu entdecken. Auch Berliner will die Stiftung mit ihrem Angebot ansprechen. Der Launch des Projekts vor wenigen Tagen wurde nach einer Rikscha-Tour entlang der „Orte der Einheit“ im Tränenpalast gefeiert.

Die neue interaktive Webseite der Stiftung bietet die Möglichkeit, digital durch die Geschichte der deutschen Wiedervereinigung zu reisen. Mithilfe einer Stadtkarte, die an Apps wie Google Maps erinnert, können Nutzer 30 Orte in Berlin zu Fuß besuchen und sie vorab zu einem Spaziergang zu verbinden. Darunter ist beispielsweise der ehemalige Grenzübergang an der Bernauer Straße oder der Checkpoint Charlie. 

30 „Orte der Einheit“ führen mit einem digitalen Audio-Walk durch die Stadt.
30 „Orte der Einheit“ führen mit einem digitalen Audio-Walk durch die Stadt.Stephan Klonk

Die Orte sind in drei Kategorien sortiert: „Orte der Revolution“, „Orte der Transformation“ und eben „Orte der Einheit“. Wird ein Ort angeklickt, öffnet sich eine entsprechende Informationsseite. Die Tour durch Berlin wird außerdem von einer passenden Audiountermalung gestützt. Hier sind sowohl allgemeine zeitgeschichtliche Informationen zu hören als auch Geschichten von Zeitzeugen, die mit dem jeweiligen Ort ein besonderes Ereignis in ihrem Leben verbinden. 

Die Idee des interaktiven Projekts entstand vor allem durch die zwischenzeitliche pandemiebedingte Schließung der Museen. „Da unser Museum in der Kulturbrauerei nicht normal öffnen durfte, mussten wir kreativ werden“, so Charlotte Janus, Online-Redakteurin der Stiftung. Die Planungs- und Konzeptionsphase habe gut eineinhalb Jahre in Anspruch genommen. Finanziell werde das Projekt durch das Hilfspaket „Neustart Kultur“ der Bundesregierung getragen.  

Mit Rikschas durch das historische Berlin

Statt eines auditiv untermalten Spaziergangs bot die Stiftung Haus der Geschichte zum Launch des Projekts eine Rikscha-Fahrt für Journalisten rund um die „Orte der Einheit“ an. Um 18 Uhr startete die Tour mit vorheriger Begrüßung vor dem Museum in der Kulturbrauerei. Rund zehn Rikschas, mit denen es zu den historischen Orten ging, standen im Innenhof beisammen – in Decken eingepackt ging es dann durch Berlin.

Der erste Halt war die Umwelt-Bibliothek an der Zionskirche zwischen Mitte und Prenzlauer Berg, die früher Regimegegnern einen Ort des Austauschs geboten hat. Hier sammelte und verbreitete eine kleine Oppositionsgruppe Informationen über Missstände und Unterdrückung in der DDR. Über die interaktive Stadtkarte hört man zu diesem Ort unter anderem den Zeitzeugen Christian Halbrock sprechen, der die Umwelt-Bibliothek mit der Unterstützung eines Pfarrers der Zionskirche gründete.

Mit Rikschas zur Zionskirche: Hier trafen sich DDR-Regimekritiker.
Mit Rikschas zur Zionskirche: Hier trafen sich DDR-Regimekritiker.Stiftung Haus der Geschichte

Danach folgten die Stationen Mauerpark, Bornholmer Straße und die Ständige Vertretung, bis es schließlich zum Launch-Event in den Tränenpalast an der Friedrichstraße ging. Auch der Tränenpalast selbst ist ein überaus geschichtsträchtiger Ort: Hier befand sich die Ausreisehalle der Grenzübergangsstelle Friedrichstraße, der heutige Name „Tränenpalast“ soll daran erinnern.

Bei der Launch-Veranstaltung hingegen wurde im Tränenpalast, der heute ein Museum der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland beherbergt, nicht geweint. Stattdessen wurde nach Reden des Kuratoriumsvorsitzenden, Dr. Andreas Görgen, und des Präsidenten der Stiftung der Bundesrepublik, Prof. Dr. Harald Biermann, und einem Gespräch mit der Geschichts-TikTokerin Leonie Schöler auf die bedeutenden Orte und die deutsche Wiedervereinigung angestoßen.

Den interaktiven Audio-Walk können Sie jetzt hier beginnen.