Berlin - Ministerin? Kanzlerkandidatin? Regierende Bürgermeisterin? Am Tag nach der Entscheidung der FU, ihre Doktorarbeit zwar zu rügen aber nicht zu verwerfen, liegen allerlei Optionen vor Franziska Giffey. Jetzt, da ihre fast schon beendete politische Karriere doch noch weitergehen kann, wäre die SPD-Politikerin aber klug beraten, sich ihre nächsten und übernächsten Schritte unbedingt ganz genau zu überlegen.

Es könnte der Tag kommen, an dem sich die Politikerin, auf die viele in der SPD ihre Hoffnung setzen, einer Wahl stellen muss. Es wäre erst ihre zweite. Giffey müsste also beweisen, dass sie nicht nur Umfragen gewinnen, sondern für die Partei auch liefern kann – und das in Zeiten des stetigen Niedergangs der einst so stolzen Sozialdemokratie.

Ihre erste und bisher einzige Wahl absolvierte Franziska Giffey zur Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Neukölln im September 2016. Ein Jahr zuvor war Bezirkslegende Heinz Buschkowsky aus Altersgründen als Bürgermeister zurückgetreten, seine politische Ziehtochter Franziska Giffey übernahm mitten in der Legislaturperiode.

Nach der Wahl stand Giffey als Hauptverliererin und Hauptgewinnerin fest. Sie büßte von Buschkowskys unwiederholbaren 42,8 Prozent gewaltige 12,4 Prozentpunkte ein und holte 30,4 Prozent. Das war freilich immer noch berlinweit das zweitbeste SPD-Ergebnis. Giffey blieb Neuköllner Bürgermeisterin.

Anderthalb Jahre später trug ihr die damalige SPD-Chefin Andrea Nahles das Amt der Familienministerin in der ungeliebten Neuauflage der großen Koalition an. Franziska Giffey schlug ein. Eine Wahl war dafür nicht notwendig.