Mehr als 30 Millionen Menschen engagieren sich bundesweit ehrenamtlich für gute Sachen – auch in Berlin. Manche spenden Geld, andere unterstützen Arbeitseinsätze oder organisieren sich in Gruppen oder Initiativen, um etwas für die Gesellschaft zu tun. Viele wollen etwas leisten, aber wissen nicht, wo sie anfangen könnten.

Ein Fall aus Berlins Osten zeigt nun: Engagement kann so simpel sein – manchmal braucht es nur ein paar Weinstöcke, ein witziges Etikett und den Eifer der Facebook-Gemeinde, um etwas ins Rollen zu bringen, das andere glücklich macht.

Niemand weiß das besser als der Jungwinzer mit dem schönen Namen Robert Frischbier: Der 38-Jährige lebt in Karlshorst und pflanzte 2017 im Garten vor seinem Haus zum Spaß mehrere Weinstöcke. Sie wuchsen und wuchsen – und dann kam der Sommer mit seinem durchwachsenen Wetter. „Immer, wenn wir am Wochenende mit meinem Sohn nach draußen gehen wollten, regnete es“, sagt er. „Aber für die Reben war das Wetter gut, sie trugen schwer.“

„Ich wollte damit kein Geld verdienen“

Was aber macht man mit kiloweise Trauben? Natürlich Wein!
Frischbiers Vater Ronald holte seine Ausrüstung für die Herstellung von Wein hervor, die noch von früher im Keller stand. Sie pressten Trauben, setzten den Saft an und ließen alles ein halbes Jahr gären. Ergebnis: 19 Flaschen Weißwein, bernsteinfarben und trocken im Geschmack.
Frischbier gab dem Tropfen den passenden Namen „Karlshorster Drecks-Sommer“. Ein Foto der etikettierten Flaschen veröffentlichte er in einer Facebook-Gruppe für Anwohner aus Karlshorst. Die Begeisterung ließ nicht lange auf sich warten.

„Ich war wahnsinnig überrascht – plötzlich kamen viele Nachrichten von Leuten, die mir eine Flasche abkaufen wollten“, erzählt er. „Aber ich wollte damit kein Geld verdienen.“ Also entschied sich Frischbier, eine Flasche auf Ebay zu versteigern und den Erlös für einen guten Zweck zu spenden. Vorschläge dafür können nun in der Facebook-Gruppe eingereicht werden.

Ehrenamts-Helden von Berlin

„Die Freiwillige Feuerwehr wurde mehrmals genannt. Das ist durch die Mahnwache am Roten Rathaus gerade ein großes Thema“, sagt er. „Ich hoffe, dass noch viele Ideen zusammenkommen und dass ich viele Leute inspiriere, sich ehrenamtlich für eine gute Sache einzusetzen.“
Das ist für den Karlshorster ein wichtiges Thema: Er spendet selbst regelmäßig oder wirkt bei Arbeitseinsätzen in Kindergärten mit. Und was noch wichtiger ist: Mit seiner skurrilen Wein-Aktion zeigt er, wie einfach Engagement sein kann.

Wer den „Dreckssommer“ am Ende genießen darf, wird sich zeigen. Die Versteigerung läuft noch bis zum Abend des 30. April. Die Zahl der Gebote steigt immer weiter und so auch der Preis. Am Mittwochabend lag er bei: 52 Euro.

Und das Schönste: Wer die Flasche köpft und nach dem Genuss angetütert durch die Straßen torkelt, darf sich zu den Ehrenamts-Helden von Berlin zählen.