Das jährliche Dinner ist für das Jüdische Museum an der Kreuzberger Lindenstraße von großer Bedeutung. An diesem Abend, der Prominenz in einer Menge und Qualität versammelt, von der andere Veranstalter in Berlin nur träumen können, kommt viel Geld für die Arbeit des Hauses zusammen. Diesmal war das Dinner nicht nur mit der schon traditionellen Verleihung der Preise für Verständigung und Toleranz verbunden, sondern auch mit der Eröffnung der – freilich noch nicht ganz fertig gestellten – neuen Akademie des Museums im ehemaligen Blumengroßmarkt gegenüber.

Erstmalig konnte Hausherr Michael Blumenthal am Sonnabend den Bundespräsidenten Joachim Gauck begrüßen.

Unter den weiteren Gästen, die den diesjährigen Preisträgern Richard von Weizsäcker und Klaus Mangold die Ehre erwiesen, waren Finanzminister Wolfgang Schäuble, US-Botschafter Philip D. Murphy (der allerdings nicht zum Essen blieb und sich schon nach dem Empfang verabschiedete), Großbritanniens Botschafter Simon McDonald, Ufa-Chef Wolf Bauer, die Schauspieler Iris Berben und Clemens Schick (sie kamen zusammen und er hielt ihre Handtasche, während sie interviewt wurde), Verlegerin Friede Springer und Jan Philipp Reemtsma (Preisträger 2010).

Rekordmonat April: 80.000 Besucher

Alt-Bundespäsident Richard von Weizsäcker wurde für seine 1985 gehaltene Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes geehrt. Museumsdirektor Michael Blumenthal lobte den 92-Jährigen: „Sie verkörpern das Ideal, nachdem wir tagein und tagaus streben.“ Der Geehrte bekannte: „Auch in meinem hohen Alter ist ein Preis immer eine Ehrung, die motiviert.“ Von Weizsäcker seinerseits hob die Leistungen hervor, die die Verleiher vom Jüdischen Museum im Alltag vollbringen.

Industrie-Manager Klaus Mangold, der unter anderem für sein Engagement in der deutsch-franzöischen Aussöhnung ausgezeichnet wurde, zitierte als Replik auf die freundliche Laudatio von David Baron de Rothschild einen Pfarrer, der gerade sehr von seinem Bischof gelobt wurde: „Der Herr möge ihnen vergeben, dass sie so maßlos übertrieben haben. Und er möge mir vergeben, dass ich solches Gefallen daran gefunden habe.“

Der an seinen Besucherzahlen ablesbare Erfolg des Museums – dieser April war mit 80.000 der Rekordmonat in seiner elfjährigen Geschichte – wird häufig mit der außergewöhnlichen Architektur begründet. Und weil das an diesem Abend oft gesagt wurde, hatte Architekt Daniel Libeskind allen Grund, bester Laune durch die ebenfalls von ihm gestalteten Räume der neuen Akademie des Jüdischen Museums zu gehen. So mancher anerkennende Schulterklopfer bestätigte ihm, dass auch sein neuester Entwurf gut ankomme.

Libeskind war nicht nur wegen des Dinners in der Hauptstadt: „Ich bin noch einige Tage für Besprechungen zu einem neuen kommerziellen Bauprojekt an der Chausseestraße hier“, sagte er. Gern, das erwies sich, wurde er auch auf sein Schuhwerk angesprochen. Das war nämlich für den Dresscode „Abendgarderobe“ außergewöhnlich: „Ja, das sind wirklich Cowboystiefel. Die liebe ich und trage sie morgens, mittags und abends.“