Mehrere Hundert Passagiere haben in Berlin nach einer Umleitung stundenlang in ihren Fliegern festgesessen. Die Maschinen waren am Dienstagabend wegen der Entschärfung einer Weltkriegsbombe vom innenstadtnahen Flughafen Tegel nach Schönefeld umgeleitet worden. Dort konnten einige dann aus Platzmangel aber nicht am üblichen Terminal parken. Sie standen stattdessen am noch nicht geöffneten neuen BER-Terminal, neben dem alten Flughafen Schönefeld – und das teilweise stundenlang.

Auch unser Leser Markus Müller, der beruflich nach Berlin reisen musste. Am Dienstagabend um 19.10 Uhr sitzt der Geschäftsmann in seinem startbereiten Flieger nach Berlin. Da kommt die Durchsage des Kapitäns: Wegen einer Bombenentschärfung könne Tegel derzeit nicht angeflogen werden, es handele sich aber nur um eine kurze Verzögerung. Tatsächlich hebt die Maschine eine knappe Stunde später ab – und fliegt direkt ins Chaos.

„Als wir um kurz nach 21 Uhr über Berlin waren, haben wir erfahren: Tegel ist noch immer gesperrt, wir werden nach Schönfeld umgeleitet“, so Markus Müller. Dann geht das  Drama richtig los.  „Nachdem wir eine halbe Stunde gewartet haben und nicht wussten, wie es weitergeht, hat uns der Pilot gegen 23 Uhr gesagt, dass er darauf wartet, nach Tegel weiterfliegen zu dürfen.“

Air-Berlin-Passagiere mussten sich freikaufen

Als bis Mitternacht immer noch nichts passiert und die  Passagiere zunehmend gereizter werden, verteilt die Air-Berlin-Crew Schoko-Herzen und Getränke. Um Müller und seinen Mitreisenden kurz darauf mitzuteilen, man fliege nun doch nicht mehr nach Tegel, müsse nun aber auf eine Gangway und einen Bus warten, der die Passagiere zum Terminal bringen könne. „Das hat dann noch mal   zwei Stunden gedauert“, sagt Markus Müller. Erst um 2.20 Uhr darf er die Maschine endlich verlassen.

In einer ebenfalls umgeleiteten, aus Düsseldorf kommenden  Air-Berlin-Maschine musste die Kopilotin sogar an ihre eigenen Bargeldreserven  gehen, um die Passagiere aus dem Flieger zu bekommen. Laut Air Berlin habe die für die Rollbahnbusse und Gangways zuständige Firma die 100 Euro für das außerplanmäßige Abholen der Passagiere in bar eingefordert.  Vermutlicher Hintergrund: Die mögliche Zahlungsunfähigkeit der insolventen Airline.

Darauf habe die Kopilotin des Jets  mit den Worten „Na toll, das sehe ich bestimmt nie wieder“ ihr Portemonnaie gezückt und Geld hervorgeholt, berichtet der Tagesspiegel. Prompt warfen  weitere Passagiere ebenfalls Geld in die Gemeinschaftskasse, um endlich aus ihrem Flug-Gefängnis aussteigen zu dürfen. Bei der Pilotin soll es sich um die gebürtige Berlinerin Julia P. handeln.

Parken ist nicht ungewöhnlich

Als die Aufregung auf der Rollbahn gegen drei Uhr morgens endlich vorbei war, ging es vor dem Terminal weiter. Hier mussten Hunderte Menschen stundenlang auf ein Taxi warten. Dabei ist der plötzliche Betrieb am BER gar nicht so ungewöhnlich. Am dem unfertigen Airport gebe es reguläre Parkpositionen, die zwar selten genutzt würden, aber über die ohnehin bereits betriebene Landebahn erreichbar seien, sagte Flughafensprecher Daniel Tolksdorf. „Da stehen immer mal Maschinen. Aus einem Fenster sehen Sie den BER, aus dem anderen das Terminal in Schönefeld.“

Anfang Juni 2015, als beim Champions-League-Finale im Berliner Olympiastadion der FC Barcelona gegen Juventus Turin antrat, war das Vorfeld voll mit abgestellten Maschinen. Allerdings galt damals wie heute: Am BER durfte zwar geparkt werden. Doch weil das Terminal noch nicht genutzt werden kann, fand die Abfertigung der Fluggäste an anderen Orten statt: Im mit dem Bus in 20 Minuten erreichbaren Flughafen Schönefeld und in provisorischen Bauten auf der Selchower Seite des BER-Areals.

Auch im alltäglichen Flugbetrieb werden immer wieder mal Flugzeuge von Tegel nach Schönefeld umgeleitet. Seit dem 16. Juli nutzen zudem alle Flugzeuge mit Start und Ziel in Schönefeld die Südbahn des BER – bis zum 28. Oktober wird das so sein. Grund sind Bauarbeiten im Bereich der Nordbahn. Diesen Tausch gab es bereits 2015 für fünf Monate. Landungen am BER gibt es damit schon seit Jahren. Üblicherweise rollen die Maschinen aber zum regulären Schönefelder Terminal.