Sperrung der U2: Schon im September drang Grundwasser in den Tunnel ein

Für die Sanierung des U-Bahnhofs gibt es weiterhin keinen Zeitplan. Die Berliner SPD-Fraktion fordert vom Senat Aufklärung und eine klare Perspektive.

Einer der vielen Eingänge zum U-Bahnhof Alexanderplatz in Mitte. Drei U-Bahn-Linien verlaufen dort – zum Teil dicht unter der Oberfläche. Die U2 verkehrt seit Oktober 2022 nur eingeschränkt.
Einer der vielen Eingänge zum U-Bahnhof Alexanderplatz in Mitte. Drei U-Bahn-Linien verlaufen dort – zum Teil dicht unter der Oberfläche. Die U2 verkehrt seit Oktober 2022 nur eingeschränkt.imago/Florian Gärtner

Für die Unterbrechung der U-Bahn-Linie U2 unter dem Alexanderplatz in Mitte ist kein Ende in Sicht. Weiterhin ist nicht absehbar, wann die wichtige Schienenstrecke wieder in vollem Umfang befahrbar sein wird. Jetzt hat die SPD den Senat aufgefordert, sich energischer als bisher für eine Lösung der Probleme einzusetzen. „Die Senatsverwaltung scheint sich im juristischen Klein-Klein zu verirren, statt klare Zeitvorgaben gegenüber dem Verursacher zu setzen und alle baurechtlichen Maßnahmen durchzusetzen“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Stephan Machulik, am Freitag.

Es ist ein Drama mit Ansage. Wie berichtet geriet der Bahnhof der U2 unter dem Alexanderplatz bereits im vergangenen Sommer in Bewegung. Über Wochen hinweg registrierten Sensoren, dass das Bauwerk absackte. Andere Bereiche wurden dagegen angehoben. Ende September 2022 wurden in der Tunnelsohle Risse festgestellt, durch die Wasser eindrang. Die Quelle der Probleme war da schon identifiziert: die benachbarte Hochhausbaugrube des französischen Immobilienunternehmens Covivio, die nur zwei Meter vom Tunnel der U2 entfernt ist. Die Wand hat sich verformt, Boden lockerte sich.

Viele Pankower meiden die U2

Als die Setzung schließlich 3,5 Zentimeter erreichte, zogen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und die Technische Aufsichtsbehörde (TAB) des Senats die Reißleine. Am 7. Oktober wurde das Gleis nach Pankow gesperrt, auf dem anderen Gleis beschränkt sich der Betrieb seitdem auf einen Pendelverkehr im 15-Minuten-Takt. Seitdem sind viele Tausend Fahrgäste pro Tag länger als bisher unterwegs, viele Pankower meiden die U2.

Covivio sei Verursacher des Tunnelschadens und müsse für die Behebung sorgen, betonte Mobilitätssenatorin Bettina Jarasch (Grüne). Damit die TAB das bisher geplante Sanierungskonzept freigeben könne, müsse das Unternehmen endlich die erforderlichen Unterlagen einreichen.

Doch die Sozialdemokraten sehen auch die Senatsverwaltung in der Pflicht. „Außer spärlichen Informationen bezüglich der baulichen Situation und einer Klärung der Schuldfrage kommt von ihr nicht viel Aufklärendes“, teilte die Fraktion am Freitag mit. „Deshalb fordern wir eine umfassende Darlegung der baulichen Problemstellungen und einen Zeitplan für die Maßnahmen, die zu einem vollständigen Wiederbetrieb des Tunnelabschnitts notwendig sind.“ Auch nach Informationen der SPD wurde bereits im September festgestellt, dass Grundwasser in die Tunnelanlage eindrang.

Die Senatorin dürfe die Bürger nicht länger im Unklaren lassen, sagte Max Landero, SPD-Abgeordneter aus Mitte. Er sprach sich dafür aus, einen Runden Tisch einzurichten. „Ein belastbarer Zeitplan muss auf den Tisch“, forderte er.

Fachleute schätzen die Situation als ernst ein

„Bei einem so erheblichen Schadensfall ist als Erstes die Abwehr von Gefahren für die Menschen zu gewährleisten. Ich hoffe, dass dies in ausreichendem Maße sichergestellt wurde. Als Zweites sollten materielle Folgeschäden abgewehrt werden“, forderte der SPD-Abgeordnete Machulik. „Aber auch die Mobilitätseinschränkungen sollten umgehend beseitigt werden.“ Die U2 müsse wieder wie früher verkehren.

Wie berichtet schätzen Fachleute die Situation als ernst ein – ernster, als offiziell kommuniziert. Ein Experte, mit dem die Berliner Zeitung sprach, schließt nicht aus, dass der betroffene Tunnelabschnitt unter dem Alexanderplatz neu gebaut werden muss. Die Sanierung könnte, anders als bisher eingeschätzt, so schwierig zu beheben sein, dass es keine Alternative dazu gibt. Dies würde allerdings bedeuten, dass die U-Bahn mehr als ein Jahr voll gesperrt werden muss.

„Wenn ein mehr als hundert Jahre alter Tunnel in einem solchen Umfeld erst einmal in Bewegung kommt, können sich die Schäden als weitreichender herausstellen“, hatte der U-Bahn-Kenner der Berliner Zeitung am vergangenen Wochenende gesagt. Auch wenn es noch keine Entscheidung gibt, sei es denkbar, dass „nur ein Neubau die U2 rettet“.

Die Senatsverwaltung lädt zum Runden Tisch ein

Inzwischen teilte die Senatsverwaltung mit, dass sie den Investor Covivio für den 25. Januar zum Gespräch über das ausstehende Sanierungskonzept eingeladen hat. Auch die BVG und das Bezirksamt Mitte werden vertreten sein, sagte Jan Thomsen, Sprecher von Senatorin Jarasch.

Gemeinsames Ziel ist es, schnellstmöglich zu einem sicheren Betrieb der U-Bahn zurückzukehren“, teilte er mit. „Dafür ist zunächst ein genehmigungsfähiges Instandsetzungskonzept nötig, das die komplexen ingenieurtechnischen Herausforderungen komplett adressiert - also sowohl die Sicherung der Baugruben-Stützwand, die an den U2-Tunnel angrenzt, als auch die Hebung der um einige Zentimeter abgesackten Tunnelröhre.“

„Der auf Vorschlag der SPD-Fraktion einberufene Runde Tisch muss Transparenz über die Schäden herstellen und einen belastbaren Zeitplan vorlegen“, kommentierte Max Landero am Sonnabend. „Auch wir haben Fragen und Redebarf mit Frau Jarasch.“