Das Kunsthaus Tacheles in Berlin-Mitte ist seit Donnerstag für Künstler und Besucher gesperrt und soll geräumt werden. Wie die Polizei mitteilte, versiegelte ein Gerichtsvollzieher am Nachmittag Räume in dem alternativen Kulturtreff in der Oranienburger Straße im Auftrag des Zwangsverwalters.

Der Beamte wurde von zahlreichen Polizeibeamten unterstützt. Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes sperrten das Tacheles ab, einzelne Künstler wurden nach Angaben von Augenzeugen herausgetragen, blieben aber auf dem Gelände. Die Räumung steht laut Polizei aber nicht unmittelbar bevor.

Aus Protest gegen die Aktion versammelten sich rund 100 Unterstützer vor dem Gebäude. Die Polizei zog weitere Kräfte an der Oranienburger Straße zusammen, musste aber bislang kaum eingreifen. Vereinzelt flossen Tränen bei Anhängern des Künstlertreffs, mit Buhrufen und Trillerpfeifen zeigten viele ihren Unmut. Es kam auch zu Rangeleien, bei denen eine Frau festgenommen wurde. Vereinzelt flogen auch Eier auf das Sicherheitspersonal.

Nach Angaben eines Polizeisprechers sollte mit dem Einsatz festgestellt werden, wer einen Mietvertrag hat und wer sich in dem Gebäude aufhalten darf. Die Räumung könne erst nach einem weiteren Gerichtsbeschluss erfolgen. Vermutet wurde, dass sich Künstler auch illegal im Tacheles aufhalten.

Der Sprecher der Berliner Zivilgerichte, Ulrich Wimmer, betonte, dass der Einsatz des Sicherheitsdienstes auf eine Entscheidung des Zwangsverwalters zurückgehe. „Wenn jemand der Auffassung ist, dass sei unrechtmäßig, kann er rechtliche Schritte einleiten“, fügte er hinzu. Ein förmlicher Gerichtsbeschluss für eine Räumung liege nicht vor.

In der Anweisung an den Gerichtsvollzieher hieß es, dass die legalen Nutzer der Räume sich Schlüssel abholen könnten. Dieser Versuch scheiterte zunächst aber nach Angaben der Sprecherin der Initiative zum Erhalt des Kunsthauses Tacheles, Lina Cerna. Sie hoffe nicht, dass man „billigend in Kauf nimmt, dass die Emotionen jetzt hochkochen“, fügte sie hinzu. Am Abend erhielt sie dann doch Zugang zu dem Kunsttreff.

Ein anderer Sprecher des Tacheles kritisierte die Aktion als unrechtmäßig. Nach seinen Worten waren noch rund 20 Künstler in dem Gebäude. Er stehe in telefonischem Kontakt zu ihnen, fügte er hinzu. Am Nachmittag ließen diese aus einem der Fenster einen Korb herab, der von Unterstützern mit Nahrungsmitteln gefüllt wurde.

Das Tacheles war nach dem Fall der Mauer von Künstlern besetzt worden und wird seither für Kunstaktionen genutzt. Weil ein früherer Investor in eine Schieflage geraten war, soll die Kaufhausruine zwangsversteigert werden. Anfang April vergangenen Jahres hatten einige Nutzer einen Teil des Gebäudes gegen Zahlung einer beträchtlichen Geldsumme freiwillig geräumt.