Berlin - Die Bauleute haben es geschafft. Sie sind mit der Sanierung der S-Bahn-Strecke, die von Ost nach West durch die Innenstadt führt, pünktlich fertig geworden. „Anfangs waren wir beunruhigt: Wird das klappen?“, sagte Ulrich Burkhardt, Bauingenieur bei der Deutschen Bahn (DB). Schließlich war der Austausch von 32 Kilometer Schienen, 20.000 Dübeln und 2.500 Tonnen schallschluckenden Betonteilen eines seiner größten Projekte. Aber nun stehen zwischen Ostbahnhof und Friedrichstraße nur noch Restarbeiten an. Ab Montag fahren dort wieder S-Bahnen. Allerdings sind die nächsten Baustellen schon in Sicht. So wird der Nord-Süd-Tunnel rund dreieinhalb Monate gesperrt.

Nach der Sanierung ist vor der Sanierung

Diesen Sommer werden viele Pendler in unguter Erinnerung halten. Weil die S-Bahn im Zentrum unterbrochen war, mussten sie sich in ohnehin überfüllte Regionalzüge quetschen. Sechs Wochen dauerten die Arbeiten auf dem Stadtbahn-Viadukt zwischen Ostbahnhof und Zoo, Sie nahmen so viel Zeit in Anspruch, weil so viel zu sanieren war.

Grund war unter anderem die fatale Entscheidung, die alte Strecke in den 1990-er Jahren durch eine „feste Fahrbahn“ zu ersetzen, bei der die Schienen fest mit einer Betonunterlage verbunden sind. Die starre Konstruktion ist in den vielen Kurven hohen Belastungen ausgesetzt.

Nach der Sanierung ist vor der Sanierung. Doch mit der nächsten Generalerneuerung auf der Stadtbahn ist erst in rund 20 Jahren zu rechnen, sagte Ingulf Leuschel, Konzernbevollmächtigter der DB in Berlin. Jetzt stehen erst mal andere Bauprojekte an. So wird die S-Bahn-Strecke nach Potsdam von Montag an für rund zweieinhalb Wochen unterbrochen. „Zwischen Wannsee und Griebnitzsee müssen wir die Gleise komplett erneuern“, hieß es.

Gleich danach wird in Schöneweide gebaut – und für die Fahrgäste der S-Bahn-Linie S 3 beginnt ein Bau-Marathon, der bis 2016 dauern wird. „Diese Strecke ist unser neuer Bauschwerpunkt“, sagte Leuschel. Vom 12. September bis 22. Dezember wird an zwölf Wochenenden gebaut – an den Kabelkanälen, Signalfundamenten, Gleisen und der Sicherungstechnik. Der Abschnitt Köpenick–Friedrichshagen ist vom 24. Oktober bis 3. November sogar durchgehend unterbrochen. Busse fahren als Ersatz. Doch Detlef Speier von der S-Bahn riet: „Wir empfehlen den Regionalverkehr, wo immer das möglich ist.“

Dreieinhalb Monate keine Züge

Die ganz große Zäsur im S-Bahn-Netz kommt erst noch – im nächsten Jahr. Vom 16. Januar bis 4. Mai fahren keine S-Bahnen zwischen Gesundbrunnen und den beiden Stationen an der Yorckstraße, bekräftigte der S-Bahner Jens Hebbe.

Warum wird die Nord-Süd-Trasse, auf der schon 2013 gebaut wurde, erneut unterbrochen – und diesmal so lange? „Weil wir alle weitere Arbeiten, die dort anstehen, zusammenfassen“, erklärte Hebbe. Kabel, Stromschienen und Gleise werden getauscht, dazu alle Weichen in den Bahnhöfen Potsdamer Platz und Nordbahnhof, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Installiert wird auch ein neues Zugsicherungssystem, das dann getestet wird. Leuschel: „An der Sicherheit wird nicht gespart, da sind wir kompromisslos. Wir bedanken uns für die Geduld.“ Sie wird auch 2015 strapaziert.